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Hamburg & Schleswig-Holstein Sonniger Arbeitsplatz mit 730 PS auf der Kieler Förde

Cerina, Oberkommissarin der Wasserschutzpolizei, steht mit einem Fernglas am Heck des Polizeibootes. Foto: Carsten Rehder

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Kontrollen auf Kreuzfahrtschiffen, Kontrolle von Rasern und Unfälle auf dem Wasser: Besonders zur Kieler Woche haben die Besatzungen der Polizeiboote viel zu tun. Eines schätzen die Beamten besonders an ihrem Job.

Kiel (dpa/lno) - Mit Vollgas brettert die "Neumühlen" über die Kieler Förde. Die Besatzung des Polizeiboots hat nahe des Leuchtturms Falkenstein einen Temposünder ausgemacht. Wasserschutzpolizist Basti legt den Hebel auf den Tisch, wie man in der Sprache der Motorbootfahrer sagt, und nimmt die Verfolgung eines grünen Sportboots auf. Bei etwa 25 Knoten (entspricht knapp 50 Kilometern pro Stunde) wird der Abstand immer kleiner. Bald ist das gut zehn Meter lange Boot eingeholt und seine Kollegin Cerina geht an Bord.

Im Gegensatz zum Straßenverkehr haben Polizisten auf dem Wasser keine Blitzer. "Denn Laser funktionieren auf einem wackligen Boot nicht", sagt Polizist Basti, der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Lediglich zehn Knoten (weniger als Tempo 20) sind auf der Innenförde erlaubt. Wer mit dem Sportboot schneller unterwegs ist oder gar Wasserskiläufer im Schlepptau hat, registriert Strafen. "Man kann es sehen, wenn ein Boot zu schnell ist", sagt der Beamte.

Der soeben vermeintlich erwischte Raser gibt sich anfänglich aber nicht einsichtig. "Wir haben hier einen, der behauptet steif und fest, langsam gefahren zu sein", gibt der Polizist über Funk an seine Dienststelle an Land durch. Die Beweispflicht liegt auch auf dem Wasser bei den Beamten. Die können notfalls auf die Daten der Radarüberwachung zugreifen. Mit Hilfe der Bilder lässt sich die Geschwindigkeit eines Bootes ermitteln.

Das Revier von Basti und Cerina reicht von der Hohwachter bis zur Eckernförder Bucht, auch auf dem Nord-Ostsee-Kanal fahren sie mit der 730 PS starken "Neumühlen" Streife. "Andere Klientel, bessere Luft", sagt die 28-Jährige. Die meisten Bootsführer oder Seeleute, mit denen sie auf der Kieler Förde zu tun hätten, seien freundlich. "Denn sie wollen ja, dass wir auf ihrem Schiff nichts finden."

Unfälle, Schiffshavarien, Umweltvergehen oder die Kontrolle eines riesigen Kreuzfahrtschiffs - das Aufgabenspektrum der Wasserstreifen ist breit. Besonders viel zu tun ist während der am Sonntag endenden Kieler Woche. "In diesen Tagen bin ich 99 Prozent meiner Dienstzeit auf dem Wasser", sagt Basti während er den Gashebel des Polizeiboots nach vorne bewegt.

Für den 37-Jährigen ist das Sommerfest mitten in seinem Revier mit das Schönste im Norden. Froh ist er aber, wenn am Samstagnachmittag die traditionelle Windjammerparade auf dem Förde vorbei ist. "Das ist wirklich ein wahnsinniges Durcheinander", sagt er. Kleinere Havarien gebe es dabei "eigentlich jedes Jahr".

Seit Beginn des Fests am Freitag hatten die Polizisten auf dem Wasser zusätzlich zu Routinekontrollen der Berufsschifffahrt oder Begleitung von Marine- und Kreuzfahrtschiffen mehr als 50 Einsätze. Gegen zehn Sportbootfahrer schrieben sie Anzeigen, beispielsweise für zu schnelles Fahren. Außerdem mussten sie sich auch um den Fall eines Seglers kümmern, der bei der Kollision eines Traditions- mit einem Segelschiff über Bord ging, aber glücklicherweise unverletzt blieb.

Während betrunkene Freizeitskipper auf dem Wasser mittlerweile weniger Probleme bereiten, bereiten ihnen die Folgen des Sommerwetters derzeit viel Arbeit. Wegen der hohen Temperaturen springen immer wieder Badende von den Anlegern der Fördeschiffe. Das ist wegen des regen Schiffsverkehrs gefährlich und deshalb verboten.

Die Schwimmer vor dem Anleger "Bellevue" kommen der Aufforderung der Beamten sofort nach, aus dem Wasser zu kommen: "Ja, machen wir." Die Polizisten sind zufrieden - zumal auch der rasende Motorbootfahrer inzwischen angekündigt hat, die Strafe doch zahlen zu wollen.

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