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Hamburg & Schleswig-Holstein Tourismusbarometer im Norden steht weiter auf "schön"

Zahlreiche Urlauber genießen Strand und Meer. Foto: Markus Scholz/Archivbild

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Der Tourismusboom im Norden hält an. Die Gäste kommen in Scharen und die Übernachtungszahlen steigen weiter. Die Besucher sind überwiegend sehr zufrieden, nur in einem Punkt nicht wirklich. Das Fahren mit Bus und Bahn soll für Fremde künftig viel leichter werden.

Kiel (dpa/lno) - Die Zufriedenheit der Touristen mit ihren Gastgebern in Schleswig-Holstein wächst und ist größer als im deutschen Durchschnitt. Topwerte bekommen Standort, Hotel und - trotz der Klagen über Fachkräftemangel - der Service. Auch Außenanlagen, Essen und Trinken sowie die Zimmer werden sehr gut bewertet, die Preise etwas weniger gut. Das geht aus dem Tourismusbarometer 2019 hervor, den der Sparkassen- und der Tourismusverband am Mittwoch in Kiel vorstellten. Demnach stieg der Zufriedenheitsindex im Norden auf 85,4 von 100 Punkten. In Deutschland insgesamt waren es 83,5.

Nur 48 Punkte schafften die Gastgeber beim Thema Internet. Das ist nach Angaben des wirtschaftswissenschaftlichen Fremdenverkehrsinstituts dwif überall der am schlechtesten bewertete Punkt. Spitzenreiter Bremen stehe bei 57, Mecklenburg-Vorpommern nur bei 38,7. Für den Zufriedenheitswert werden Bewertungen von mehr als 30 Onlineplattformen für Hotels und Ferienwohnungen zusammengefasst.

Nach dem Rekordjahr 2018 hatte auch das laufende Jahr für die Tourismusbranche im Norden gut begonnen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Übernachtungen in den Betrieben mit mindestens zehn Betten auf eine Höchstzahl von 34,5 Millionen gestiegen. Dies bedeutet ein Plus von 15,3 Prozent. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Zahl der in die Statistik einbezogenen Gästebetten deutlich gestiegen ist. Ohne diesen Effekt blieb laut dwif ein Zuwachs von 3,5 Prozent, womit Schleswig-Holstein zum sechsten Mal in Folge kräftiger zulegte als Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gab es Zuwächse zum Vorjahr.

Doch nicht nur Übernachtungen sind ein großes Geschäft: Tagesreisende steuern mehr als ein Drittel zum touristischen Gesamtumsatz bei. Im vergangenen Jahr bewirkten 130,4 Millionen Tagesreisen einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro. Die Summe entspricht laut dwif 36 Prozent des touristischen Gesamtumsatzes im Land. In der genannten Zahl der Tagesreisen sind auch Geschäftsreisen, Verwandtenbesuche oder Fahrten zu Sportveranstaltungen enthalten. Zwei Drittel der Tagesreisenden kommen aus Schleswig-Holstein. Jeder von ihnen gibt am Tag im Schnitt 26,60 Euro aus. "Der Tagestourismus ist ein unterschätzter Riese", sagte dwif-Experte Markus Seibold.

Weitere Reserven für den Tourismus sehen Fachleute auch für die Zeit außerhalb der Sommersaison, in der Gewinnung von mehr ausländischen Gästen und weiteren Anstrengungen zur Qualitätssteigerungen. Das Tourismusministerium kündigte für Anfang November die Vorstellung einer überarbeiteten Tourismusstrategie an. Ein wichtiger Punkt seien innovative Konzepte für die Mobilität, sagte Abteilungsleiter Johannes Hartwig. Auf den Weg gebracht sei ein Projekt, bei dem Touristen Bus und Bahn ohne Fahrschein nutzen können.

Zunächst ist vorgesehen, dass Gäste in Orten, in denen die Ostseecard gilt, die Kurkarte auch als Fahrschein nutzen können - und das im ganzen Land. Dazu laufen noch viele Gespräche. Ob das Vorhaben schon im nächsten Jahr umgesetzt werden kann, ist offen. Derzeit sind noch 71 Prozent der Gäste am Urlaubsort mit dem Auto unterwegs und nur 15 Prozent mit Bus und Bahn. 84 Prozent reisen mit dem eigenen Wagen an.

Als vorrangig erachtet das Tourismusministerium auch die Stärkung des Tourismus im Binnenland sowie den Ausbau der Barrierefreiheit und der Angebote für Radfahrer. Schleswig-Holstein sei insgesamt sehr positiv unterwegs, sagte dwif-Experte Karsten Heinsohn auch unter Hinweis auf neue designorientierte Hotels. Das Preisniveau liegt laut dwif im Bundesschnitt. Man müsse da aber achtsam sein und dürfe die Schraube nicht überdrehen, sagte Heinsohn.

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