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Hessen Awo Wiesbaden stellt Insolvenzantrag

Das Logo der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist auf einem Papier zu lesen. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv

(Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv)

Die Awo Wiesbaden ist offenbar zahlungsunfähig und hat die Insolvenz beantragt. Mit Hilfe eines Sanierungsverfahrens hofft der Kreisverband auf einen Neuanfang. Gewerkschaftsvertreter zeigten sich enttäuscht.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Der krisengeschüttelte Kreisverband Wiesbaden der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, sagte der Vorsitzende des Kreisvorstandes, Wolfgang Hessenauer, am Mittwoch. "Allerdings ist der Schritt aufgrund des jahrelangen Missmanagements im Kreisverband nun unausweichlich geworden." Das Amtsgericht Wiesbaden ordnete die vorläufige Eigenverwaltung unter der bisherigen Geschäftsführung an. Dabei soll es Unterstützung von zwei Sanierungsexperten geben.

"Die Beantragung einer Insolvenz ist selbstverständlich kein Schritt, den man gerne geht. Allerdings muss man sich vor Augen führen, was dies genau bedeutet, denn Insolvenz bedeutet nicht automatisch, dass der Betrieb eingestellt wird", sagte der Awo-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

Der Schritt kam nicht überraschend. Es war bereits länger bekannt, dass der Kreisverband in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckt. Sachwalter Jan Markus Plathner zeigte sich recht zuversichtlich: "Vor uns steht eine große Aufgabe, bei der ich grundsätzlich überzeugt bin, dass die Awo Wiesbaden gestärkt hervorgehen kann."

Der Kreisverband ist unter anderem Träger von neun Kitas, zwei Pflegeeinrichtungen, einem Seniorenheim und einer Migrationsberatung. Insgesamt sind dort über 400 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Geschäftsführerin Andrea Piro versicherte, dass die Löhne und Gehälter für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert seien. Danach werde die Awo Wiesbaden die Gehälter wieder selbst zahlen. "Mit dem Sanierungsverfahren streben wir nun einen kompletten Neuanfang an und lassen damit die Ergebnisse der chaotischen Geschäftsführung der früheren Awo-Verantwortlichen endgültig hinter uns", betonte Piro.

Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich indes enttäuscht, dass ihr Angebot nicht angenommen wurde. Eine Lösung für das akute Liquiditätsproblem habe auf dem Tisch gelegen. Doch eine Insolvenz scheine der Awo vielversprechender zu sein als eine Verhandlung mit dem Tarifpartner, der die Interessen der Arbeitnehmer vertrete, sagte Gewerkschaftssekretär Stefan Röhrhoff. "Scheinbar ist es so, dass den Verantwortlichen bei der AWO Wiesbaden nicht wichtig ist, die Beschäftigten mitzunehmen und ihre Ansprüche zu sichern. So sind in der Insolvenz neben den Einmalzahlungen nun auch die bisher aufgelaufenen Überstunden und anderes betroffen."

Vor allem die Awo Frankfurt, aber auch die Awo Wiesbaden, stand zuletzt im Mittelpunkt einer schweren Vertrauenskrise. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es geht um überhöhte Gehälter, Ehrenamtsvergütungen und überteuerte Dienstwagen. Im Zuge des Awo-Skandals hatte es aus Frankfurt ungerechtfertigte Spenden an den Kreisverband Wiesbaden gegeben, zu dem personelle Verflechtungen bestanden. Der alte Vorstand war daraufhin zurückgetreten.

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