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Berlin & Brandenburg Staatssekretär für Corona-Joker bei Hochschul-Prüfungen

Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild

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Bibliotheken zu, Seminare online, Job weg: Berlins 200 000 Studenten haben in der Pandemie eine Menge wegstecken müssen. Nun gibt es guten Willen für einige Erleichterungen.

Berlin (dpa/bb) - Kulanz bei Prüfungen: Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach will Berlins Studenten das Leben in Pandemie-Zeiten erleichtern. "Bei Prüfungen hätte ich in diesem Semester grundsätzlich Sympathie für einen Freiversuch", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Doch das müssen die Gremien der Hochschulen beschließen." Bei einem Freiversuch zählt eine bestandene Prüfung, ein Durchfallen wird dagegen nicht gewertet. Die Vorlesungszeit endet in Berlin am 18. Juli.

Prüfungen fänden nun wieder verstärkt statt und würden auch sukzessive nachgeholt, berichtete Krach. "Es wird aber niemand gezwungen, sie jetzt abzulegen. Wir haben in unserer Taskforce mit den Hochschulen einen kulanten Umgang bei Prüfungen vereinbart." Freiversuche hatten sich zuvor die Studierendenvertretungen mehrerer großer Berliner Hochschulen gewünscht.

Auch eine von den Studenten geforderte Lösung für die Studienzeit sei in Arbeit, ergänzte Krach. "Wir stimmen aktuell einen Gesetzentwurf ab, mit dem die Regelstudienzeit um ein Semester verlängert werden soll." Das Gesetz solle nach der Sommerpause im Parlament beschlossen werden. Das ist zum Beispiel für Studenten wichtig, die BAföG beziehen.

"Unser Ziel ist, dass Studierende keine Nachteile durch das digitale Sommersemester haben", sagte Krach. "Wir müssen berücksichtigen, dass die Bibliotheken und Lesesäle zeitweise geschlossen waren und es kaum Präsenzveranstaltungen gab." Nicht jeder habe die Möglichkeit, sich auch zu Hause gut auf Seminare und Klausuren vorzubereiten.

Die Hochschulen hatten ihren Betrieb wegen der Corona-Pandemie innerhalb weniger Wochen auf digitalen Betrieb umstellen müssen. "Wir können nicht von einem normalen Semester sprechen und auch in den nächsten Wochen und Monaten wird noch einiges geklärt werden müssen", sagte Krach.

Doch im Großen und Ganzen sei er beeindruckt, wie die Hochschulen mit den Herausforderungen umgegangen seien. Einige hätten nahezu 100 Prozent digitale Lehre angeboten. "Die Arbeit oder Lehre in Laboren oder an künstlerischen Hochschulen lässt sich natürlich nicht vollständig digitalisieren, da waren teilweise aber dennoch 50 bis 60 Prozent möglich."

Der Senat hatte den Hochschulen einen Zuschuss von zehn Millionen Euro für den Ausbau digitaler Lehr- und Prüfungsformate gewährt. Weitere zwei Millionen Euro sollen zur Unterstützung folgen, insbesondere von ausländischen Studenten in Finanznöten. Sie machen unter Berlins fast 200 000 Studierenden rund ein Fünftel aus.

Krach verwies auch auf einen Technikfonds, aus dem Hochschüler und voraussichtlich bald auch Lehrbeauftragte einen Zuschuss für technische Ausstattung für das digitale Lernen und Lehren erhalten können. Das Land unterstütze diesen Fonds zusätzlich mit über drei Millionen Euro.

Unzufrieden sind viele Hochschüler dagegen mit dem Hilfspaket des Bundes, das sie für weggebrochene Jobs zur Finanzierung ihres Studiums entschädigen soll. In mehreren Demonstrationen protestierten sie bereits gegen die geringen Summen und die Abhängigkeit vom momentanen Kontostand. Auch die Auszahlung laufe nun nur schleppend an.

Eine Umfrage bei den großen Berliner Unis ergab, dass es bisher jedoch kaum mehr Studienabbrecher gibt. Einen Erstsemester-Schwund erlebten die Hochschulen nur bei Studenten aus dem Ausland, die nicht nach Deutschland kommen konnten.

Nur negativ will Krach das Pandemie-Semester nicht beurteilen. "Die Hochschulen haben bei der Digitalisierung nicht bei null angefangen. Aber es gab einen enormen Schub durch Corona", urteilte er. Vieles, was sich bewährt habe, werde digital bleiben. "Berlins Hochschulen werden aber Präsenz-Hochschulen bleiben", betonte er. Sie lebten vom direkten Austausch. Die Hochschulen wollten im Wintersemester, soweit es die Pandemie-Entwicklung zulasse, wieder so viele Präsenz-Veranstaltungen anbieten wie möglich.

Der Senat will eine Studie beauftragen, bei der auch Hochschüler über ihre Meinung zum - in diesem Semester eher unfreiwilligen - digitalen Lernen befragt werden sollen. "Einige Studierende finden es zum Beispiel gut, dass sie sich Vorlesungen nicht zu einem fixen Zeitpunkt anhören müssen", sagte Krach. Das könne auch die Vereinbarkeit von Hochschule und Familie einfacher machen.

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