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Berlin & Brandenburg Stübgen: "Schlimmste Dürre in der Geschichte des Landes"

Michael Stübgen steht neben einem Feuerwehrfahrzeug in der Waldbrandregion Elbe-Elster.

(Foto: Sebastian Willnow/dpa)

Für die Feuerwehren bleibt die Wetterlage in Brandenburg eine Herausforderung. Die Waldbrandgefahr nimmt zu. Innenminister Stübgen will bei der Brandbekämpfung eine bessere Zusammenarbeit mit Sachsen. Die Grünen fordern eine Reform des Waldgesetzes in Brandenburg.

Potsdam (dpa/bb) - Die Waldbrandgefahr in Brandenburg nimmt wieder deutlich zu. Für Donnerstag wird nach Angaben des stellvertretenden Waldbrandschutzbeauftragten des Landes, Philipp Haase, die höchste Gefahrenstufe fünf erwartet. Die Situation bei den Waldbränden hat sich nach Einschätzung von Innenminister Michael Stübgen (CDU) in Brandenburg in diesem Jahr dramatisch zugespitzt. Unterdessen fordern die Grünen im Land für vorbeugende Brandschutzmaßnahmen umfassende Änderungen im Waldgesetz.

"Die Dürre-Situation ist die schlimmste, die das Land in seiner Geschichte bisher erlebt hat", sagte Stübgen der Deutschen Presse-Agentur. Hintergrund seien die ausbleibenden Niederschläge der vergangenen fünf Jahre und die große Trockenheit auch in diesem Jahr. "Wir hatten in der Folge bereits über 400 Brände im Land", erläuterte der Minister. "Darunter fünf Großschadenslagen, bei denen die Landkreise von den Kommunen die Koordinierung übernehmen und etwa Hubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei anfordern."

Da zwei dieser Brände übergreifend an der Grenze von Brandenburg und Sachsen gewütet hätten, sei nun auch eine bessere Abstimmung mit dem Nachbarland notwendig, betonte Stübgen. Noch im August will er sich dazu mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU) treffen und über die Einrichtung gemeinsamer Strukturen beraten. Dabei gehe es auch um eine gemeinsame Beschaffung und den Einsatz von Gerät. Brandenburg habe mit Mecklenburg-Vorpommern knapp 50 Tanklöschfahrzeuge gekauft und im Einsatz. Solche gemeinsamen Beschaffungen wolle er auch mit Sachsen absprechen.

Unterdessen fordern die Brandenburger Grünen umfassende Änderungen im Waldgesetz. Das werde in den nächsten Monaten angegangen, bekräftigte die Landesvorsitzende Julia Schmidt. "Wir haben momentan das Problem, dass 75 Prozent des Waldes in privater Hand ist. So ist es schwierig, als Land präventiven Waldbrandschutz zu betreiben. Die Waldbesitzer fordern ja auch selber eine stärkere Unterstützung vom Land." Bei der Reformierung des Gesetzes geht es Schmidt zufolge unter anderem um das Schlagen von Schneisen, das Bohren von Löschwasserbrunnen und die Beseitigung von Totholz am Wegesrand.

Die Waldbrandzentralen haben bei der anhaltenden Trockenheit ein ganz anderes Problem. Momentan sei das Feststellen von Waldbränden auf Flächen, auf denen sich Feld und Wald abwechseln, für die Waldbrandzentralen schwierig, beschrieb der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Haase. Aufgrund fehlender Niederschläge komme es bei der Ernte zu starker Staubentwicklung. "Wir müssen da besonders behutsam hinschauen, damit es nicht zu Fehlalarmierungen kommt, denn wir schicken ja dann die freiwilligen Feuerwehren in den Einsatz."

Die hauptsächlich ehrenamtlichen Feuerwehrleute seien inzwischen am Limit ihrer Belastung, räumte der Innenminister in Potsdam ein. Denn die aufreibenden Einsätze bei Großbränden müssten noch neben der normalen Tätigkeit bei anderen Bränden oder etwa Verkehrsunfällen von den ehrenamtlichen Kräften bewältigt werden. Viele Gemeinden würden schon reagieren und sich vermehrt um Nachwuchsgewinnung und die zusätzliche Einstellung hauptamtlicher Kräfte bemühen.

Brandenburg habe in den vergangenen Jahren zudem deutlich beim Einsatzgerät nachgerüstet, sagte der Minister. Neben den Tanklöschfahrzeugen seien fünf Hochleistungspumpen angeschafft worden, die Wasser über zwei Kilometer zum Brandort bringen könnten - bis zu 20 000 Liter in einer Minute. All dies sei dieses Jahr schon eingesetzt worden. "Hier sind wir besser geworden, aber wir werden noch weitermachen müssen", räumte Stübgen ein.

Die Grünen setzen auf den Umbau des Waldes und deshalb auch auf die Forstreform, die ab Januar 2023 umgesetzt werden soll. In Brandenburg ist die Kiefer mit rund 70 Prozent der Gesamtwaldfläche die dominierende Baumart. "Für den Waldumbau ist das der erste Schritt", schätzte Landeschefin Schmidt ein. "Wir haben jetzt eine starke Forstverwaltung mit umfassenden Befugnissen und guter Ausbildung." Ohne die Umsetzung der Reform werde das nichts mit dem Waldumbau.

Nach dem einwöchigen Großbrand im Süden Brandenburgs hat sich die Lage dort beruhigt. Wie ein Sprecher der Feuerwehr am Mittwoch sagte, wird das Gebiet im Elbe-Elster-Kreis noch regelmäßig von Einsatzkräften der Verbandsgemeinde Liebenwerda überwacht. Doch die Gefahr neuer Waldbrände wächst. "Es gibt eine starke Sonneneinstrahlung auf die Waldböden, das Risiko von Waldbränden wächst", schätzte Experte Haase ein.

Quelle: dpa

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