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Hessen Betonplatten auf Bahnschienen: Männer vor Gericht

An der Wand eines Gerichtsgebäudes prangt ein Wegweiser zum Land- und Amtsgericht. Foto: Uwe Zucchi/dpa/archiv

(Foto: Uwe Zucchi/dpa/archiv)

Drei Angeklagte sollen immer wieder schwere Gegenstände auf eine Bahnstrecke gelegt haben. Ihr Ziel laut Staatsanwaltschaft: Die Züge sollen entgleisen. Sie wirft ihnen Heimtücke vor.

Marburg (dpa/lhe) - Mit schweren Betonplatten, Sitzbänken und Holzstämmen sollen drei Angeklagte mehrfach Bahngleise blockiert haben, um Züge zum Entgleisen zu bringen. Wegen versuchten Mordes stehen sie nun seit Montag vor dem Landgericht Marburg. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, dass sie durch die Taten den Tod von Menschen "billigend in Kauf" genommen haben.

Die betroffenen Regional- sowie Güterzüge waren demnach an den verschiedenen Tattagen mit Tempo 80 bis 130 auf der Strecke zwischen Treysa und Wabern unterwegs. Dort krachten die Züge, teils trotz rascher Bremsung, gegen die Hindernisse. Zur Entgleisung kam es aber nicht. Auch wurden weder Zugführer noch Fahrgäste verletzt - laut Anklage dank "glücklicher Umstände". Der Sachschaden liegt im sechsstelligen Bereich. Die drei Deutschen im Alter von 27 bis 51 Jahren sollen zudem mehrere Grill- und Schutzhütten sowie einen Bau- und Wohnwagen angezündet haben.

Insgesamt geht die Anklage von 21 Taten aus, begangen zwischen November 2018 und August 2019 unter anderem in Schwalmstadt und Wabern im Schwalm-Eder-Kreis sowie in Marburg im Kreis Marburg-Biedenkopf.

Die Anklage geht davon aus, dass die Männer jeweils am späten Abend zur Tat schritten. Sieben Mal hatten sie es demnach insbesondere auf die Bahnstrecke gen Kassel abgesehen. Mal sollen sie Betonplatten auf die Gleise gelegt haben, mal eine 70 Kilo schwere Bank oder wuchtige Holzstämme. Den Brandstiftungen sollen sie laut Staatsanwaltschaft insbesondere bei Hütten von Vereinen und Kommunen begangen haben. Auch hier kamen Schäden im sechsstelligen Bereich zusammen.

Die 27 und 30 Jahre alten Angeklagten kündigten an, im Verlauf des Verfahrens Angaben machen zu wollen. Wann sich der 51 Jahre alte Angeklagte zu den Vorwürfen äußern wird, war noch unklar: Wegen "Panik" und "Lampenfieber" sei er zum Prozessauftakt nicht dazu in der Lage, sagte sein Verteidiger. Das Gericht befragte den Mann zunächst zu seinem Lebenslauf. Der Vorsitzende Richter riet allen zu einem "frühzeitigen und wahrheitsgemäßen" Geständnis.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten heimtückischen und mit gemeingefährlichen Mitteln begangenen versuchten Mord vor, außerdem gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr sowie Brandstiftung. Bei dem 51-Jährigen kommt laut Staatsanwaltschaft die Anordnung von Sicherungsverwahrung in Betracht, bei dem 27-Jährigen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Das Gericht hat bislang 18 Verhandlungstage bis November geplant.

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