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Hamburg & Schleswig-Holstein Moia-Fahrdienst auf Prüfstand: Verkehrseffekte bewertet

Ein Fahrzeug des VW-Fahrdienstes Moia. Foto: Daniel Reinhardt/Archivbild

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Neben Bus und Bahn steigt die Zahl neuer Mobilitätsangebote in Hamburg: Sammeltaxis sind unterwegs, Elektro-Tretroller und Fahrräder werden gemietet, Autos geteilt. Welche Auswirkungen hat das auf das Verkehrsaufkommen? Der Fahrdienst Moia stellt sich auf den Prüfstand.

Hamburg (dpa/lno) - Der Sammeltaxi-Dienst Moia lässt sein Fahrangebot in Hamburg wissenschaftlich durchleuchten. 340 000 Fahrten seien seit dem Start Mitte April gebucht worden, berichtete Moia-Geschäftsführer Ole Harms am Mittwoch in Hamburg. Warum die Fahrgäste bei Moia einstiegen, welches andere Verkehrsmittel sie dafür stehenließen und welche Effekte dies auf den gesamten Stadtverkehr hat, soll jetzt in einer zweijährigen Studie erforscht werden. "Wir wollen uns messbar machen", sagte Harms. Die Ergebnisse sollen auch Erkenntnisse über beeinflussbare Veränderungen im Gesamtverkehr liefern.

Die Pooling-Quote liegt den Unternehmensangaben zufolge bei rund 60 Prozent, das heißt, mehr als ein Fahrgast wird auf einer Fahrstrecke befördert. Diese Quote so früh nach dem Start schon erreicht zu haben, habe ihn überrascht, freute sich der Moia-Chef. Rund 250 000 Menschen hätten die App, über die die Fahrten ausschließlich gebucht werden, heruntergeladen.

Für die Langzeitstudie arbeiten Wissenschaftler der Bundeswehruniversität München und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) zusammen. Das KIT will rund 1000 Moia-Nutzer ausführlich zu ihrer Auswahl befragen, außerdem sollen repräsentativ 1000 Hamburger zu ihren genutzten Verkehrsmitteln Auskunft geben. Die Ergebnisse hierzu sollen im 1. Quartal 2020 vorliegen. Mit dem Nachfrage-Modell sollen auch Prognosen für eine zukünftige Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel erstellt werden, erläuterte Martin Kagerbauer vom KIT.

Prof. Klaus Bogenberger von der Bundeswehr-Uni hat bereits Simulationen für München erarbeitet. Ihm zufolge käme es dort zu einer Entlastung im individuellen Pkw-Verkehr, bei Lärm und Emissionen, wenn mehr als fünf Prozent der Autofahrer auf Fahrdienste wie Moia zurückgriffen. Dafür müssten rund 1000 Fahrzeuge dieser Anbieter im Einsatz sein, erläuterte Bogenberger. Außerdem sei eine sehr hohe Kunden-Nachfrage erforderlich, um viele Mitfahr-Optionen (Pooling) zu generieren und darüber Leer-Anfahrten einzusparen. Mit der Hamburger Analyse will der Wissenschaftler vor allem klären, von welchem Verkehrsmittel Nutzer auf Ride-Sharing-Angebote umsteigen. Daraus könnten Erkenntnisse auch für andere deutsche Städte gewonnen werden, sagte Bogenberger.

Moia ist mit 100 elektrobetriebenen Fahrzeugen in Hamburg an den Start gegangen - zum Unmut mancher Taxifahrer, deren Konkurrenz sich verschärft hat. Per Gerichtsentscheid wurde dem Anbieter erlaubt, vorläufig seine Flotte wie geplant auf 500 Minibusse bis 2021 aufstocken zu dürfen. In den nächsten Wochen solle sie von derzeit mehr als 100 auf 200 verdoppelt werden. Es gebe mehr Nachfrage nach dem Fahrdienst, als bedient werden könne, sagte ein Moia-Sprecher.

Die vom Tochterunternehmen des VW-Konzerns eigens auf den Markt gebrachten Fahrzeuge nehmen bis zu sechs Passagiere an mehr als 10 000 festgelegten Haltepunkten auf. Die Fahrten sollen im Preis zwischen Taxis und öffentlichem Nahverkehr angesiedelt sein. Moia ist auch in Hannover im Einsatz.

Moia in Hamburg

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