Regionalnachrichten

Hamburg & Schleswig-Holstein Erstes umfassendes Gutachten über Baukosten im Norden

Ein Gerüst steht an der Baustelle eines Wohn- und Geschäftshauses. Foto: Carsten Rehder/Archiv

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Das war Pionierarbeit: Für Schleswig-Holstein liegt ein ausführliches Gutachten zu den Kosten im Neubau von Wohnungen vor. Es gibt Firmen, Städten und Privatleuten dazu detaillierte Informationen an die Hand. Die Experten formulieren auch Warnungen.

Kiel (dpa/lno) - Betriebe, Kommunen und private Bauherren in Schleswig-Holstein bekommen jetzt erstmals einen umfassenden und detaillierten Überblick über die Kostenfaktoren beim Bau von Häusern und Wohnungen. Dazu hat die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen ein Gutachten erstellt, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. Für das Gutachten wurden 7130 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von gut 1,4 Milliarden Euro analysiert. Das entspricht fast einem Drittel der in den vergangenen drei Jahren im Land fertiggestellten Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Das Gutachten wird am Montag in Kiel auf einer Fachtagung des für Wohnungsbau zuständigen Innenministeriums vorgestellt.

Da zum Vergleich mehr als 30 000 bundesweit erfasste Wohnungen herangezogen wurden, reicht die Bedeutung der Arbeit weit über das Land hinaus. Aus dem Gutachten geht hervor, dass die reinen Baukosten im Land weitgehend gleich hoch sind. Wesentliche Differenzen ergeben sich demnach aus den Grundstückskosten in der jeweiligen Region und unterschiedlichen Ansprüchen. So werden neue Häuser für Mietwohnungen im Hamburger Umland, in Kiel und Lübeck deutlich häufiger mit Tiefgaragen gebaut als in kleineren Städten. Damit wird es erheblich teurer.

Keine Überraschung: Die höchsten Baukosten wurden für die Inseln und das Hamburger Umland ermittelt. Im Landesmittel wurden an Errichtungskosten 2581 Euro je Quadratmeter Wohnfläche errechnet und an Grundstückskosten 246 Euro je Quadratmeter. Es geht aber auch billiger. Immerhin 20 Prozent der erfassten Projekte wurden mit Baukosten um 1800 Euro je Quadratmeter Wohnfläche verwirklicht. Gegenüber Hamburg lagen die Gesamtkosten im Landesdurchschnitt um ein Viertel niedriger.

Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die bauliche Qualität im Neubau in Schleswig-Holstein unabhängig vom Standort hoch ist. Administrative Anforderungen fallen demnach aber sehr unterschiedlich aus. Zu den Ergebnissen gehört auch, dass öffentlich geförderte Neubauwohnungen meist einen höheren energetischen Standard aufweisen. Im Bundesvergleich kommt der Norden energetisch auch deshalb besser weg, weil die hier gebauten Wohnungen in den letzten Jahren um zehn Quadratmeter kleiner waren als in Deutschland insgesamt.

Eine gute Nachricht für Mieter: Dem Gutachten zufolge hat die Wohnungswirtschaft im Land etwa seit 2015/2016 die stark gestiegenen Baukosten nicht im gleichen Maß auf die Neubaumieten umgelegt. Den Kommunen raten die Gutachter, eine "gezielte Baulandpolitik sowie ein vorausschauendes Grundstücksmanagement" zu betreiben, um ausreichend Bauland vorzuhalten. Dessen Knappheit gilt als eines der wichtigsten Hindernisse für mehr Wohnungsbau.

Im Hinblick auf die Kosten im Verhältnis zum Nutzen empfehlen die Gutachter, Standards zum Beispiel für Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brand- und Schallschutz oder Sturm- und Schneesicherheit nicht weiter zu erhöhen. Das Qualitätsniveau sei bereits sehr hoch. Es sollte auch immer geprüft werden, ob Keller oder Tiefgarage tatsächlich benötigt werden.

Newsticker