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Hamburg & Schleswig-Holstein Leiter des Landeskriminalamtes seines Amtes enthoben

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Die Affäre um die Polizeieinheit "Cold Cases" zieht weitere Kreise. Jetzt muss auch der Chef des Hamburger Landeskriminalamtes gehen. Dem Polizeipräsidenten fehlt "Vertrauen für weitere Zusammenarbeit".

Hamburg (dpa/lno) - Der Hamburger Polizeipräsident, Ralf Martin Meyer, hat den Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Frank-Martin Heise, seines Amtes enthoben. "Mir als Amtsleitung fehlt das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit", heißt es in einem internen Schreiben von Meyer an seine Kollegen. Diese nicht leichte Entscheidung sei im Kontext der Untersuchung der Arbeitsgruppe "CCU" (Cold-Cases-Unit) erforderlich geworden. Meyer hatte die Arbeitsgruppe im März eingerichtet, nachdem im Zusammenhang mit den bisherigen Untersuchungen der Ermittlungsarbeit der Cold Case Unit nicht unerhebliche Vorwürfe zum Thema Führung und Zusammenarbeit im Landeskriminalamt erhoben wurden.

Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe, die nun vorliegen, zeigten "auch über den engeren Untersuchungsgegenstand der Cold Case Unit hinaus, dass das Führungsverhalten von Frank-Martin Heise auf verschiedenen Ebenen zu so erheblicher Kritik geführt hat, dass ich die weitere Verwendung von Herrn Heise in dieser – für die Polizei Hamburg besonders herausragenden – Funktion nicht länger verantworten kann", schreibt Meyer weiter. Es sei beabsichtigt, Heise zeitnah auf einen anderen Dienstposten umzusetzen. Über die weiteren Ergebnisse der Arbeitsgruppe "CCU" soll demnächst informiert werden.

Nach dem Freispruch im Fall eines versuchten Mordes vor 38 Jahren hatte die Hamburger Polizei Vorwürfe des Gerichts gegen ihre Sonderkommission "Cold Cases" prüfen lassen. Bei dem Fall ging es um die versuchte Ermordung und Vergewaltigung einer 16-Jährigen am 1. November 1980 im Stadtteil Steilshoop. Die Soko hatte Anfang Februar 2018 einen 54-Jährigen festgenommen. Am 24. Oktober 2018 wurde der Mann freigesprochen.

In der mündlichen Urteilsbegründung warf das Landgericht den Ermittlern schwere handwerkliche Fehler vor: Zeugen seien getäuscht worden, die Soko habe den Hauptbelastungszeugen mit einer Belohnung zur Aussage bewegt, das Opfer habe den Angeklagten nur aufgrund einer suggestiv zusammengestellten Fotoserie mit Bildern mehrerer Männer identifiziert. Der Chef der Einheit, Steven Baack, war als Leiter der Einheit abgesetzt und in die Innenbehörde versetzt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe die Cold-Case-Einheit der Polizei Fehler, aber keine Straftaten begangen.

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