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Hamburg & Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein pocht auf ergebnisoffene Endlagersuche

Jan Philipp Albrecht (Bündnis90/Die Grünen), schleswig-holsteinischer Umweltminister. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild

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Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) dringt auf eine ergebnisoffene Suche nach einem Atommüll-Endlager. "Wir werden es nicht akzeptieren, wenn Schleswig-Holstein und die hiesigen Kommunen nicht sachgerecht behandelt werden", sagte Albrecht am Freitag in Kiel. "Das wird so nicht laufen."

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der siebziger Jahre bereits ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben auf Beschluss von Union, SPD und Grünen gestartet worden. Am 28. September sollen in Berlin bundesweit geeignete Teilgebiete für ein Endlager benannt werden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.

Albrecht kritisierte das Verhalten Bayerns bei der Endlagersuche scharf. "Es kann nicht sein, dass am Ende einzelne Länder wie zu Beispiel Bayern das Verfahren politisch lenken wollen." Die Geologie der möglichen Standorte müsse über politischen Interessen stehen.

Bayern hatte das seit Verfahren zuvor grundsätzlich infrage gestellt. Mit Gorleben gebe es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem "Spiegel". Man habe nur aus politischen Gründen den Schlüssel abgezogen. "Dieser Prozess wird über Jahrzehnte in Deutschland für Unruhe sorgen und Milliarden kosten."

Albrecht erwartet im Zwischenbericht auch Standorte in Schleswig-Holstein. Dies sei aber keine Vorentscheidung, sagte er. In der ersten Phase gebe es Untersuchungen, ob die vorhandenen Salz-, Granit- oder Ton-Formationen dick genug für ein Endlager wären. In der zweiten Phase mit dann bereits deutlich weniger Standorten stünden unterirdische Erkundungen an. "Man reduziert die Zahl der Standorte dadurch immer weiter."

Die Entscheidung pro Gorleben sei damals allein aus politischen Gründen gefallen, sagte Albrecht. Das dürfe bei der Endlagerfrage auf keinen Fall so kommen. "In Bayern wird man möglicherweise auf Granit stoßen - und vielleicht auch auf geeigneten."

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