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Berlin & Brandenburg Umsetzung von Teststrategie beginnt mit Schulen und Kitas

Ein Wattestäbchen eines Corona-Abstriches wird bearbeitet. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

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Die Lockerungen in der Corona-Pandemie bergen auch das Risiko neuer Infektionsherde. Um sie frühzeitig aufzuspüren, hat der Senat im Mai eine Strategie beschlossen. Jetzt geht es an die Umsetzung. Doch über die möglichen Kosten gibt es keine Auskunft.

Berlin (dpa/bb) - Mit stichprobenartigen Corona-Tests bei Personal in Schulen und Kitas beginnt in Berlin bald die Umsetzung der neuen Corona-Teststrategie. Von der kommenden Woche an würden für Beschäftigte von insgesamt 48 Einrichtungen eigene Testzeiten eingerichtet, teilten die Senatskanzlei und die Charité am Donnerstag mit. Was die Umsetzung der Teststrategie kosten soll, wurde allerdings auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt. Der Senat habe beschlossen, dass "dafür Sorge getragen wird, dass alle bei den Fachressorts und der Charité anfallenden Kosten ausgeglichen werden, sofern die Krankenkassen sie nicht übernehmen", teilte ein Sprecher mit.

Getestet werden sollen zunächst Menschen ohne Symptome, die an 24 Grund- und Sekundarschulen sowie in 24 Kitas arbeiten. In der ersten Phase können den Angaben zufolge rund 1000 Menschen im Monat getestet werden. Die Teilnahme sei freiwillig. "Dies ist der Start einer breit angelegten Corona-Teststrategie, die die Universitätsklinik im Auftrag des Berliner Senats entwickelt hat", hieß es. Angestrebt werde, Infektionen früh zu erkennen und etwaige Ausbrüche einzudämmen.

Neben den Stichproben ist eine Schulstudie über einen Zeitraum von einem Jahr geplant, um das Infektionsgeschehen zu überwachen, wie die Charité weiter mitteilte. Ab Mitte Juni sollen demnach an 24 zufällig ausgewählten Schulen je 20 Kinder und Jugendliche sowie fünf Erwachsene in regelmäßigen Abständen getestet werden. Hierbei sollen neben den Tests mittels Abstrichen (PCR) auch Antikörpertests durchgeführt werden. Diese gelten als Hinweis auf eine bereits überstandene Infektion. Der PCR-Test hingegen gilt als Momentaufnahme und kann nur eine aktuelle Infektion anzeigen. Durch die wiederholten Checks derselben Menschen sollen der Anteil an aktiven und durchgemachten Sars-CoV-2-Infektionen bestimmt und Rückschlüsse auf den gesamten Infektionsstand der Bevölkerung gezogen werden.

Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid zeigte sich sehr überrascht, dass nun augenscheinlich die Wissenschaftsverwaltung die Federführung der Teststrategie für Kitas und Schulen übernommen habe. Bisher gehörte das zur Aufgabe der Gesundheitsverwaltung. "Das alles sind Neuigkeiten, die den Amtsärzten so bisher nicht kommuniziert wurden", kritisierte Larscheid. Ursprünglich seien für die genaue Ausarbeitung der Teststrategien Arbeitsgruppen eingerichtet worden. Dort sei in Sachen Schulen und Kitas bisher aber noch nichts auf den Weg gebracht worden. Manche Gruppen hätten noch nicht einmal getagt.

Die neue Strategie sieht auch Tests in anderen Bereichen wie Kliniken und Pflegeheimen vor, zudem etwa in Justiz und Gastronomie. "Diese Testungen werden voraussichtlich Ende Juni starten", hieß es auf Anfrage. Die Screenings und die Studie seien langfristig ausgelegt, ihre Dauer hänge "entscheidend mit der Entwicklung der Pandemie zusammen", teilte der Sprecher mit.

Regierungschef Michael Müller (SPD) sagte im Abgeordnetenhaus: "Wir sind noch nicht über den Berg, wir haben gemeinsam noch etwas zu tun, um diese Pandemie zu beherrschen." Deshalb sei geplant, die Testkapazitäten in Berlin deutlich stärker zu nutzen. "Wir müssen gerade beim Thema Kita und Schulen besonders sensibel sein." Das habe man in Göttingen gesehen, wo nach zahlreichen Neuinfektionen Schulen geschlossen worden seien. Er möchte nicht zurückfallen in eine Situation, in der flächendeckend wieder Einrichtungen geschlossen werden müssten. "Wir müssen wachsam und sensibel bleiben."

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte: "Mit der neuen Teststrategie wollen wir unserer Verantwortung gegenüber dem pädagogischen und nichtpädagogischen Personal, gegenüber den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern gerecht werden. Die Ergebnisse werden uns zusätzliche Sicherheit bringen."

Unklar blieb zunächst, nach welchen Kriterien die Schulen für das Screening und die Langzeitstudie ausgewählt werden. Experten betonen, große Brennpunktschulen seien etwas anderes als eine kleine Privatschule in einem gutbürgerlichen Stadtteil. Eine Studie müsse gut konzipiert sein und erfordere möglicherweise auch ein Votum des Ethikrats. Zufalls-Stichproben ohne Wiederholung und Konzept halten manche Kritiker darüber hinaus für sinnlos.

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