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Hamburg & Schleswig-Holstein Corona: Dohnanyi befürchtet schwere wirtschaftliche Folgen

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD). Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild

(Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild)

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) befürchtet schwere wirtschaftliche Konsequenzen nach der Corona-Pandemie, sollte die Politik nicht jetzt handeln. In Schleswig-Holstein spüren bereits fast 90 Prozent der Unternehmen die Folgen.

Hamburg/Kiel (dpa/lno) - Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) hat vor massiven Verwerfungen in der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie gewarnt, sollte die Politik nicht jetzt gegensteuern. Nach der Krise werde ein Überangebot von Produktionskapazitäten mit vielen Arbeitsplätzen auf eine Gesellschaft treffen, die längere Zeit kaum Geld verdient habe und Ersparnisse habe angreifen müssen, sagte der 91-Jährige in einem Interview des "Hamburger Abendblatts". Folglich werde ein Teil der Produktionskapazitäten zunächst gar nicht voll genutzt werden können. "Dann könnte dadurch Arbeitslosigkeit drohen, und die könnte durch die Folgen der Digitalisierung, der Klimapolitik und sinnloser internationaler Sanktionen weiter verstärkt werden."

Um dies zu verhindern, macht sich Dohnanyi dafür stark, Unternehmen der besonders betroffenen Branchen Teile ihrer Ertrags- und Gewerbesteuern aus früheren Jahren sofort "leihweise" zurückzuzahlen. "Das dauert ein paar Tage, hilft den Unternehmen schnell und zielgenau und ginge sogar ohne Antrag und Bürokratie." Zudem sei ein solches Programm gut kalkulierbar, "weil man ja weiß, wer wie viel Steuern gezahlt hat, und wer keine gezahlt hat, dem kann man ja dann über den beschlossenen Kreditweg der Banken helfen". Bund, Länder und Kommunen könnten sich die als Steuerrückzahlungen geleisteten Beträge dann wieder aus dem Rettungsfonds erstatten lassen.

Die Corona-Krise belastet nach einer neuen Blitzumfrage der Industrie und Handelskammer die Wirtschaft in Schleswig-Holstein spürbar und betrifft mittlerweile fast jedes Unternehmen unabhängig von der Branche. Neun von zehn der befragten Unternehmen (87 Prozent) geben an, dass die Krise bereits negative Auswirkungen auf ihr Geschäft hat. Fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) vermeldet den kompletten Stillstand der Geschäftstätigkeit.

2269 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage. In einer früheren Befragung Anfang März waren es noch vier von zehn Betrieben (39 Prozent) gewesen, die Auswirkungen auf ihre Geschäftslage spürten. "Es zeigt sich, dass sich die Lage bei den schleswig-holsteinischen Unternehmen in den vergangenen Wochen extrem verschärft hat und schnelle Hilfe dringend erforderlich ist", fasste Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, die Ergebnisse zusammen.

Ohne Hilfe könnten die Unternehmen diese Situation nicht lange überstehen, sagte Kühn. Als besonders wirksam bewerten die Unternehmen Soforthilfen in Form von Zuschüssen: 74 Prozent halten dies für ein sehr relevantes Mittel zur Unterstützung. Aber auch das Kurzarbeitergeld sowie Steuerstundungen oder die Herabsetzung von Vorauszahlungen halten sie für wichtige Hilfen.

Tausende Solo-Selbstständige und Klein-Betriebe haben gleich am ersten Tag Anträge auf wirtschaftliche Soforthilfe zur Bewältigung der Corona-Krise bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein gestellt. Am Donnerstag bis 16.00 Uhr wurden von der Website der Investitionsbank 11 000 Antragsformulare heruntergeladen, 6700 E-Mails mit fertig ausgefüllten Formularen oder Anfragen zu dem Antrag gingen ein, wie die Investitionsbank mitteilte.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigte sich optimistisch, dass zu Beginn der kommenden Woche erste Zuschüsse ausgezahlt werden. Für Kleinbetriebe sieht das Bundesprogramm Zuschüsse von bis zu 9000 Euro für Gewerbetreibende und Selbstständige mit bis zu fünf sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitskräften vor. Wer zwischen fünf und zehn Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt, kann bis zu 15 000 Euro erhalten.

In Hamburg und Schleswig-Holstein war die Zahl der Corona-Infizierten bis Donnerstag um 240 auf insgesamt 2299 gestiegen. Die Zahl der Covid-19-Erkrankten, die sich in klinischer Behandlung befinden, erhöhte sich den Angaben zufolge im Norden um 26 auf 138. In Hamburg erhöhte sich zudem die Zahl jener Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, um 4 auf 23. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem neuen Virus auf fünf. Eine 87-Jahre alte Frau aus dem Kreis Pinneberg starb am Mittwoch in einem Krankenhaus. Zu ihren Vorerkrankungen war zunächst nichts bekannt.

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