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Hessen Europawahl schüttelt Parteien durcheinander: Grüne vor SPD

Die Flagge der Europäischen Union auf dem Reichstagsgebäude. Foto: Monika Skolimowska/Archivbild

(Foto: Monika Skolimowska/ZB/dpa)

In den großen hessischen Städten liegen die Grünen ganz vorn, auf Landesebene erobern sie Platz zwei. CDU und SPD wollen nun an ihrem Profil in Sachen Klimaschutz arbeiten.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Grünen überflügeln die SPD, die CDU behauptet sich trotz Verlusten auf Platz eins: Das Ergebnis der Europawahl wird die Parteien im Land heute weiter beschäftigen. In Hessen errangen die Grünen 23,4 Prozent der Stimmen, das bedeutet ein Plus von 10,5 Punkten im Vergleich zur vorherigen Europawahl, wie aus dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hervorgeht.

Der Koalitionspartner der Grünen auf Landesebene, die CDU, büßte 4,8 Punkte ein, bleibt mit 25,8 Prozent aber stärkste Kraft. Die SPD rutschte mit einem Minus von 11,9 Punkten auf nur noch 18,4 Prozent und damit den dritten Platz ab.

Es folgen AfD mit 9,9 Prozent (plus 0,8), Linke mit 4,4 Prozent (minus 1,2) und FDP mit 6,4 Prozent (plus 2,3). Die Wahlbeteiligung lag bei 58,5 Prozent, eine Steigerung im Vergleich zu 2014 von 16,3 Prozentpunkten. Zur Wahl aufgerufen waren rund 4,7 Millionen Hessen.

Die Grünen haben in den größten hessischen Städten sogar ganz die Nase vorn: in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt und Offenbach. In Frankfurt errang die Partei mit 31,3 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen wie die SPD, die auf nur noch 15,1 Prozent kam. Die CDU erreichte 19,7 Prozent. Auch bundesweit lösten die Grünen die SPD erstmals als zweite Kraft ab.

Grünen-Politiker reagierten mit großer Freude. "Einfach geil", twitterte EU-Parlamentarier Martin Häusling, der erneut für die Grünen kandidierte, schon am frühen Abend. In Hessen gebe es Ergebnisse, die einen frohlocken ließen, twitterte Sozialminister Kai Klose (Grüne). "Wir Grüne werden uns große Mühe geben, die Bürgerinnen und Bürger auch auf europäischer Ebene nicht zu enttäuschen", erklärten die Landesvorsitzenden Sigrid Erfurth und Philip Krämer.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte in einer ersten Reaktion auf das bundesweite Ergebnis betont, die CDU sei hinter ihrem Anspruch zurückgeblieben. Die entscheidende Rolle habe das Thema Klimaschutz gespielt. Die Partei müsse sich nun "intensiv Gedanken machen, wie unsere Antwort aussieht". Das gelte auch für ein verändertes Kommunikationsverhalten in der Bevölkerung. Millionen Menschen hatten zuletzt das Video "Die Zerstörung der CDU" des Youtubers Rezo angeklickt.

Auch SPD-Landeschef Thorsten-Schäfer-Gümbel nannte den Klima- und Umweltschutz das wichtigste Thema für die Wähler, doch sprächen diese seiner Partei dabei keine Kompetenz zu. "Wir kommen deshalb nicht umhin, innerhalb der deutschen Sozialdemokratie sehr grundsätzlich die Ausrichtung, Aufstellung und Strategie zu klären", sagte Schäfer-Gümbel, der sich im Herbst aus der Politik zurückziehen wird.

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