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HessenWohin mit dem Schloss? Großes Angebot, große Zweifel

20.02.2026, 04:02 Uhr
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(Foto: Helmut Fricke/dpa)

Der hessische Adel will dem Land Schlösser, Parks und Kunstsammlungen schenken. Klingt großzügig, aber ist es das auch? Der Fall weckt schmerzhafte Erinnerungen.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Wer würde nicht gern ein Schloss bekommen? Und Parks und Kunstsammlungen gleich dazu? So ein Angebot liegt dem Land Hessen tatsächlich vor. Dennoch ist die Reaktion auf die Offerte - nun ja: verhalten. "Bei einem Projekt dieser Bedeutung gilt: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", sagte eine Sprecherin des Kunst- und Kulturministeriums vier Wochen, nachdem das Angebot bekannt wurde.

Im Angebot: Schlösser, Parks, Grabstätten

Um welche Objekte geht es? Kern sind zwei Schlösser, eines im Taunus und eines in Osthessen.

  • Schloss Friedrichshof in Kronberg

Das neogotische Schloss war im 19. Jahrhundert der Witwensitz der Mutter von Kaiser Wilhelm II. Es ist seit 1954 ein Fünf-Sterne-Hotel. Zum Gelände gehören ein Golfplatz, ein Pferdestall, ein Park und diverse Nebengebäude. 2021 wurde hier der Kinofilm "Spencer" über Lady Diana gedreht.

  • Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda

Die Anlage gilt als Hessens schönstes Barockschloss. Das Schloss diente als Sommerresidenz der Fuldaer Fürstbischöfe. Heute ist es ein Museum mit historischer Ausstattung und großer Kunstsammlung. Zu der Anlage gehört ein 100 Hektar großer Schlosspark, in dem einmal im Jahr das "Fürstliche Gartenfest" stattfindet.

  • Mausoleen auf der Rosenhöhe in Darmstadt

In den Grabstätten sind Angehörige der Adelsfamilie beigesetzt. "Beide Mausoleen sind vom Verfall bedroht. Eindringende Nässe hat insbesondere den Wandmalereien und Mosaiken sehr zugesetzt", heißt es auf der Homepage des Fördervereins, der um Spenden bittet.

  • Mehrere Wohnimmobilien und Liegenschaften in Eichenzell, Hanau und Kronberg

Was genau sich dahinter verbirgt, ist nicht bekannt. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir uns nicht zu Details äußern", teilte das Ministerium mit. Vermutlich geht es um Nebengebäude der genannten Schlossanlagen. Das Schloss Wolfsgarten bei Langen, der Hauptwohnsitz des Hauses Hessen, wird in diesem Zusammenhang bisher nicht genannt.

Wie könnte der Deal aussehen?

Die Familie bietet dem Land an, die Kulturstiftung des Hauses Hessen "mit allen Rechten und Pflichten" zu übernehmen. In diese Stiftung wurde 2012 der Kunst- und Kulturbesitz der Familie überführt. Die Rochade soll sicherstellen, dass die Kulturgüter dauerhaft erhalten und für Bürger erlebbar bleiben.

Die entscheidende Frage ist, welche Kosten auf das Land zukommen würden - und welche Einnahmen dem gegenüberstünden. Finanzminister Alexander Lorz (CDU) sagte im Januar, man werde "insbesondere in den Blick nehmen, wie wir aus Stiftungserlösen mögliche Kosten decken".

Gebranntes Kind

Die Vorsicht hat eine Vorgeschichte: 2005 kaufte das Land Hessen den adeligen Besitzern das Schloss von Erbach im Odenwald mit seiner historischen Sammlung ab - für 13,3 Millionen Euro plus lebenslangem Wohnrecht für den Grafen. Später hagelte es Kritik, unter anderem vom Landesrechnungshof.

Das Land habe vor dem Kauf den Sanierungsaufwand nicht sorgfältig genug ermittelt, die Kosten seien deutlich höher als zunächst veranschlagt. Auch die erwarteten Besuchermassen blieben aus. 2025 wurde das Schloss mit seinen Schauräumen und dem Elfenbeinmuseum für Besucher geschlossen.

Verlustbringer oder faires Angebot?

Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" wird der Vermögenswert der Kulturstiftung des Hauses Hessen in internen Papieren auf rund 450 Millionen Euro beziffert. Aber an vielen Gebäuden gebe es hohen Investitionsbedarf, schreibt das Blatt. "Rein operativ betrachtet" seien die Liegenschaften für das Land "Verlustbringer".

"Wir machen ein gutes Angebot", sagte Donatus Landgraf von Hessen hingegen im Interview der "Fuldaer Zeitung". Das sieht auch der Direktor des Museums Fasanerie so. In Kronberg und Eichenzell gebe es "keinen großen Sanierungsbedarf", sagte Markus Miller der dpa.

Die Familie habe mit ihrer Stiftung in den vergangenen Jahren Millionen in das Schloss Fasanerie investiert. Das Schlosshotel Kornberg sei als Luxushotel naturgemäß ebenfalls in gutem Zustand. "Das ist wirklich ein faires Angebot."

Wäre das Land Hessen statt der Kulturstiftung Eigentümer des Museums, wäre zum einen "die Finanzierung langfristig gesichert", sagte Miller. Zum anderen erhofft er sich "eine bessere personelle Ausstattung des Museums, die der Qualität und Reichhaltigkeit der Kunstsammlung angemessen wäre".

Bisher kann das Schloss nur mit Führung und nur im Sommer besucht werden. Miller hat aber auch Bedenken: "Andererseits wäre es schade, wenn die kleine dynamische Organisation von Schloss Fasanerie in einer großen Landesbehörde untergehen würde."

Eine naheliegende Möglichkeit wäre, die Objekte in die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens einzugliedern. Die nachgeordnete Behörde betreut 48 Kulturdenkmale in Landesbesitz, von der Burgruine Ehrenfels bis zum Kloster Lorsch. Der jüngste Neuzugang wird am 25. Februar vorgestellt: 400 historische Objekte kehren dank eines Mäzens zurück ins Brentano-Haus in Oestrich-Winkel im Rheingau.

Quelle: dpa

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