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Hamburg & Schleswig-Holstein Linke demonstrieren gegen G20-Prozess in Hamburg

Teilnehmer einer Demonstration der Kampagne

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Seit vergangenen Donnerstag stehen in Hamburg fünf junge Leute vor Gericht, die sich 2017 an den Krawallen während des G20-Gipfels beteiligt haben sollen. Linke Gruppen unterstützen die Angeklagten und demonstrieren.

Hamburg (dpa/lno) - Dreieinhalb Jahre nach den G20-Krawallen sind in Hamburg linke Demonstranten gegen einen Prozess gegen Gipfel-Gegner von damals auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von "in der Spitze" rund 2000 Demonstrationsteilnehmern, die am Nachmittag vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt nach St. Pauli zogen.

Zu dem Protest aufgerufen hatten im ganzen Bundesgebiet verschiedene linke Gruppen, darunter auch als extremistisch eingestufte wie die Interventionistische Linke, die Rote Hilfe sowie verschiedene Antifa-Gruppen und Anarchisten, die als gewaltorientiert gelten. Sie forderten "Widerstand gegen die Repression" und "Solidarität mit den Betroffenen des Rondenbarg-Prozess".

Der Verfassungsschutz hatte vor der Demonstration gewarnt. "Wer an dieser Versammlung teilnimmt, macht sich mit gewaltorientierten Linksextremisten gemein", hieß es in einer Mitteilung.

Vereinzelt wurde von Demonstranten Pyrotechnik gezündet. Bei einer Zwischenkundgebung vor dem Strafjustizgebäude habe es eine vorläufige Festnahme gegeben, als ein 45 Jahre alter Mann versucht habe, Polizeibeamte mit einer Dose zu bewerfen, sagte ein Polizeisprecher. Schon zuvor soll der Mann am Neuen Jungfernstieg eine Flasche geworfen haben. Größere Zwischenfälle gab es nicht.

Aus Infektionsschutzgründen war der Demonstrationszug in Blöcke aufgeteilt worden. Die Polizei begleitete ihn mit starken Kräften. 900 Beamte waren im Einsatz. Auch Wasserwerfer standen bereit. Im gesamten Innenstadtbereich kam es wegen Straßensperrungen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Im sogenannten "Rondenbarg-Prozess" müssen sich seit Donnerstag vergangener Woche vor dem Hamburger Landgericht fünf junge Leute wegen gemeinschaftlichen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die heute 19 bis 21 Jahre alten Angeklagten sollen sich im Juli 2017 an einem Aufmarsch von 150 bis 200 einheitlich schwarz gekleideten G20-Gegnern beteiligt haben, aus dem heraus Polizisten mit Steinen beworfen worden waren.

Eigenhändige Gewalttaten werden den Angeklagten nicht vorgeworfen. Sie sollen sich jedoch mit den anderen Teilnehmern des Aufmarsches verabredet haben, gemeinsam loszuziehen und gewaltsam gegen Polizeibeamte vorzugehen. Die eigentlichen Steinewerfer hätten durch den Aufmarsch vor Identifizierung geschützt werden sollen.

Schon zum Prozessauftakt hatte es Proteste gegeben. Kritiker sehen in dem Verfahren den Versuch, Teilnehmer einer Versammlung für die Aktionen Einzelner verantwortlich zu machen, und eine Gefahr für die Versammlungsfreiheit.

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