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Hamburg & Schleswig-Holstein Stegners Wechsel von Kiel in den Bundestag so gut wie sicher

SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner spricht im Landtag von Schleswig-Holstein. Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild

(Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild)

Wichtiger Etappensieg für Ralf Stegners angestrebten Wechsel von Kiel in den Bundestag 2021: Der SPD-Landtagsfraktionschef setzt sich in einer Kampfkandidatur als Direktkandidat für den Wahlkreis Pinneberg durch. Noch fehlt die Absicherung auf der Landesliste.

Kiel (dpa/lno) - Der SPD Kreisverband Pinneberg hat Ralf Stegner als Direktkandidaten im Wahlkreis Pinneberg für die Bundestagswahl 2021 nominiert. Der 61-jährige Landtagsfraktionschef und langjährige SPD-Landeschef setzte sich am Samstag bei der SPD-Wahlkreiskonferenz in Schenefeld gegen den Elmshorner Stadtverordneten Mats Hansen (31) durch. Stegner erhielt 64 Stimmen, Hansen 28 Stimmen; es gab eine Enthaltung. Das Votum betrug knapp 69 Prozent.

Stegner sprach von einem "riesigen Vertrauensbeweis" und versprach alles dafür zu tun, den Wahlkreis wieder für die SPD zu gewinnen. Stegner nahm mit der Kandidatur eine wichtige Hürde für seinen angestrebten Wechsel von Kiel nach Berlin in den Bundestag.

Den Wahlkreis Pinneberg hatte bei der Bundestagswahl 2017 der konservative CDU-Politiker Michael von Abercron mit 39,7 Prozent der Erststimmen gewonnen, der auch 2021 CDU-Kandidat sein wird. Ernst Dieter Rossmann von der SPD erhielt bei der vergangenen Bundestagswahl 30,3 Prozent. Er kandidiert nicht mehr.

Nach der Wahl schenkte Rossmann Stegner, der in Bordesholm im Kreis Rendsburg-Eckernförde lebt, eine Fahrradwegekarte des Kreises Pinneberg. Vom Kreisverband erhielt Stegner unter anderem einen Bären, einen Sechserpack Berliner Kindl und rote Socken für den Haustürwahlkampf. Der Kreisvorsitzende Thomas Hölck schenkte Stegner eine Tüte Vitaminbonbons des Hamburger Traditionsvereins HSV: "Ich weiß aber nicht, ob das hilft", meinte Hölck launig.

Dass die SPD 2021 den Wahlkreis direkt gewinnt, scheint aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Üblicherweise können Wahlkreiskandidaten aber mit guten Plätzen auf der SPD-Landesliste für die Bundestagswahl rechnen. In SPD-Kreisen geht man davon aus, dass Stegner, einen sicheren Listenplatz erhalten dürfte. Die schleswig-holsteinische SPD hat zurzeit sechs Bundestagsabgeordnete. Im Februar soll ein Landesparteitag die Landesliste für die Bundestagswahl beschließen.

Bei der Wahlveranstaltung zeigten sich inhaltlich kaum Unterschiede zwischen Stegner und seinem jungen Herausforderer. Beide setzten sich ein für soziale Gerechtigkeit, für eine forcierte Energiewende, für Friedenspolitik und mehr Frauen in der Politik.

Der Generationenunterschied - altgedienter SPD-Berufspolitiker vs. jungen Gastronom und Kommunalpolitiker - bot die Wahl. Stegner wusste um diese Schwäche und warnte vor jeder Form von Altersdiskriminierung: "Das Alter sagt gar nichts." Entscheidend seien politischer Einsatz, Durchsetzungsvermögen, die Fähigkeit, Allianzen zu schmieden. Stegner spielte geschickt seine Karten aus: Zwölf Jahre Landesvorsitzender und Landtagsfraktionsvorsitzender, Landesminister, Ex-Bundes-Vize.

In der Fragestunde kritisierte ein Delegierter, dass Rossmann seinen Verzicht zu kurzfristig bekanntgegeben habe, so dass sich nur Hansen "tollkühn" als Gegenkandidat gegen den Politprofi Stegner gemeldet habe. Doch diese Kritik verhallte ohne Antwort.

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