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Hessen Holzstäbe für schnellere Suche nach verletzten Wildtieren

Ein totes Reh liegt am Straßenrand. F. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Verletzten Wildtieren steht nach Unfällen ein qualvoller Tod bevor. Damit Jäger sie schneller finden können, sollen in Südhessen spezielle Wildunfallzeichen eingesetzt werden. Die Umsetzung ist günstig, einfach und kommt genau zur rechten Zeit.

Frankfurt/Darmstadt (dpa/lhe) - Um verletzte Wildtiere nach Verkehrsunfällen schneller finden zu können, starten Landesjagdverband und Polizei in Südhessen ein Pilotprojekt. Polizeiautos werden mit reflektierenden Holzstäben ausgestattet, die die Beamten in den Boden stecken sollen, um die Unfallorte zu kennzeichnen. "Meistens gibt es nur eine sehr großräumige Unfallbeschreibung. Man läuft dann die Kilometer hoch und runter", sagte der Sprecher des Landesjagdverbands, Markus Stifter. Zunächst würden 100 solche Wildunfallzeichen im Landkreis Darmstadt-Dieburg für ein Jahr getestet, bei Erfolg könne das Projekt auf ganz Hessen ausgeweitet werden.

Jetzt im Herbst nehmen Wildunfälle laut Stifter zu, Grund sei die Zeitumstellung. In der Winterzeit falle der Feierabendverkehr genau in die Zeit, in der die Tiere auf Futtersuche sind und dabei Straßen überqueren, sagte Stifter.

Nach einem Unfall muss der jeweils Jagdverantwortliche verständigt werden, um das verletzte Tier zu finden oder das tote Tier zu bergen. Unfallverursacher und Polizei sind aber meist nicht mehr vor Ort. Für die Jagdpächter und ihre Hunde beginnt die Suche nach den Tieren.

Das neue Wildunfallzeichen ist mit Reflektorfolie und Signalfarben auch im Dunkeln gut sichtbar. Der etwa 30 Zentimeter lange Stab weist mit einem nach außen zeigenden Dreieck an der Spitze in die Richtung, in die das Wild geflüchtet ist. An diesem Freitag sollen die ersten Zeichen in Darmstadt offiziell übergeben werden.

"Stumpfe Verletzungen sind die Regel, dann gibt es keine Blutspuren auf der Straße und keine Anhaltspunkte, wo man den Hund suchen lassen kann", sagte Stifter. Meist befänden sich die Tiere in einem Umkreis von ein paar hundert Metern. Aufgrund der in der Regel schweren Verletzungen im Brustraum, an Leber, Milz oder Magen stehe den Tieren ein qualvoller Tod bevor. "Es geht darum, die Tiere möglichst schnell zu finden und zu erlösen", sagt Stifter.

Neu ist die Idee nicht, im Kreis Olpe (Nordrhein-Westfalen) und in Aschaffenburg (Bayern) wurden bereits positive Erfahrungen gemacht, wie Stifter sagte. In Hessen ist es die erste derartige Kooperation zwischen Landesjagdverband und Polizei. Die Testphase beschränkt sich auf die Polizei-Dienststellen in Ober-Ramstadt und Dieburg, in deren Bereich es sehr häufig zu Wildunfällen komme. Fünf Euro kosten die Holzstäbe, die Kosten für das Pilotprojekt übernimmt der Landesjagdverband.

Landesweit wurden im Jahr 2018 insgesamt 19 828 Wildunfälle gezählt, wie das hessische Innenministerium mitteilte. Dabei wurden 33 Menschen schwer und 170 leicht verletzt.

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