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Hessen "Eine unglaubliche Schweinerei": Appell an Müllsünder

Leere und halbleere Flaschen sowie anderer Müll steht auf einem Tisch. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild

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Bars und Clubs sind zu, immer mehr Leute versammeln sich in Zeiten von Corona an öffentlichen Plätzen. Frankfurt schlägt jetzt Alarm angesichts des gestiegenen Müllmenge. Auch andere hessische Städte haben Probleme.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Pizzakartons liegen meterweit um die Mülleimer verteilt. Auf Plätzen und Grünflächen liegen Weinflaschen, Getränkebecher, Verpackungsmüll - und jede Menge Kippen. Angesichts des zunehmenden Müllaufkommens hat die Stadt Frankfurt Alarm geschlagen. Aber auch in anderen hessischen Kommunen ist der Abfall ein großes Problem, das sich mitunter in Zeiten von Corona noch einmal verstärkt hat.

"Mir stinkt es. Wie diese Stadt aussieht, wie diese Grünflächen behandelt werden", sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Vor der Corona-Krise sei Frankfurt auf einem guten Weg gewesen. Doch inzwischen sei die Situation wieder eine ganz andere. "Das ist eine unglaubliche Schweinerei." Auf öffentlichen Plätzen würden die Leute keinen Respekt zeigen und einfach ihren Abfall hinterlassen. Das Müllaufkommen sei um 30 bis 35 Prozent gestiegen, sagte Heilig. Der Verpackungsmüll habe sich in Zeiten von Corona zwischenzeitlich verdoppelt.

In Kassel kämpfen die Stadtreiniger schon seit Jahren mit immer mehr weggeworfenen To-Go-Verpackungen im öffentlichen Raum und in öffentlichen Papierkörben. "Dieser Trend setzt sich verstärkt in Corona-Zeiten fort", sagt Sprecherin Birgit Knebel: "Insbesondere bei schönem Wetter finden unsere Kollegen zahlreiche To-Go-Verpackungen." Neu sei, dass Masken und Einweghandschuhen einfach auf den Boden geworfen würden. Die Stadtreiniger leerten deshalb die Papierkörbe insbesondere in der Innenstadt häufiger und reinigten bei schönem Wetter öfter beliebte Orte wie den Kasseler Auedamm.

Da die Bars und Clubs wegen Corona weiterhin geschlossen sind, versammeln sich vielerorts Feierwütige auf öffentlichen Plätzen oder in Parks. "Schon seit einigen Jahren gibt es auch in Darmstadt das Phänomen größerer abendlicher und nächtlicher Feiern, verbunden einerseits mit Lärm, andererseits mit der entsprechenden Müllproblematik", sagte ein Sprecher der Stadt. In Parks wie dem Herrngarten und Orangeriegarten hätten die Mitarbeiter des Grünflächenamts beträchtliche Mengen Abfall zu entfernen. "Nach den Lockerungen im Zuge der Corona-Regelungen hat sich die Frequenz dort noch mal gesteigert." Inzwischen müssten auch an peripheren Ausflugszielen und Erholungsorten, etwa der Ludwigshöhe, erhebliche Mengen Müll entsorgt und Vandalismusschäden behoben werden.

Müll-Hotspots in Frankfurt sind beispielsweise das Mainufer oder der Opernplatz, wo sich am Wochenende neuerdings Tausende Menschen zum Feiern versammeln. "Ab einem gewissen Pegel sinkt die Einsicht und die Aggressivität steigt drastisch", sagte der Chef der Stadtpolizei, Matthias Heinrich. "Die Kollegen müssen schlimmste Dinge über sich ergehen lassen, was verbale Äußerungen betrifft." Auch Sicherheitsdezernat Markus Frank (CDU) bezeichnete die Lage am Opernplatz als "alarmierend".

Konkrete Maßnahmen wurden bereits getroffen: Am Montag war bekannt geworden, dass die Stadt Frankfurt vom 1. Juli an bei Kleinmüllverstößen die zulässige Obergrenze für Verwarngelder von 30 auf 55 Euro erhöht. Auch Sperrmüllverstöße wurden um 50 Euro nach oben angepasst. Für die Straßenreinigung gibt die Stadt jährlich nach eigenen Angaben rund 52,7 Millionen Euro aus.

In Fulda wurde in den ersten zwei Monaten der Corona-Krise eine Zunahme von Müll in den öffentlichen Papierkörben registriert. Ein wichtiger Grund sei der Anstieg der To-Go-Artikel wie Kaffeebecher und Pizzakartons gewesen, der um etwa 30 Prozent zugenommen habe. "In Einzelfällen wurden größere Müllgefäße aufgestellt, um den Reinigungs- und Entleerungsturnus einhalten zu können", hieß es von der Stadt.

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