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Hessen Arzt: Vierte Corona-Welle noch nicht ausgestanden

Cihan Çelik, Oberarzt am Klinikum Darmstadt, steht nach einer Pressekonferenz in der Hessischen Staatskanzlei. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Kliniken stocken wegen Covid-Fällen Personal auf, Ärzte befürchten steigende Patientenzahlen. Der Lungenexperte Çelik ist überzeugt: Es müssen sich mehr Menschen impfen lassen. Manche lehnten dies selbst noch ab, wenn sie mit Covid-19 im Krankenhaus liegen.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die vierte Corona-Welle ist nach den Worten des Darmstädter Lungenexperten Cihan Çelik noch nicht ausgestanden. Aus medizinischen Gründen und epidemiologischen Überlegungen habe es keinen Sinn, davon auszugehen, "dass das jetzt schon alles war", sagte der Oberarzt am Klinikum Darmstadt am Freitag in Wiesbaden. An seinem Krankenhaus sei der Personalplan bereits wieder aufgestockt worden. Er gehe davon aus, dass es im Oktober und vielleicht auch im November wieder steigende Patientenzahlen geben werde.

"Die aktuelle Lage in den Krankenhäusern dürfte nur ein Vorgeschmack auf den Herbst sein", mahnte Çelik. Er betonte: "Die Impfung hat einen sehr großen Nutzen für die Patienten." Auch wenn derzeit weniger Covid-Patienten als in den vorherigen Wellen im Krankenhaus lägen, sei die Lage im Klinikum Darmstadt und vielen anderen hessischen Häusern "schon jetzt angespannt".

Da der restliche Krankenhausbetrieb im Normalbetrieb laufe, stehe auch weniger Personal für deren Versorgung zur Verfügung. Um die Versorgung der Nicht-Covid-Fälle zu gewährleisten und Beschäftigte zu schonen, "müssen wir verhindern, dass die Zahl der Patienten im Herbst stark ansteigt", warnte Çelik. Von schweren Krankheitsverläufen seien überwiegend Ungeimpfte betroffen.

Nach seiner Erfahrung zeigten die Menschen im Krankenbett sehr oft Reue, dass sie sich nicht impfen ließen. Es gebe auch eine Minderheit, die nach wie vor gegen eine Impfung seien. Meistens seien aber "Unorganisiertheit", Unwissen oder mangelnder Kontakt zu Ärzten der Grund für den fehlenden Impfschutz.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte an, dass es weiter niedrigschwellige Impfangebote im Land geben werde. Er sei überrascht gewesen, wie viele Menschen sich etwa bei einer Aktion in der Frankfurter Innenstadt spontan impfen ließen. Es gebe offensichtlich Bedarf an solchen Angeboten.

Nach Kloses Worten werden aktuell 147 Covid-Patienten in Hessen intensivmedizinisch behandelt (darunter 16 Verdachtsfälle). Davon seien 80 Prozent ungeimpft. Der überwiegende Teil der vollständig Geimpften mit einem schweren Verlauf gehöre einer Risiko-Gruppe an.

Seit Mitte September wird die pandemische Lage in Hessen nicht mehr nur nach der Sieben-Tage-Inzidenz bewertet, also der Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche unter 100.000 Einwohnern. Mit den zwei neuen Leitindikatoren, der Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbettenbelegung, stehe die Situation in den Krankenhäusern vornehmlich im Mittelpunkt, erläuterte Klose. Dennoch werde weiter die Infektionsinzidenz als Frühwarnsystem zurategezogen.

Oberarzt Çelik betonte, es müssten mehr Indikatoren in die Bewertung einfließen. Dazu zählte er auch die Auslastung der Intensivbetten sowie die Belastung von Ärzten und Pflegepersonal. All dies müsse zu einem "Warnindex" zusammengefasst werden. "Natürlich ist das nicht so griffig wie eine einzige Zahl, aber es würde die ganze Situation besser beschreiben", sagte der Mediziner.

Die Aussagekraft der Hospitalisierungsinzidenz berge einige Probleme, so Çelik. Beispielsweise zeige sie das Geschehen zeitlich verzögert. Die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz beschreibt, wie viele Personen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus landesweit neu aufgenommen wurden.

© dpa-infocom, dpa:210924-99-342420/3

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