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Hamburg & Schleswig-Holstein 44 neue Corona-Fälle: Höchste Zahl seit Ende April

Ein medizinischer Mundschutz liegt auf einem Tisch im Sonnenschein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Deutlich mehr neue Corona-Infizierte in Hamburg: Zuletzt waren nur Ende April die gemeldeten Zahlen höher. Diese Meldung kommt ausgerechnet zum Schulstart. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde hat einen dringenden Rat, wie der Entwicklung zu begegnen ist.

Hamburg (dpa/lno) - In Hamburg ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen deutlich gestiegen. Sie kletterte seit Mittwoch um 44 Fälle, wie die Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit dem 30. April, als 77 neue bestätigte Corona-Infizierte gemeldet wurden. Am Donnerstag startete in der Hansestadt die Schule und die Kitas gingen wieder in den Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen.

Die Zahl 44 sei eine "ernstzunehmende Entwicklung", sagte ein Behördensprecher. In der Zeit nach der Rückkehr aus den Ferien müsse man besonders vorsichtig vorgehen. "Es kommt jetzt darauf an, dass sich insbesondere in diesen Tagen auch an die Regeln gehalten wird." Gleichzeitig betonte der Sprecher: "Nichtsdestotrotz beispielsweise von einer zweiten Welle muss angesichts dessen nicht gesprochen werden."

Eine niedrige zweistellige Zahl lässt sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde auf die Infektionen bei der Hamburger Werft Blohm+Voss zurückführen. Dort waren nach Angaben vom Mittwoch knapp 60 Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Erkrankte, die im Umland wohnen, werden in der dortigen Statistik gezählt.

"Es sind auch etliche Reiserückkehrer darunter - unter anderem aus der Türkei, Griechenland, Kroatien, Ägypten, Niederlande, Frankreich und Albanien", erläuterte der Sprecher. "Es sind aber auch etliche, die sich unter Umständen in Hamburg angesteckt haben könnten." Abgesehen von der Werft seien keine weiteren "Hotspots" in Hamburg bekannt. Der Sprecher appellierte an Reiserückkehrer aus Risikogebieten, das Thema Quarantäne sehr ernst zu nehmen.

Zum Start von Schule und Regelbetrieb in den Kitas erklärte der Behördensprecher: "Das spielt keine entscheidende Rolle in der Bewertung." Es scheine sich der aktuelle wissenschaftliche Ergebnisstand zu verfestigen, dass Kinder keine erhebliche Rolle bei der Verbreitung spielen. "Ich glaube viel mehr, dass es auf das Verhalten der erwachsenen Menschen ankommt. Immer da, wo es größere Zusammenhänge gab, (...) war das darauf zurückzuführen, dass Erwachsene sich nicht an die Regeln gehalten haben oder sich in Situationen begeben haben, die risikoreich waren."

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden damit 5529 Menschen in Hamburg positiv auf das Virus getestet (Stand Donnerstag, 11.00 Uhr). Rund 5000 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden. In Hamburger Krankenhäusern werden - Stand Mittwochmittag - den Angaben zufolge 18 Menschen mit dem Coronavirus behandelt. Acht von ihnen liegen auf Intensivstationen.

Laut dem Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 231 Menschen an Covid-19. Das RKI, das unabhängig von der Todesursache alle mit dem Virus infizierten Toten erfasst, kommt auf 261 Opfer.

Beträgt die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 pro 100 000 Einwohner, muss der Senat über Beschränkungen beraten. Am Donnerstag lag dieser Wert bei 8,0 von möglichen 50 Neuinfektionen. Für Hamburg beträgt die Grenze der Neuinfektionen den Angaben zufolge 900 Fälle in sieben Tagen.

Erstmals seit drei Monaten hat das RKI bundesweit mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert, wie es am frühen Donnerstagmorgen hieß. Die Schwelle von 1000 neuen Corona-Fällen war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder.

Anders als Mitte Juni, als es beispielsweise beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen einen großen Corona-Ausbruch gab, ist der jetzige Anstieg nicht hauptsächlich auf einzelne Brennpunkte zurückzuführen. Als Ursache nannte RKI-Präsident Lothar Wieler bereits vorige Woche Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln.

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