Regionalnachrichten

Hamburg & Schleswig-Holstein Corona-Pandemie: Hamburger halten sich meist an Auflagen

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, bei einer Pressekonferenz. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Hamburgs Bürger halten sich meist an die Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Bürgermeister Tschentscher freut das sehr. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass Uneinsichtige jetzt mit Strafen zu rechnen haben.

Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs Bürger halten sich weitgehend an die noch einmal verschärften Verhaltensregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Menschen nähmen die Maßnahmen ernst, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Montag dem Sender NDR 90,3. "Auf den öffentlichen Straßen und Plätzen, in den Parks ist überall erkennbar, dass die Abstandsregeln eingehalten werden (...) Ich glaube, wir sind jetzt in einer Situation, in der es auch bei dem Letzten angekommen ist." Ähnliche Beobachtungen machte die Polizei. "Die Nacht war extrem ruhig", sagte ein Polizeisprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Tschentscher ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass gegen Verstöße eingeschritten werde, so dass es auch "zu Bußgeldern und echten Sanktionen" komme. "Das ist jetzt eine Aufgabe, die unsere Polizeibeamten wahrnehmen. Und sie machen das auch wirklich mit Augenmaß, aber auch eben mit der nötigen Konsequenz."

Bund und Länder hatten sich am Sonntag auf eine umfassende Beschränkung sozialer Kontakte geeinigt. Maximal zwei Personen dürfen in der Öffentlichkeit noch zusammen sein. Familien oder Wohngemeinschaften sind ausgenommen. Ferner wurde festgelegt, dass Handwerker und Dienstleistungen, bei denen der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, ebenfalls untersagt sind. Dies gilt etwa für Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Tattoo-Studios.

ZAHL DER FÄLLE - Ungeachtet aller Maßnahmen ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen seit Sonntag weiter gestiegen. Insgesamt seien 102 neue Fälle von Covid-19-Erkrankungen bestätigt worden, teilte der Senat am Montag mit. Damit liege die Zahl der in Hamburg gemeldeten Fälle bei nunmehr 989. Unter den Infizierten sind 55 in stationärer Behandlung, 14 befinden sich auf einer Intensivstation. Am Vortag waren 51 Personen in stationärer Behandlung, davon 10 auf einer Intensivstation.

Unter anderem hat sich ein Kinderarzt aus dem Stadtteil Ottensen infiziert und seine Praxis geschlossen. Er sei positiv auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet worden und befinde sich in häuslicher Quarantäne, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde. Der Arzt, der sich bei seinem 90-jährigen Schwiegervater angesteckt habe, sagte dem NDR, es sei gut, dass es ihn so früh erwischt habe. "Wenn in zwei, drei Wochen die Riesenwelle auf uns zukommt, sind wir immun und können auch helfen", erklärte er.

WIRTSCHAFT - Die Stadt und die Finanzwirtschaft kündigten unterdessen an, in Not geratene Unternehmen nicht allein zu lassen. "Im Schulterschluss von Bund, Land und Finanzwirtschaft machen wir deutlich: Wir gemeinsam lassen die vielen Selbstständigen, die vielen Unternehmen aller Branchen und Größen in dieser schwierigen Lage nicht im Stich!", heißt es in einer Erklärung von Hamburger Sparkasse, Hamburger Volksbank, Investitions- und Förderbank, dem Bankenverband Hamburg, Finanzplatz Hamburg und der Finanzbehörde.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Handwerkskammer Hamburg forderten die Unternehmen auf, trotz Krise Arbeitsplätze zu erhalten. In einem gemeinsamen Appell riefen sie Arbeitgeber und Betriebsräte auf, alle Instrumente und Mittel auszunutzen. "Sichern Sie die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zahlen Sie die Löhne weiter", erklärte der Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer, Karl-Heinz Westphal. Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger verwies auf die neuen Regelungen zum Kurzarbeitergeld. "Mit Menschlichkeit und sozialer Verantwortung füreinander meistern wir gemeinsam diese historische Krise."

Die Lufthansa Technik AG erwartet nach einem Rekordwachstum im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise einen Umsatzeinbruch. "Das volle Ausmaß wird uns erst mit Verzögerung treffen, so dass eine Prognose momentan unmöglich ist, aber erste Auswirkungen sind bereits massiv spürbar", erklärte Vorstandschef Johannes Bußmann. Alles hänge von der Dauer der Krise ab und wie sich die Fluggesellschaften davon erholten. Bußmann betonte jedoch: "Durch die Internationalität unseres Unternehmens glauben wir, die Auswirkungen der Krise bewältigen zu können."

