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Hessen Corona-Besuchsbeschränkungen für Altenheime aufgehoben

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Viele Bewohner von Pflegeheimen und ihre Angehörigen wird es freuen: Die allgemeinen Corona-Regeln für Besuche sind ab Dienstag gelockert. Aus Verbänden kommen aber auch kritische Stimmen.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die allgemeinen Corona-Beschränkungen für Besuche in hessischen Alten- und Pflegeheimen gelten von diesem Dienstag an nicht mehr. Das Land hatte angekündigt, die verbindlichen Vorgaben zur Dauer und Anzahl der Besuche aufzuheben. Maßgeblich sind nun die jeweiligen Schutzkonzepte und Hygienepläne der Einrichtungen.

Bislang durften Bewohner von Alten- und Pflegeheimen innerhalb einer Kalenderwoche nur dreimal eine Besucherin oder einen Besucher empfangen. In Einrichtungen für Behinderte durfte täglich ein Mensch zu Besuch kommen.

Verbände hatten teils kritisch auf die Ankündigung reagiert. Nach Einschätzung privater Anbieter sozialer Dienste beginnt nach dem Ende der allgemeinen Besuchsbeschränkungen für die Einrichtungen ein schwieriger Balanceakt. Wichtig sei, dass die Angehörigen weiter diszipliniert seien.

Die Liga Hessen warnte vor einer steigenden Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter durch die Corona-Lockerung. Um die Hygienevorgaben einhalten zu können, müsse die Zahl der gleichzeitigen Besuche gesteuert werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz befürchtete, dass nun in den rund 800 hessischen Heimen womöglich strengere individuelle Corona-Schutzmaßnahmen gelten könnten als bislang. Immer wieder würden Träger aus Angst vor Infektionsausbrüchen über das Ziel hinaus schießen. Bund und Länder müssten mit allgemein gültigen Regelungen ein Mindestmaß an Freiheitsrechten sicherstellen, forderte die Stiftung.

Seit Beginn der Corona-Pandemie bis Anfang August hat es in Hessen mehr als 100 Covid-19-Ausbrüche in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen gegeben. Bis zum Stichtag 4. August seien allein 47 Hotspots in Alten- und Pflegeheimen registriert worden, teilte das Sozialministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Landtag in Wiesbaden mit. In Krankenhäusern habe es 34 Ausbrüche gegeben, in Reha-Einrichtungen 11. Außerdem gab es einzelne Hotspots unter anderem in Seniorentagesstätten und Praxen.

"Als Ausbruch gelten Infektionsgeschehen mit zwei oder mehr Fällen, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist", erläuterte das Ministerium.

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