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Hamburg & Schleswig-Holstein Prien sieht Schulen gut gerüstet, Zoff um Samstagsunterricht

Karin Prien (CDU) kommt zu einem Pressetermin in der Goethe Gemeinschaftsschule. Foto: Carsten Rehder/dpa

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Sollen Schüler bis zum Sommer auch samstags zur Schule gehen? Die Kieler Bildungsministerin Prien befürwortet das - und handelt sich heftige Kritik ein. Auf die anstehenden Prüfungen sind die Schulen nach Priens Überzeugung gut vorbereitet.

Kiel (dpa/lno) - Es ist alles vorbereitet: 50 kleine Tische stehen im Zwei-Meter-Abstand voneinander in der hellen, modernen Turnhalle der Goethe Gemeinschaftsschule in Kiel. An einem Tisch sitzt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), gibt am Montagnachmittag ein Statement ab zum Stand der Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen und beantwortet Journalistenfragen - begleitet von handfestem Zoff um möglichen Unterricht am Sonnabend.

Die Schulen seien unter den gegebenen Corona-Umständen gut vorbereitet auf die Prüfungszeit, sagt die CDU-Politikerin. Darauf könnten Schüler und Lehrer vertrauen. Im Norden starten am Dienstag die Abiturprüfungen, die Prüfungen zum ersten und mittleren Schulabschluss folgen im Mai.

Auf die Frage nach einem "Corona"-Bonus bei der Notenvergabe sagt Prien: "Natürlich sind die Gesamtumstände zu berücksichtigen." Ein guter Pädagoge werde das auch tun. Zu Forderungen, jetzt ganz auf Nichtversetzungen zu verzichten, meint die Ministerin, anders als in anderen Ländern sei Sitzenbleiben in Schleswig-Holstein jetzt schon die absoluten Ausnahme. Vielleicht sollten eher weitere Möglichkeiten geschaffen werden, freiwillig ein Jahr zu wiederholen.

Prien überzeugte sich an der Kieler Schule vom Vorbereitungsstand, samt Hygiene- und Abstandsvorgaben. Hier beginnen die Prüfungen für den 9. und 10. Jahrgang im Mai. Prien bekräftigt in der Turnhalle ihre Überlegung, auch samstags unterrichten zu lassen - um zu vermeiden, dass einzelne Jahrgänge in diesem Schuljahr gar nicht mehr in die Schule kommen. Nach ihrem Eindruck auch aus Gesprächen mit Schülern sei es wichtig, zumindest eine Präsenzphase in der Schule zu haben. Dies sei nur bei Entzerrungen leistbar. Sie wolle Unterricht zumindest an einem Tag in der Woche ermöglichen und dafür könne sie sich eine Schulöffnung samstags bis zum Sommer vorstellen.

Mit ihrem Vorstoß, den sie zunächst über den Deutschlandfunk gemacht hatte, löste Prien heftigen Widerspruch aus. Prien mache Politik von oben herab, sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, Astrid Henke. "Die Einführung von Sonnabendunterricht geht klar zu Lasten der Lehrkräfte." Statt mit der GEW Lösungen für die Wiederaufnahme des Unterrichts suchen, scheine die Ministerin lieber Schlagzeilen zu produzieren. "Sonnabendunterricht jedenfalls lehnen wir entschieden ab."

In der Krise rächten sich Versäumnisse der Politik, sagte Henke. Die Sparpolitik vergangener Jahrzehnte falle nun Lehrern Schülern auf die Füße. Henke listete auf: "Warmwasser in Schultoiletten zum Händewaschen Fehlanzeige, Papierhandtücher Luxus, Wlan nicht flächendeckend, dienstliche E-Mail-Adressen für Lehrkräfte noch nicht eingerichtet, Dienst-Laptops für Lehrkräfte auch nicht da."

Die SPD schloss sich der Kritik an. "Wenn nun die Antwort der obersten Dienstherrin auf das Engagement der Lehrkräfte in der Corona-Krise die Wiedereinführung der Sechstage-Woche ist, muss man sich über Lehrermangel nicht mehr wundern", sagte der Schulpolitiker Kai Vogel. Prien sollte ihre "Geistesblitze" erst mit den Betroffenen erörtern und nur nach einer Verständigung "ins Mikrofon beißen".

Als extrem ungewöhnlich für die Schulen bezeichnete der Prüfungskoordinator der Goethe Gemeinschaftsschule, Markus Michalski, die Situation. "Doppelt aufregend ist es für die Schüler." Die Ministerin versuchte, den Schülern die Aufregung zu nehmen: "Sie sind gut vorbereitet", sagt Prien in der Turnhalle. Auch seien die Umstände so geregelt worden, dass die Prüfungen gut geschrieben werden können.

An 160 Schulen im Land stehen die Abi-Prüfungen für 14 000 Schülerinnen und Schüler an. Die Regeln sind überall gleich: Die Tische müssen zwei Meter voneinander entfernt stehen, Wege sind zu kennzeichnen, Desinfektionsmittel steht bereit. Schüler mit Vorerkrankungen schreiben in separaten Räumen.

Von Mittwoch an beginnen die Vorbereitungen auf Abschlussprüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA - 10 500 Schüler) und Mittleren Schulabschluss (MSA - 12 000). Am 4. Mai soll in den vierten Grundschulklassen und den Abschluss-Jahrgängen des kommenden Schuljahres der Unterricht wieder beginnen.

Prien kündigt für die nächsten Monate einen Sprung in Sachen Digitalisierung an. Mit Hochdruck werde daran gearbeitet, jene Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten, die zu Hause keine solchen haben.

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