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Hamburg & Schleswig-Holstein Frau aus Hamburg unter festgenommenen IS-Rückkehrerinnen

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Seit Jahren sitzen Frauen aus Deutschland, die sich der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen hatten, in syrischen Gefangenenlagern fest. Kommen sie zurück nach Deutschland, wartet oft schon der Haftbefehl - erneut auch für eine Hamburgerin.

Karlsruhe/Hamburg (dpa/lno) - Unter den drei auf Antrag der Bundesanwaltschaft festgenommenen IS-Rückkehrerinnen aus Syrien befindet sich auch eine Frau aus Hamburg. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lebte die deutsche Staatsangehörige vor ihrer Ausreise in die ehemals von der Terrormiliz Islamischer Staat besetzten Gebiete im Stadtteil Steilshoop. Der Frau werde unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, die Entziehung Minderjähriger sowie Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vorgeworfen, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Insgesamt waren in der Nacht zum Donnerstag acht Frauen mit insgesamt 23 Kindern in einer von der Bundesregierung gecharterten Maschine in Frankfurt am Main gelandet. Ein Großteil der Rückkehrerinnen sei nach der Landung in Haft genommen worden, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) mit. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lagen gegen sechs Frauen Haftbefehle vor, darunter drei vom Generalbundesanwalt beantragte.

Eine Festnahme erfolgte aufgrund eines Haftbefehls des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg. Dabei handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um eine 33-jährige IS-Rückkehrerin aus Bremen. In Fällen, die nicht vom Generalbundesanwalt verfolgt werden, ist die Zentralstelle Staatsschutz der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg auch für Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zuständig.

Die Frauen sollen sich vor Jahren dem IS angeschlossen haben und ihre Kinder im Sinne der Terrormiliz erzogen haben. Zuletzt lebten sie mehrere Jahre im Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens, das unter kurdischer Verwaltung steht.

Nach Berichten des Norddeutschen Rundfunks war die Hamburgerin 2014 mit ihrer damals dreijährigen Tochter in die vom IS besetzten Gebiete gereist, ohne dass der getrennt von ihr lebende Vater des Kindes etwas davon wusste. Erst Jahre später habe der Mann erfahren, dass sich das Kind in einem kurdischen Gefangenencamp befinde. Seither hatte er sich dem Bericht zufolge vergeblich darum bemüht, das Kind nach Deutschland zu holen.

Die drei und fünf Jahre alten Kinder der festgenommenen Frau aus Bremen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Vertretern des Jugendamtes Frankfurt übergeben. Die 33-jährige deutsche Staatsbürgerin war den Angaben zufolge im April 2014 über die Türkei nach Syrien gereist, hatte dort einen IS-Kämpfer geheiratet und sich auch selbst der Terrormiliz angeschlossen.

Laut Anklagebehörde unterstützte sie die Taten ihres Ehemannes, indem sie die Haushaltsführung übernahm und ihn in seinem Verhalten bestärkte. Gemeinsam hätten sie regelmäßig als Zuschauer an öffentlichen Bestrafungsaktionen des IS gegen sogenannte "Ungläubige" teilgenommen. Nachdem ihr Ehemann im Kampf gefallen war, habe sie nacheinander noch zwei weitere IS-Kämpfer geheiratet. Ende 2017 sei sie bei dem Versuch, Syrien zu verlassen, gefasst und in dem Gefangenenlage in Nordsyrien untergebracht worden.

Erst vor knapp einer Woche hatte die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg Anklage gegen eine 24-Jährige IS-Rückkehrerin erhoben. Die Mutter zweier Kinder wird ebenfalls beschuldigt, Mitglied des IS gewesen zu sein und sich an dessen Zielen beteiligt zu haben.

© dpa-infocom, dpa:211007-99-512862/6

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