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Hessen Aktion gegen Tierversuche in Gießen

Tierrechtsaktivisten protestieren vor der Universität Gießen gegen dort stattfindende Tierversuche. Foto: Boris Roessler/dpa

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Um auf das Leid von Versuchstieren aufmerksam zu machen, haben Aktivisten vor dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Gießen protestiert. Die Landestierschutzbeauftragte fordert mehr Geld für die tierversuchsfreie Forschung.

Gießen (dpa/lhe) - Mit einer Aktion in Gießen haben Aktivisten am Freitag auf das Leid von Versuchstieren aufmerksam gemacht. Symbolisch waren rund 3000 Kuscheltiere auf eine Straße vor der Geschäftsstelle des Deutschen Zentrums für Lungenforschung gelegt worden, wie eine Sprecherin der Aktivisten sagte. Die Aktivisten hatten demnach auch ein hochbeiniges Gestell, einen sogenannten Tripod, als Blockade errichtet.

In dem mehrere Meter hohen Gestell hatte sich den Angaben zufolge ein Mensch festgemacht. Die Person habe über mehrere Stunden in dem Gestell verharrt und ihren Platz nicht freiwillig geräumt, teilte die Polizei mit. Mithilfe einer Drehleiter holten die Einsatzkräfte die Person demnach am Nachmittag wieder auf den Boden. Ihre Personalien seien festgestellt worden, sie erwarteten Ordnungswidrigkeitsanzeigen. Zudem hatte sich laut Polizei und der Sprecherin der Aktivisten zwischenzeitlich eine Person im Eingangsbereich angekettet. Der Polizei zufolge hatte der Mann ein Fahrradschloss verwendet, das er am Nachmittag selbstständig löste. Ihn erwartet demnach ein Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Die Straße vor dem Zentrum war wegen des Tripods und zunächst auch der Kuscheltiere blockiert gewesen, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Polizei sprach von zeitweise etwa 20 Teilnehmern vor dem Gebäude. In "unmittelbarer Nähe" fand laut Polizei zudem eine angemeldete Versammlung mit etwa sechs Menschen statt. Der Sprecherin der Aktivisten zufolge wurde die Versammlung von der Polizei außer Sichtweite des Gebäudes verlegt. Insgesamt sollen der Sprecherin zufolge bis zu 40 Aktivisten vor Ort gewesen sein.

Mit der Aktion, hinter der "eine autonome Gruppe aus der Tierrechts- und Tierbefreiungsszene" sowie auch Umwelt- und Klimaschützer stünden, wolle man auf den Internationalen Tag des Versuchstiers an diesem Samstag (24. April) aufmerksam machen, sagte die Sprecherin der Aktivisten. "Im Tierversuch werden Tiere wie Messinstrumente behandelt, die man nach Gebrauch wegwirft. Doch Tiere sind fühlende, leidensfähige Lebewesen, die Freude und Angst empfinden, Schmerz und Qualen erleiden, genau wie wir", hieß es in einer Mitteilung der Aktivisten.

Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin forderte anlässlich des Internationalen Tag des Versuchstiers am Samstag mehr Fördergeldes des Landes für Forschung ohne Tierversuche in Hessen. "Die Entwicklung tierversuchsfreier Forschung erhält nur einen Bruchteil aller Forschungsgelder - doch auch die Entwicklung alternativer Methoden benötigt Geräte, Material und Personal", teilte Martin am Freitag mit. "Viele, gute und zukunftsfähige Ideen" würden nicht umgesetzt, weil sie mangels Finanzierung nicht mehr weitergeführt werden könnten.

© dpa-infocom, dpa:210423-99-320149/3

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