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Hessen Baugewerbe will mehr Recycling bei Erdaushub und Bauschutt

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Durch fehlenden Platz für Bauschutt und Erdaushub hat sich ein regelrechter Deponietourismus entwickelt. Das Baugewerbe fordert ein Umdenken. Die öffentliche Hand müsse dabei Vorreiter sein.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Angesichts fehlender Deponiekapazitäten fordert der Verband baugewerblicher Unternehmer in Hessen mehr Erdaushub und Bauschutt wiederzuverwerten. "Die Recyclingquote muss deutlich erhöht werden", sagte Rainer von Borstel, Geschäftsführer des Verbands in Frankfurt. Bisher liege sie bei 30 Prozent, in einigen Bereichen auch deutlich darunter. Die öffentliche Hand müsse eine Vorreiterrolle einnehmen, damit auch andere Bauherren mehr recyceltes Material akzeptierten.

Laut dem Verband gibt es seit fünf Jahren in Hessen nicht mehr genug Deponieraum für die Abfallklassen 0 und 1. Darunter fallen ganz normaler Erdaushub und Bauschutt, aber auch mäßig belastetes und nicht gefährliches Material. "Hier besteht in Hessen - wie auch in vielen anderen Bundesländern - ein Mangel an Deponieraum, der behoben werden muss", sagt Julia Stoye, Sprecherin des Umweltministeriums in Wiesbaden. Verantwortlich dafür seien die Landkreise und kreisfreien Städte.

Statistiken belegen zudem, dass der Bedarf wächst: Laut Umweltministerium stieg seit 2012 die Gesamtmenge von Bau- und Abbruchabfällen von 12,7 Millionen Tonnen auf 15,3 Millionen im Jahr.

Fehlende Entsorgungsmöglichkeiten sind auch ein Grund, warum der Betreiber des Frankfurter Flughafens Fraport beim Neubau des Terminals 3 eine Million Kubikmeter Boden auf seinem eigenen Gelände lagert. Dort geht es um mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) belastetes Material, das als gesundheitsgefährdend gilt. Wo es hin soll, ist noch offen, weil es nur wenige geeignete Deponien gebe.

Die Probleme treiben die Entsorgungskosten nach oben. "Wir können in den letzten fünf Jahren von einer Verdoppelung ausgehen", sagt von Borstel. Das spürten auch private Bauherren, deren Hausbau sich verteuere. Aber für Verkehrsunternehmen werde es teurer, beispielsweise beim Gleisbau. Als Preistreiber kommen die Transportkosten hinzu. Weil in Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet Entsorgungsmöglichkeiten fehlen, werde das Material zunehmend nach Mittelhessen gebracht.

Eine Lösung wäre laut dem Baugewerbe, die Abfälle wiederaufzubereiten und bei Bauprojekten zu verwenden. In einigen Bereichen funktioniert das gut: Laut dem Umweltministerium liegt die Recyclingquote bei Straßenbaumaterial bei 95 Prozent. Bei harmlosen Abfällen wie Boden und Steinen beträgt der Anteil nur neun Prozent. Dass das zu wenig ist, hat auch die Politik erkannt: "Wir wollen, dass noch gezielter auf Abfallvermeidung und Recycling gesetzt wird", erklärt das Umweltministerium.

Gesetzliche Hürden für eine höhere Recyclingquote gibt es laut von Borstel nicht. Das Problem sei eher: "Bauherren wollen neues Material" - selbst, wenn das aus dem Ausland herangekarrt werden müsse. Gründe für Ablehnung seien Ängste vor Belastungen im Boden und Mehrkosten durch Recycling.

Das Land will den Deponiemangel im Rahmen des neuen Abfallwirtschaftsplans angehen, der 2021 abgeschlossen werden soll. Große Hoffnungen auf neue Deponien hat der Verband baugewerblicher Unternehmer aber nicht: "Wenn Sie eine neue Deponie planen, ist sofort eine Bürgerinitiave dagegen."

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