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Hamburg & Schleswig-Holstein Grünen-Chef Habeck packt im Kampf gegen Vermüllung mit an

CleanUp Day in Flensburg am Strand Solitüde. (l-r) Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht, Rasmus Andresen (EU-Abgeordneter), Steffen Regis (Landesvoristzender der Grünen in SH) und Robert Habeck , Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Benjamin Nolte/dpa/Aktuell

(Foto: Benjamin Nolte/dpa/Aktuell)

Ob Kippen, Dosen oder Plastiktüten: Die Vermüllung der Küsten bleibt hierzulande ein großes Thema. Am jährlichen Küstenputztag werden nicht nur die Strände gesäubert. Vor allem soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Denn jeder kann was tun.

Flensburg (dpa/lno) - Im Kampf gegen die Vermüllung der Ostsee haben an den deutschen Küsten zahlreiche Helfer am Wochenende viel Müll und Unrat von den Stränden aufgelesen. Auch Grünen-Chef Robert Habeck hat am Samstag in Flensburg mit angepackt. Mit einer blauen Mülltüte lief der Bundesvorsitzende der Grünen rund zwei Stunden über den Strand und sammelte Plastik, Zigarettenstummel und vieles mehr ein. An seiner Seite halfen Parteikollegen wie Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht und der EU-Abgeordnete Rasmus Andresen sowie rund 50 weitere Freiwillige. Hintergrund der Aktion war der jährliche internationale "CleanUp Day", bei dem Tausende Freiwillige Strände, Ufer, Wälder oder Parks von Plastikmüll säubern.

Den internationalen Küstenputztag gibt es dem Naturschutzbund Nabu zufolge seit mehr als 30 Jahren. Im vergangenen Jahr waren dabei an deutschen Küsten, Ufern und Seen mehr als 4600 Kilogramm Müll eingesammelt worden.

Unterdessen hatte die Bundesregierung nach einer Kleinen Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion eingeräumt, dass ein Ziel im Kampf gegen die Vermüllung von Nord- und Ostsee nicht erreicht wurde. Nach der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie von 2008 sollte ein "guter Umweltzustand" in den EU-Meeren bis 2020 erreicht werden, teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion mit. Hinsichtlich des Aspekts "Müll im Meer" bedeute dies, dass "die Eigenschaften und Mengen der Abfälle im Meer [...] keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt" haben. "Dieses Ziel wird verfehlt", heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Müll an der Küste der deutschen Nord- und Ostsee ist laut Bundesregierung "ubiquitär", das heißt überall verbreitet und am Meeresboden weit verbreitet. "Abnehmende Trends in der Müllbelastung der Strände (...) sind im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2014 nicht festzustellen." Die deutschen Gewässer seien zu stark von Müll belastet.

Etwa 75 Prozent des gefundenen Mülls in den Meeren und an den Stränden sind laut Bundesregierung Kunststoffe. Alljährlich werden allein in wenigen Stichproben an Nord- und Ostsee tausende Stücke Müll gefunden. Durchschnittlich werden pro freigeräumtem Strandabschnitt an der Nordsee 550 Müllteile gefunden. Und an der Ostsee 172 Müllteile. Die am meisten gefundenen Müllteile sind Plastik bzw. Styropor-Bruchstücke und Folienfetzen. In der Ostsee macht diese Art des Mülls 39,2 Prozent der gefundenen Teile aus. In der Nordsee sind es 25,3 Prozent.

An den deutschen Stränden der Nordsee stammen 51 Prozent der Müllfunde von der See - vor allem aus der Schifffahrt und Fischerei. 40 Prozent des Mülls stammt aus Freizeit- und Tourismusaktivitäten und aus dem kommunalen Raum. An den Ostseestränden kommen 50 Prozent des Mülls von Freizeit- und Tourismusaktivitäten, 25 Prozent sind Folge von Einleitungen von Abwässern und 25 Prozent stammen aus seebasierten Quellen.

Im Kampf gegen Plastikmüll setzte der Bundestag am Donnerstag EU-Vorgaben um. Das Parlament beschloss das Verbot bestimmter Wegwerfartikel. Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es schon jetzt gute Alternativen gibt, sollen ab 3. Juli 2021 nicht mehr verkauft werden dürfen. Auch der Bundesrat muss bis dahin noch zustimmen. Aus den Supermarkt-Regalen und Imbissbuden verschwinden dann Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Plastik, außerdem Becher und Behälter für Essen aus Styropor. Ziel ist, dass weniger Plastikmüll an Stränden und im Meer landet.

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