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Berlin & Brandenburg Tödliche Fluchtfahrt: Staatsanwalt rückt von Mordvorwurf ab

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Berlin (dpa/bb) - Ein Jahr nach dem Tod einer unbeteiligten jungen Frau bei einer Verfolgungsjagd in Berlin-Charlottenburg ist der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor dem Landgericht vom Mordvorwurf abgerückt. Der 27-jährige Angeklagte sei unter anderem der fahrlässigen Tötung sowie des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig zu sprechen, forderte der Anklagevertreter am Mittwoch. Er beantragte acht Jahre und vier Monate Gefängnis. Für die Familie der Getöteten plädierte Anwalt Gregor Gysi auf einen Schuldspruch wegen Mordes. Der Linken-Politiker verlangte eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die Studentin schob ihr Fahrrad auf dem Bürgersteig, als sie am 6. Juni 2018 tödlich von dem Auto erfasst wurde. Sie starb noch am Unfallort. Ein 18-jähriger Beifahrer des Angeklagten starb wenig später. Ein Polizeibeamter und zwei Autofahrerinnen waren bei der wilden Fluchtfahrt verletzt worden.

Der aus Serbien stammende 27-Jährige sowie zwei 18- und 14-Jährige sollen nach einem Diebstahl vor der Polizei geflohen und durch die City-West gerast sein. An einer für ihn roten Ampel habe der Fahrer einen Unfall mit weiteren Autos verursacht und dabei die Fußgängerin erfasst.

Die Anklage lautet auf Mord. Es sei ihm darum gegangen, "um jeden Preis zu entkommen", heißt es. Der Staatsanwalt erklärte nun nach rund sechsmonatigem Prozess, es sei unklar, ob der Angeklagte tödliche Folgen in Kauf nahm. Am 19. Juni sollen die Verteidiger plädieren. Ob es an dem Tag zum Urteil kommt, blieb zunächst offen.

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