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Hessen Corona-Testcenter für Schulen: Lorz wirbt um Verständnis

Alexander Lorz (CDU), Kultusminister von Hessen, spricht im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

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In Hessen steigen die Corona-Zahlen weiter deutlich an. Kultusminister Lorz ist aber zuversichtlich, dass sich die Situation für die Schulen nach den Osterferien mit Hilfe der Impf- und Teststrategie verbessert hat.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat Verständnis für Enttäuschung nach den gekippten Lockerungen an den Schulen geäußert. Er könne die Enttäuschung von allen Beteiligten nachvollziehen, die sich auf Präsenztage vorbereitet und gefreut hätten, sagte Lorz am Freitag dem Sender hr-Info. "Es ist auch ein schmerzlicher Tag für mich als Kultusminister."

Gleichzeitig warb Lorz um Verständnis für die Entscheidung des Corona-Kabinetts, dass angesichts gestiegener Corona-Neuinfektionen Schüler ab der 7. Klasse nicht - wie zunächst angedacht - vom 22. März an für mindestens einen Präsenztag pro Woche in die Schule kommen können: Es sei immer eine schwierige Abwägung, sagte Lorz mit Blick auf den Pandemie-Verlauf. "Wir versuchen immer einen vernünftigen, einen besonnen Mittelweg zu steuern und das erfordert im Prinzip jeden Tag eine neue Abwägung."

Für die weiteren Planungen und Vorbereitungen werde es in den kommenden Wochen entscheidend sein, "dass wir diesen Dreiklang aus Impfen, Testen und Öffnen hinbekommen". Der Minister erwartete, dass bis April Millionen Selbsttests verfügbar sein werden, "so dass wir dann auch die Schülerinnen und Schüler zu einer regelmäßigen, koordinierten Testung bringen können". Er sei zuversichtlich, dass man nach den Osterferien eine andere Situation haben werde.

SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser forderte den Kultusminister auf, noch vor den Osterferien eine klare und verlässliche Aussage dazu zu treffen, wie es nach den Ferien in den hessischen Schulen weitergehen soll. Die Schüler, ihre Eltern und die Lehrkräfte hätten ein Recht auf Planbarkeit und Verlässlichkeit anstelle des kurzfristigen Hin und Hers der vergangenen Wochen und Monate. Ein Sprecher des Kultusministeriums reagierte mit Unverständnis auf die Forderung. Das Ministerium habe einen klaren Plan für die Schulen vorgelegt. Dieser sei jedoch abhängig von der Pandemieentwicklung.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte am Vortag nach der Beratung des Corona-Kabinetts mitgeteilt, dass Hessen grundsätzlich an seinen Planungen für die Schulen festhalte: "Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab dem 19. April landesweit die Jahrgangsstufen 1 bis 4 an fünf Tagen in der Woche und die Jahrgangsstufen ab Klasse 5 im Wechselmodell unterrichtet werden."

Für Hessens Schulen ist derweil am Freitag ein mobiles Corona-Testcenter in Betrieb genommen worden. Bei einem Krankheitsausbruch sollen mit ihm Lehrer und Schüler vor Ort möglichst schnell auf Covid-19 getestet werden können. Das transportable Labor ist innerhalb von 24 Stunden an jeder Schule im Land einsetzbar und kann über die Gesundheitsämter angefordert werden, wie das Kultusministerium und die Kassenärztliche Vereinigung (KVH) mitteilten. Angeboten werden sogenannte PoC- und PCR-Schnelltests.

"Schulen brauchen für einen sicheren und verlässlichen Schulbetrieb schnell Klarheit, wenn ein Infektionsverdacht besteht", sagte der Kultusminister bei der Vorstellung des Testmobils in Königstein (Hochtaunuskreis). Komme es an einer Schule zu einem Ausbruch, zähle vor allem die Geschwindigkeit, mit der Schüler, Lehrer und Mitarbeiter getestet werden könnten. Das mobile Labor ergänzt den Angaben zufolge "die Teststrategie des Landes mit den bereits sehr erfolgreich durchgeführten anlasslosen Lehrertests".

Sozialminister Kai Klose (Grüne) teilte zudem mit, dass es in Hessen mittlerweile knapp 400 Teststellen gibt, bei denen sich Bürger kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Auf einer extra dafür eingerichteten Online-Seite des Sozialministeriums könnten die Teststellen mit ihren Öffnungszeiten nach Postleitzahlen gesucht werden.

Die Corona-Zahlen in Hessen steigen unterdessen weiter. Innerhalb eines Tages wurden 1399 Neuinfektionen registriert, wie aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag hervorgeht. Die Inzidenz - die Anzahl der neuen Fälle pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen - stieg auf 106,0 nach 100,2 am Vortag. Die Behörden meldeten weitere 11 Todesfälle, insgesamt starben seit Beginn der Pandemie 6119 Hessen an oder mit dem Coronavirus. Die Gesamtzahl der Infektionen lag bei 203 264 (Stand 03.33 Uhr).

In den Regionen wiesen 13 Städte und Kreise eine Inzidenz von über 100 auf. An der Spitze stand die Stadt Offenbach mit 181,1. Den niedrigsten Wert verzeichnete laut RKI der Schwalm-Eder-Kreis mit 49,0. Auf den Intensivstationen in Hessen lagen nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 281 Covid-19-Patienten, 141 davon wurden beatmet (Stand 6.19 Uhr). Insgesamt 1734 von 1960 verfügbaren Intensivbetten waren belegt.

Bis einschließlich Donnerstag (Stand Freitag 8.00 Uhr) sind dem RKI zufolge landesweit 772 065 Impfdosen gegen das Virus verabreicht worden. Bislang erhielten 535 775 Menschen ihre erste Impfdosis, das waren 6865 mehr als am Vortag. Die Impfquote lag bei 8,5 Prozent. 236 290 bekamen auch schon ihre Zweitimpfung, das entspricht einer Quote von 3,8 Prozent.

Hessen hat am Freitag auch Schutzimpfungen mit dem Mittel des Herstellers Astrazeneca wieder aufgenommen. Wegen des vorsorglichen Stopps der Astrazeneca-Impfungen waren laut Innenministerium zwischen dem 15. und 19. März rund 24 000 Impftermine abgesagt worden.

© dpa-infocom, dpa:210319-99-885729/4

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