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Hamburg & Schleswig-Holstein Fridays-for-Future-Demo soll coronabedingt kleiner ausfallen

Demonstranten von

(Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild)

Es sollte die erste Großdemo nach dem Corona-Lockdown werden. Doch zu ihrem sechsten globalen Klimastreik dürfen die Fridays-for-Future-Anhänger in Hamburg nicht so zahlreich auf die Straße gehen wie geplant. Das wollen sie nicht so hinnehmen.

Hamburg (dpa/lno) - Statt der ursprünglich geplanten 10 000 Menschen sollen am Freitag bei der Fridays-for-Future-Demonstration in Hamburg nur noch 2000 auf die Straße gehen dürfen. Entsprechende Auflagen seien angesichts der Corona-Pandemie erteilt worden, sagte ein Sprecher der Jugend-Klima-Bewegung am Donnerstag. Außerdem solle auf die geplante 1,5 Kilometer lange Abschlusskundgebung in der Ludwig-Erhard-Straße verzichtet werden. Die Polizei bestätigte die Verfügung, die auf Grundlage einer "dringenden Empfehlung der Sozialbehörde" ergangen sei.

Ursprünglich wollte Fridays for Future (FFF) beim sechsten globalen Klimastreik in drei Demonstrationszügen zur Abschlusskundgebung ziehen. Es sollte die erste Großdemo nach dem Corona-Lockdown werden. Nun sollen nur noch zwei Züge mit jeweils maximal 1000 Teilnehmern zugelassen werden.

Im Anschluss an die Demonstrationszüge aus Altona und vom Berliner Tor seien getrennte Abschlusskundgebungen mit jeweils maximal 1000 Teilnehmern möglich, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sei als Alternative für den dritten Demonstrationszug, der ursprünglich an der Lombardsbrücke starten sollte, eine Menschenkette mit höchstens 1000 Teilnehmern rund um die Binnenalster als "stationäre" Kundgebung denkbar.

Grundsätzlich seien Versammlungen mit mehr als 1000 Teilnehmern in Hamburg verboten, erklärte der Sprecher. Eine Ausnahmegenehmigung sei aufgrund der Bedenken der Sozialbehörde in diesem Fall nicht erteilt worden. "Die kurzfristige Intervention der Sozialbehörde ist für uns nicht nachvollziehbar", sagte FFF-Sprecher Florian König. Er kündigte rechtliche Schritte an. Ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht sei eingereicht.

Als für Gesundheit zuständige Fachbehörde habe man hinsichtlich der Fridays-for-Future-Demo aus "epidemiologischer Sicht" durchaus große Bedenken, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich. "Erstens ist es bei so großen Menschenansammlung nicht immer möglich, Abstand zu wahren. Zweitens ist die Kontaktnachverfolgung außerordentlich schwer."

Da bei Demonstrationen keine Gästelisten geführt werden könnten, seien Infektionsketten "kaum nachvollziehbar", was im Falle eines Ausbruchs dann theoretisch dazu führen könne, "dass 10 000 Menschen in Quarantäne müssen". Und drittens ist laut Helfrich durch das Alter der Fridays-for-Future-Anhänger zu befürchten, dass mögliche Infektionen nach dem Motto "Von der Demo in die Schule" ins Bildungssystem übertragen werden können.

Fridays for Future habe ein umfangreiches Infektionsschutzkonzept vorgelegt, "das die Sozialbehörde jetzt ignoriert", meinte hingegen König. "Wenn in Hamburg Tennis, Fußball und Dom vor Menschenmassen stattfinden dürfen, eine durchgeplante und sichere Demonstration aber nicht, wäre das ein fatales Signal."

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