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Hessen Baustellen in Hessen sorgen für Umwege und Ärger

Ein Radfahrer ist auf der voll gesperrten B42 zwischen Rüdesheim und Lorch unterwegs.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Oft sind es nur kurze Strecken, die aufgrund von Bauarbeiten für den Autoverkehr voll gesperrt werden müssen. Doch die Auswirkungen auf Anwohnerinnen und Anwohner können groß sein. Das zeigen vier Beispiele aus Hessen.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Hessenweit sorgen Baustellen immer wieder für Ärger und Unmut, weil Anwohnerinnen und Anwohner lange Umwege in Kauf nehmen müssen oder Straßensperrungen sogar Stadtteile voneinander trennen. Während einige Städte und Anwohner unter einem Verkehrschaos und langen Umleitungsstrecken leiden, kämpfen andere noch gegen eine Vollsperrung.

Voraussichtlich etwa zwei Jahre lang trennen Bauarbeiten die Anwohner von Groß- und Klein-Zimmern bei Darmstadt. Seit Mitte September ist die Landstraße 3155 zwischen der Gemeinde Groß-Zimmern und seinem Ortsteil für den Neubau eines rund 660 Meter langen Rad- und Gehwegs, zweier Brücken sowie einer Fischtreppe voll gesperrt. Rund vier Kilometer Umweg bedeutet die von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil eingerichtete Umleitung für Autofahrer. Radfahrer und Fußgänger können auf eine separate Umleitung ausweichen - die etwa 250 Meter zusätzlich bedeutet.

"Leider muss der Umweg in Kauf genommen werden. Es gibt keine bessere Alternative", sagte ein Mitarbeiter vom Bauamt Groß-Zimmern. "Natürlich gibt es Unmut, aber auch Verständnis und Akzeptanz für die Baumaßnahmen. Wir haben einen größeren Aufschrei erwartet." Von der Sperrung betroffen seien auch zwei Buslinien, die umgeleitet würden. Noch bis voraussichtlich Mitte 2024 müssen sich Passagiere und Autofahrer auf längere Fahrzeiten einstellen.

Diese erwarten auch die Anwohner in Lorch im Rheingau. Seit Anfang Oktober ist die Bundesstraße 42 zwischen Lorch und Rüdesheim gesperrt. Und das nicht zum ersten Mal. Seit Anfang 2020 laufen Arbeiten für den Straßenausbau sowie den Bau eines Geh- und Radweges entlang des Rheins. In diesem Jahr war die Strecke dafür bereits zwischen März und Juli gesperrt. Von Mitte bis Ende vergangenen Jahres gab es zudem eine außerplanmäßige Vollsperrung, weil das Rhein-Hochwasser die Straße unterspült hatte.

"Hier nervt es jeden", sagte Lorchs parteiloser Bürgermeister Iwo Reßler. Der wirtschaftliche Schaden für die Betriebe in seiner Gemeinde steige mit jedem Tag einer Vollsperrung. Für die etwa fünf Kilometer lange Baustelle hat Hessen Mobil eine Umleitung von rund 21 Kilometern eingerichtet.

"Der Umweg kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Gerade bei der kurvigen Strecke Berg hoch und runter habe ich einen Mehrverbrauch von 1 bis 1,5 Litern Benzin auf 100 Kilometern", sagte Reßler über die Umleitung durch den Taunus. Insbesondere für Lastwagen und Busse sei das eine Zumutung. Und auch für Radfahrer gehe es statt entlang des Rheins mit der Umleitung erst einmal sieben Kilometer den Berg hoch.

Eine im Ort ansässige Spedition erklärte auf Nachfrage, sie habe durch den Umweg Mehrkosten im mittleren sechsstelligen Bereich. Neben den Benzinkosten spielen auch der Verschleiß an Bremsen und Reifen auf der Bergstrecke eine Rolle.

Von der Sperrung bei Lorch ebenfalls betroffen sind Schulbusse. Drei Busfahrten würden umgeleitet oder verkürzt, erklärte ein Mitarbeiter der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft. Durch die engen Platzverhältnisse an der B42 zwischen Rhein und Bahnlinie sei eine Vollsperrung alternativlos, teilte Hessen Mobil mit. Zwischen Oktober und voraussichtlich Mitte November müssen die Lorcher Anwohner dadurch mit der erneuten Vollsperrung leben.

Diese droht auch den Einwohnern im Hofheimer Stadtteil Lorsbach. Um eine durch Unterspülungen marode Stützmauer am örtlichen Mühlgraben zu erneuern, muss die Landstraße 3011 zwischen Lorsbach und Hofheim nach Angaben von Hessen Mobil für ein Jahr gesperrt werden. Um den Verkehr an der Baustelle vorbeizuführen, sei die Strecke zu schmal. Mit der Sperrung wäre der Stadtteil am Taunus lange vom Hofheimer Zentrum abgeschnitten. Geplant ist eine weiträumige Umleitung durch Nachbarorte. Statt vier Kilometer bis in die Hofheimer Innenstadt wären es auf der Umleitungsroute rund 16 Kilometer.

Ein Aktionsbündnis fordert daher Alternativen zur Vollsperrung. Die meisten der wenigen Geschäfte im Ort lebten vor allem von Pendlern und wären genau wie die örtlichen Handwerksbetriebe durch eine lange Sperrung in ihrer Existenz bedroht, sagte ein Sprecher des Aktionsbündnisses. Zudem verursache die geplante Umleitungsstrecke hohe zusätzliche Spritkosten.

"Wir als Stadt begrüßen es natürlich nicht, dass ein Stadtteil für ein Jahr von der Kernstadt abgeschnitten werden soll. Daher haben wir ein Interesse, eine Alternative zu suchen", erklärte auch ein Sprecher der Stadt Hofheim. Mitte Oktober will der Verkehrsausschuss der Kommune zusammen mit Hessen Mobil noch einmal über mögliche Optionen diskutieren, bevor im März 2023 die Vollsperrung droht.

Bis voraussichtlich kurz vor Weihnachten voll gesperrt ist die Bundesstraße 454 bei Schwalmstadt. Auf etwa 1,6 Kilometern wird hier im Schwalm-Eder-Kreis die Straße saniert. Die offizielle Umleitungsstrecke erfolgt unter anderem durch den Schwalmstädter Stadtteil Ascherode. "Dort sehen wir einen massiven Mehrverkehr. Die rund 13.000 Autos, die sonst täglich auf der B454 fahren, müssen jetzt durch Ascherode. Das ist eine Belastung für die Anwohner", sagte eine Mitarbeiterin vom Ordnungsamt.

Obwohl es für Lastwagen eine weiträumigere Umleitung gebe, würden sich viele auch als schnellere Abkürzung durch die engen Straße im Ortskern quetschen. Auch Fahrer, die sich eigene Schleichwege suchen, sorgen für Unmut im Ort. Eine zusätzliche Ampel an der Umleitungsstrecke soll zumindest für mehr Sicherheit für Fußgänger sorgen. Da alle drei von Hessen Mobil geplanten Bauabschnitte unter Vollsperrung stattfinden, müssen sich die Anwohner auch im kommenden Jahr noch zwei Mal auf ein Verkehrschaos einstellen.

Quelle: dpa

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