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Hamburg & Schleswig-Holstein Prozess um Mordversuch: Angeklagter gesteht Schläge

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: picture alliance / Peter Steffen/dpa/Symbolbild

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Zwei Männer verletzen ihr Opfer mit einem Baseballschläger und zwei Schüssen lebensgefährlich. Jetzt steht einer der mutmaßlichen Täter wegen Mordversuchs vor Gericht. Er gesteht Schläge. Zur Identität des Mittäters schweigt er.

Kiel/Eckernförde (dpa/lno) - Es ist ein Angriff aus dem Hinterhalt. Zwei Männer attackieren einen 33-Jährigen, als dieser im Domsland in Eckernförde gerade seine Einkäufe auslädt, es fallen Schüsse - einer der mutmaßlichen Täter wird gefasst. Zu Beginn des Prozesses am Landgericht Kiel gesteht der 36-Jährige am Freitag lediglich zwei Schläge mit einem Baseballschläger und Tritte gegen das Opfer. Er bedauere die Tat. Geschossen habe der Mittäter, sagte der Armenier. Er habe noch versucht, ihn zu stoppen und "Schieß nicht!" gerufen, als er die Waffe in dessen Hand gesehen habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten gemeinschaftlich begangenen heimtückischen Mordversuch vor. Demnach schlugen die Täter am frühen Abend des 30. März mit einem Baseballschläger auf Kopf und Oberkörper des Opfers ein und schossen vier Mal. Zwei Schüsse trafen den Mann in den Hinterkopf. Er wurde lebensgefährlich verletzt. Mehrmals habe der Mann operiert werden müssen, habe wochenlang im Krankenhaus gelegen, sagt Staatsanwalt Benedikt Bernzen zu Prozessbeginn.

Nach seinen Worten bleibt das Warum der Tat auch rund sieben Monate danach noch im Dunkeln. Auch der zweite Angreifer ist noch nicht bekannt. Der 36-jährige Angeklagte verweigerte vor Gericht ausdrücklich Angaben zur Identität des Mannes und den Hintergründen der Tat. Er kenne den Mann seit zwei Jahren aus Deutschland. Der Mann sei aber kein Freund, sagte er.

"Ich kann über ihn nicht sprechen", wiederholte er auf beharrliches Nachfragen des Gerichts - und verwies auf seine armenische Herkunft. Zur Tat selbst sagte er: "Ich weiß, worum es ging, aber ich kann nicht darüber sprechen." So wie er stammen demnach der mutmaßliche Mittäter und das Opfer aus Armenien.

Nach Darstellung des Angeklagten setzte er den anderen Mann, mit dem er gemeinsam zum Tatort gefahren sei, auf dem Rückweg ab - nach einem heftigen Streit über die Schüsse. "Wo?", fragte der Vorsitzende Richter. Die Antwort blieb so nebulös wie die anderen Angaben des Mannes: "Die Gegend und der Weg waren für mich unbekannt", sagte er. Das Opfer will der Angeklagte nicht gekannt haben.

Hinweise von Augenzeugen führten zu dem 36-Jährigen. Er kam in Untersuchungshaft. Zu seiner Person bestätigte der Angeklagte, dass er erstmals unter falscher Identität 2009 in Deutschland eingereist sei. Als sein Asylantrag scheiterte, kehrte er demnach nach Armenien zurück. 2015 kam er im Rahmen einer Familienzusammenführung wieder nach Deutschland.

Das Gericht hat bis Ende November vier weitere Verhandlungstage anberaumt. Das Opfer soll am dritten Verhandlungstag gehört werden.

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