ABITUR - Zwei Hamburger Schüler haben angesichts der Pandemie eine Petition zur bundesweiten Absage der Abiturprüfungen gestartet. Stattdessen soll in diesem Jahr jede Schülerin und jeder Schüler deutschlandweit ein sogenanntes Durchschnittsabitur erhalten, heißt in der unter anderem an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bürgermeister Tschentscher und zahlreiche Bildungsminister der Länder gerichteten Petition. Dabei soll etwa in Hamburg ein Durchschnitt der einzubringenden 32 bis 40 Semesterergebnisse der vergangenen vier Halbjahre errechnet und als Abiturnote festgelegt werden. Die beim Internetportal "change.org" veröffentlichte Petition haben bis Montagnachmittag fast 25 000 Unterstützer unterzeichnet.

KIRCHEN - Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat unterdessen besonders für alte, kranke und sozial isolierte Menschen eine kostenlose Seelsorge-Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 0800 4540106 werden insgesamt 35 ausgebildete Seelsorger täglich von 14 bis 18 Uhr als Gesprächspartner erreichbar sein, wie die Nordkirche mitteilte. Das Hilfsangebot richte sich an jeden, unabhängig von Glaube oder Religionszugehörigkeit, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt.

TELEFONPATEN - Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hamburg sucht für ältere und hilfsbedürftige Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie Telefonpaten und Einkaufshilfen. "Ein täglicher oder regelmäßiger Telefonanruf ist ein wichtiger Ankerpunkt für viele Abgeschirmte", erklärte der Landesverband. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln könne für Ältere und Hilfsbedürftige problematisch sein. "Freiwillige könnten hier mit einer Einkaufshilfe viel bewegen." Interessierte können sich auf der Website des Landesverbands registrieren, um Menschen zu helfen, die aufgrund der Ansteckungsgefahr keinen Kontakt zur Außenwelt haben dürfen.

TAFELN - Ein Aufruf der Hamburger Tafel hat viele neue Helfer beschert. Zudem haben nun auch einige Ausgabestellen in der City dank bereits vorgepackter Tüten wieder geöffnet. "Es haben tatsächlich drei Ausgabestellen wieder auf, die vorher zu waren", sagte Sprecherin Julia Bauer. Die Hamburger Tafel liefert Lebensmittel an 130 Ausgabestellen. Von denen haben derzeit nur etwa 30 geöffnet.

SPENDENPARLAMENT - Das Hamburger Spendenparlament vergibt angesichts der Corona-Pandemie erstmals seit seiner Gründung 1996 mehr als 400 000 Euro Fördermittel ohne Abstimmung im Plenum. "Präsidium, Vorstand und Finanzkommission haben entschieden, dass die 18 von der Finanzkommission vorgeschlagenen Projekte ohne Parlamentssitzung Fördermittel erhalten", erklärte Vorstandschef Uwe Kirchner. Das Spendenparlament hat nach eigenen Angaben seit 1996 rund 1350 Projekte in Hamburg gegen Obdachlosigkeit, Armut und Isolation mit rund 13 Millionen Euro unterstützt.

KLINIKEN - Die Asklepios-Kliniken wollen bis Ende Mai 500 zusätzliche Intensivbetten mit Beatmungsgeräten für Corona-Patienten einrichten. Der Krankenhaus-Konzern habe Beatmungsgeräte und andere Technik für 37 Millionen Euro gekauft und setze bei der Anschaffung auch auf die angekündigte Hilfe der Bundesregierung, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Die Auslieferung soll in der nächsten Woche beginnen, je nach Bedarf und Freigabe der Fördermittel durch die Länder. Zum Aufbau der neuen Kapazitäten nutze der Konzern auch Ersatzgeräte aus eigenen Beständen. Asklepios ist bundesweit an rund 160 Standorten aktiv und verfügt über 800 Beatmungsbetten. 300 davon befinden sich in den sieben großen Asklepios-Kliniken in Hamburg.

DESINFEKTIONSMITTEL - Der Kosmetik-Konzern Beiersdorf hat der Hamburger Feuerwehr und dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) 6000 Liter Desinfektionslösung gespendet. "Für uns ist das praktische und direkte Nachbarschaftshilfe", erklärte der Werksleiter der Beiersdorf Manufacturing Hamburg (BMH), Frank Labahn, bei der Übergabe. Wegen der durch die Coronakrise ausgelösten Knappheit hatte das Unternehmen vergangene Woche angekündigt, die Produktion von Desinfektionsmitteln in Hamburg-Eimsbüttel, Waldheim (Sachsen) und Tres Cantos bei Madrid hochzufahren. Die ersten 500 Tonnen sollen öffentlichen Einrichtungen und Einsatzkräften gespendet werden.

Newsticker