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Hamburg & Schleswig-Holstein Buchholz will mehr Unternehmen in den Norden locken

Bernd Buchholz (FDP), Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus. Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild

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Schlechte Zahlen, aber gute Perspektiven? Schleswig-Holstein will mit der Ansiedlung von mehr Unternehmen aus dem In- und Ausland seine Wirtschaftskraft stärken. Minister Buchholz sieht das Land auf einem guten Weg.

Kiel (dpa/lno) - Mit gezielter Werbung um Unternehmensansiedlungen in Schlüsselbranchen will Wirtschaftsminister Bernd Buchholz Schleswig-Holsteins industrielle Basis stärken und damit den Standort insgesamt. Dies machte der FDP-Politiker am Freitag im Landtag deutlich. Um seine Wirtschaftskraft zu verbessern und strukturelle Defizite zu überwinden, braucht das Land nach Überzeugung des Ministers mehr Unternehmensansiedlungen. Besonders im Blick hat er dabei, gestützt auf ein Gutachten, die Medizin- und Gesundheitswirtschaft, die digitale Wirtschaft, die Ernährungsindustrie und erneuerbare Energien.

Das Land sei hier auf einem sehr guten Weg und habe großartige Chancen, sagte Buchholz. Wichtig sei auch der Ausbau der Infrastruktur einschließlich der Autobahn 20. Deren Fortführung liegt seit Jahren infolge gerichtlicher Entscheidungen auf Eis. "Die A20 wird kommen, da bin ich ganz sicher", sagte der CDU-Politiker Hans-Jörn Arp. Alles andere wäre unverantwortlich, bekräftigte er. Die Grünen als Koalitionspartner sind gegen den Ausbau. Deren Wirtschaftspolitiker Joschka Knuth wollte in der Debatte keine Prognose über den weiteren Autobahnbau in Deutschland wagen. Das Land müsse seine Innovationskraft stärken und brauche dafür zusätzliche große Unternehmen.

Bei internationalen Ansiedlungen hatte Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich der Jahre 2012 bis 2020 nur den drittletzten Platz erreicht. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Thomas Hölck verwies auf negative Kennziffern des Wirtschaftsstandorts und bescheinigte der Landesregierung "keine gute Bilanz". Das Land leide wegen des niedrigen Lohnniveaus auch an einem Mangel an Fachkräften, was die Ansiedlung neuer Unternehmen erschwere.

Bei der Wirtschaftskraft liegt Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich deutlich unter dem Durchschnitt, weil seine industrielle Basis schwach ist. Die Industrie trägt Regierungsangaben zufolge nur 15 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei und stellt mit 46,3 Beschäftigten pro 1000 Einwohner deutlich weniger als im Schnitt aller Bundesländer (77,5).

Das geringe Gewicht der Industrie und der damit verbundene Mangel an Großbetrieben zementieren in der Konsequenz auch das seit langem bestehende Defizit der Innovationsschwäche. Denn in der Regel sind es in Deutschland Großunternehmen, die mit großen Forschungsabteilungen Innovationen vorantreiben. Rund 99 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein sind kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten. Diese haben meist keine größeren Entwicklungsabteilungen. Eine Folge: Bezogen auf die Einwohnerzahl werden im Norden weit weniger Patente angemeldet als im bundesweiten Durchschnitt.

Wegen der ganz vorwiegend mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur fallen konjunkturelle Auf- und Abschwünge im Norden geringer aus als im Bundesschnitt. So wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr real nur um 0,6 Prozent, während es in Deutschland insgesamt 2,9 Prozent waren.

© dpa-infocom, dpa:210923-99-332772/5

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