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Hamburg & Schleswig-Holstein Fast zwei Tonnen Drogen geschmuggelt: Lange Haftstrafen

Eine Ausgabe des Strafgesetzbuchs und der Strafprozessordnung stehen in einem Gerichtssaal.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild)

Eigentlich sollten in den Containern aus Südamerika nur Bananen oder Reis sein. Tatsächlich waren in den Behältern auch Hunderte Kilo Kokain versteckt. Zwei Männer, die an dem Schmuggel beteiligt waren, hat das Landgericht Hamburg jetzt zu langen Haftstrafen verurteilt.

Hamburg (dpa/lno) - Wegen Beteiligung am Schmuggel und Handel mit fast zwei Tonnen Kokain und anderen Drogen müssen zwei Hamburger für lange Zeit ins Gefängnis. Das Landgericht Hamburg verurteilte am Mittwoch einen 35-Jährigen zu acht Jahren und zehn Monaten Haft. Ein 36-Jähriger bekam eine Strafe von vier Jahren und zehn Monaten (AZ: 615 KLs 6/22). Das Gericht ordnete zudem die Einziehung von knapp 570 000 Euro an Drogengewinnen an, davon den Großteil im Fall des jüngeren Beschuldigten.

Der größte Coup, an dem die beiden nach Überzeugung der Strafkammer beteiligt waren, scheiterte letztendlich. Am 5. Juli 2020 fand der Hamburger Zoll in einem Container aus der Dominikanischen Republik, der offiziell nur Reis enthielt, 1280 Kilogramm Kokain. Es habe sich um eine "auch für uns ungewöhnlich große Menge" gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin Nele Behr.

Mit wechselnden Mittätern hätten die Angeklagten geleerte Kühlcontainer aus dem Hafen geholt, um die darin versteckten Drogen zu bergen. Einer der Mittäter habe einen Zugangscode für das Hafenterminal gehabt. Vor dem Großschmuggel hatte die HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) aber bereits den Account gesperrt. In zwei anderen Fällen war es der Bande jedoch im März 2020 gelungen, 154 und 381 Kilo Kokain aus Bananen-Containern aus Ecuador zu holen. Der jüngere Angeklagte war nach Feststellung des Gerichts auch am Handel mit 46 Kilo Amphetamin und 84 Kilo Marihuana aus Spanien beteiligt.

Eindringlich warnte die Richterin vor den Gefahren von Kokain. Die Substanz führe zu höchster psychischer Abhängigkeit und sei eine ganz gefährliche Droge. Zur Struktur der Bande mit wechselnden Mitgliedern sagte Behr: "Das ist wirklich organisierte Kriminalität."

Als Beweismittel dienten Chats aus dem verschlüsselten Messengerdienst Encrochat, den französische und niederländische Behörden im Frühjahr 2020 geknackt hatten, sowie Fotos und Zeugenaussagen. Beide Angeklagte legten nach Angaben der Richterin Geständnisse ab. Die Anwälte des 35-Jährigen hatten sich mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft auf einen Strafrahmen geeinigt. Der Beschuldigte war Anfang des Jahres in Budapest festgenommen worden.

Trotz der Verurteilung des älteren Angeklagten zu vier Jahren und zehn Monaten setzte die Strafkammer seinen Haftbefehl außer Vollzug - gegen strenge Auflagen und eine Kaution von 20.000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bereits am Mittwochnachmittag begann vor derselben Strafkammer ein weiterer Prozess um den Schmuggel von mehr als 1,7 Tonnen Kokain aus Südamerika. Die fünf beschuldigten Männer im Alter zwischen 31 und 39 Jahren sollen laut der Anklage im September 2020 zusammen mit Komplizen zunächst einen Container mit 700 Kilo des Rauschgifts aus dem Hamburger Hafen geholt und in einer Lagerhalle in Reinfeld (Kreis Stormarn) entladen haben. Einen zweiten Container mit 1050 Kilogramm Kokain brachten sie zu einer Lagerhalle in Buxtehude (Landkreis Stade). Die Bande soll die Drogen zum überwiegenden Teil weiter in die Niederlande geliefert haben. Das Gericht hat mehr als 40 Verhandlungstermine bis Ende Juni nächsten Jahres angesetzt.

Erst am Montag hatte das Landgericht einen Drogendealer zu zwölf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der 47-jährige Hamburger war nach Überzeugung der Strafkammer am Verkauf von anderthalb Tonnen Kokain und rund einer Tonne Marihuana beteiligt. Im September hatte das Gericht eine siebenköpfige Bande zu Strafen von bis zu zwölf Jahren verurteilt. Die Angeklagten waren am Schmuggel von mehr als drei Tonnen Kokain in Containern beteiligt gewesen.

Quelle: dpa

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