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Berlin & Brandenburg Wunschgroßeltern dringend gesucht

Die 93-Jährige Irene sitzt in ihrem Wohnzimmer vor dem Fernseher. Foto: Christoph Meyer

(Foto: Christoph Meyer/dpa)

Die leiblichen Großeltern wohnen weit entfernt oder es gibt gar keinen Kontakt - dieses Schicksal teilen viele Berliner Kinder. Ehrenamtliche Paten-Großeltern können hier eine Lücke füllen. Die Nachfrage ist groß.

Berlin (dpa/bb) - In Ruhe Geschichten vorlesen, stundenlang Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen oder mal so richtig auf dem Nachhauseweg von der Kita trödeln: alles Dinge, für die Eltern im Alltag oft wenig Zeit haben. Idealerweise übernehmen hier die Großeltern. Berliner Familien, die keine Omas und Opas in der Nähe haben, können sich bei verschiedenen Diensten ehrenamtliche Unterstützung holen. Die Nachfrage nach Wunschgroßeltern ist allerdings größer als das Angebot.

Allein 600 Wunschomas und -opas sind derzeit über den Großelterndienst in Berliner Familien aktiv. Und laut Leiterin Helga Krull könnten es noch mehr sein: "Etwa 500 Familien stehen auf der Warteliste", sagt sie. Besonders gefragt seien auch Großväter. Bislang seien die meisten Ehrenamtlichen weiblich. Der Großelterndienst vermittelt bereits seit 30 Jahren Patenschaften.

"Gerade in Großstädten wie Berlin leben viele Eltern mit Kindern, die ohne die Unterstützung von leiblichen Großeltern auskommen müssen, weil diese weit entfernt leben. Auch die Zahl der Alleinerziehenden ist hoch", sagt Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD). Das Engagement ehrenamtlicher Großeltern ist aus ihrer Sicht eine wertvolle Unterstützung im manchmal turbulenten Familienalltag.

"Es gibt inzwischen sehr viele andere Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Manche ältere Menschen wollen sich erst einmal ausprobieren und nicht gleich langfristig festlegen", erklärt Großelterndienst-Leiterin Krull einen Grund dafür, dass es nicht genügend Wunschgroßeltern gibt. "Viele suchen sich dann eher ein kurzfristiges Ehrenamt und denken, das sei besser. Dabei wissen sie gar nicht, wie viel Spaß das macht", sagt sie mit Blick auf die Patenschaften mit Kindern.

Auch Unsicherheit spiele eine Rolle, berichtet Veronika Wyss, Leiterin von Nanni-Großelternpatenschaften im Evangelischen Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. "Manche ältere Menschen haben vielleicht auch die Sorge, ihr Ehrenamt nicht gut genug zu machen", sagt die Koordinatorin, die bereits 25 Patenschaften vermittelt hat. Zehn weitere Familien stehen auf ihrer Warteliste.

Die Sorge, nicht gut genug zu sein, ist aber unberechtigt. Die Dienste bieten ausführliche Beratungen und auch Schulungen an. Auch Möglichkeiten zum Austausch gibt es. So veranstaltet beispielsweise der Großelterndienst regelmäßig ein Frühstück für Wunsch-Großeltern und auch Ausflüge. "Wir lassen Sie nicht allein! Wir führen Sie Stück für Stück an Ihre Aufgaben heran. Trauen Sie sich, wir unterstützen Sie dabei!", heißt es auf den Internetseiten des Dienstes.

Den Koordinatorinnen zufolge profitieren nicht nur Kinder, sondern auch die Senioren selbst und die Eltern der Kinder. Letztere haben regelmäßig ein paar Stunden Zeit für den Haushalt, zum Einkaufen oder einfach nur für sich. "Manch eine Paten-Oma ist auch ein Mutterersatz für die Mütter der Kinder", weiß Veronika Wyss. Schließlich verfügten die Paten-Großeltern oft über viel Lebenserfahrung, eine gewisse Ruhe und Gelassenheit. Gerade für junge Mütter eine große Hilfe.

"Die Wunschgroßeltern stehen weiterhin mitten im Leben, vielen helfen die Termine mit den Kindern auch, ihren eigenen Alltag zu strukturieren", nennt Krull Vorteile für die ältere Generation. Vor allem aber bereite ihnen der Umgang mit den Kindern eine große Freude. "Reisen und Freunde treffen - das reicht vielen Rentnern einfach nicht." Und für die Kinder sei die Zeit, die ihnen geschenkt werde, einfach unbezahlbar.

Auch andere Berliner Dienste vermitteln ehrenamtliche Paten für Kinder, wie zum Beispiel der Verein Berliner Familienfreunde. Andere Dienste konzentrieren sich auf bestimmte Zielgruppen wie etwa besonders begabte Kinder, Babys, Schüler, Kinder aus Flüchtlings-Familien, Kinder von Eltern mit Suchtproblemen oder mit psychischen Erkrankungen. Sie sprechen auch jüngere Generationen als potenzielle Paten an.

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