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Hessen Impfzentren starten: Februar sollen alle die Tore öffnen

Fertig eingerichtet und bereit für die Corona-Impfungen ist das Innere des Rhein-Main-Congress-Centrums (RMCC) im Stadtzentrum der hessischen Landeshauptstadt. Foto: Boris Roessler/dpa/Archiv

(Foto: Boris Roessler/dpa/Archiv)

Politiker sehen einen "historischen Kraftakt". Nach dem Start in sechs Impfzentren soll ab Anfang Februar landesweit in allen 28 Zentren mit der Immunisierung der Menschen gegen das Coronavirus begonnen werden. Das Nadelöhr bleibt weiter der Impfstoff.

Darmstadt (dpa/lhe) - Erleichterung und Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Nach dem Start der ersten sechs Impfzentren am Dienstag in Hessen soll ab dem 9. Februar in allen 28 Zentren landesweit geimpft werden. "Wir werden ab dem 9. Februar dann dafür sorgen, dass in allen Impfzentren, in allen 28 Impfzentren, dann auch tatsächlich geimpft wird, damit wir in die Fläche kommen", sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) zum Start der Aktion in Darmstadt. "Wir werden das mit dem begrenzten Impfstoff machen, der uns zur Verfügung steht." Neben Darmstadt begann am Dienstag das Impfen auch in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt und Wiesbaden.

"Der Impfstoff ist der im Moment begrenzende Faktor für die Durchimpfung der Bevölkerung", sagte Beuth. Aber man sei guter Dinge, dass in den nächsten Wochen und Monaten ausreichend Dosen kommen, um dann wirklich Massenimpfungen durchführen zu können. Es sei ein "gutes Gefühl", dass man den Kampf gegen die Pandemie jetzt richtig aufnehmen könne.

Sein Kabinettskollege, Sozialminister Kai Klose (Grüne), warb noch einmal um Vertrauen in den Impfstoff. "Die verdienen unser Vertrauen. Wenn Sie dran sind, dann lassen Sie sich impfen." Dies sei der entscheidende Ausweg aus der Pandemie.

In den sechs regionalen Zentren werden seit Dienstag zunächst Menschen in der höchsten Priorisierungsgruppe gegen das Virus geimpft. Das sind überwiegend Frauen und Männer im Alter von über 80 Jahren. Am ersten Tag waren rund 1900 Impfungen geplant. Zuvor hatte es bereits für Bewohner und Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen sowie Personal in Corona-Intensivstationen Impfdosen gegeben.

Im Darmstädter Kongresszentrum Darmstadtium sollen nach den Worten des Leiters des Impfzentrums, Jens Rönnfeldt, bis Samstag täglich 252 Menschen die erste von zwei Impfdosen bekommen. Ab dann sollen täglich mehr als 500 Menschen mit einer Immunisierung gegen das Coronavirus beginnen. "Natürlich bin ich froh", sagte am Dienstag Helmut Gaußmann, der als erster eine Spritze bekam. "Mein Sohn hat mich via e-Mail angemeldet", sagte der 85-Jährige aus Messel (Kreis Darmstadt-Dieburg). Es sei aber auch erst der erste Schritt.

Beuth und Klose sprachen von einem "historischen Kraftakt". "Es ist rund ein Jahr her, dass der erste Rückkehrflug aus Wuhan in Frankfurt gelandet ist", sagte Klose. Jetzt habe man in Deutschland verfügbare Impfstoffe. "Jetzt beginnen wir eine historisch einzigartige Aktion", sagte Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Die ersten Fälle der Atemwegserkrankung waren im Dezember 2019 in der zentralchinesischen Metropole Wuhan aufgetreten.

Beuth sagte: "Wir haben uns gut vorbereitet im Land." Für die sechs nun an den Start gehenden Zentren gibt es bis zum 8. Februar dem Innenministerium zufolge rund 60 000 Termine. Dass es nicht mehr sind, liege an dem nur begrenzt verfügbaren Impfstoff, betonte der Innenminister.

Geimpft werden sollen zunächst mehr als 400 000 Menschen in Hessen, die 80 Jahre und älter sind. Anschließend haben überwiegend Menschen im Alter von mehr als 70 Jahren die höchste Priorität. Zu dieser Gruppe zählen außerdem unter anderem enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Senioren und Menschen mit bestimmten Behinderungen oder Vorerkrankungen.

Die rund 60 000 Termine bis 8. Februar in den sechs regionalen Zentren sollen trotz angekündigter Kürzungen bei Lieferungen des Biontech-Impfstoffs sichergestellt werden. Dafür soll auch Impfstoff der Firma Moderna eingesetzt werden, wie ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag mitteilte. Die 60 000 zur Verfügung stehenden Termine ergäben sich aus den vom Bund zugesagten Biontech-Impfstofflieferungen für drei Wochen.

Von den wöchentlich zugesagten rund 49 000 Dosen werde die Hälfte sicher gelagert, um die wichtige Zweitimpfung sicherstellen zu können. 20 000 Dosen gehen den Angaben zufolge pro Woche an die Impfzentren, die übrigen rund 4500 Dosen werden weiterhin in den Alten- und Pflegeheimen sowie den besonders belasteten Klinken eingesetzt. Das Land Hessen habe darüber hinaus bisher rund 4800 Impfdosen des Impfstoffs von Moderna erhalten. Eine weitere Lieferung von Moderna in ähnlicher Größenordnung sei für die kommende Woche in Aussicht gestellt worden, erläuterte ein Sprecher. "Diese Impfdosen dienen zurzeit als Reserve und werden im Logistikzentrum des Landes sicher verwahrt."

Beim Start der Terminvergabe für Impftermine hatte es technische Probleme gegeben. "Da werden wir nachbessern", versprachen Beuth und Klose. Dennoch müsse klar gesagt werden, dass hier auch künftig mit "Fallstricken und Herausforderungen" gerechnet werden müsse. Im Anmeldeverfahren bereits erfolgreich registrierte Menschen, die aber noch keinen Termin erhalten haben, bleiben den Ministerien zufolge gespeichert. Registrierungen sind demnach auch weiterhin möglich, die konkrete Terminvereinbarung erfolge dann, sobald dafür Impfdosen planbar durch den Bund zur Verfügung gestellt würden.

Kritik gab es im Vorfeld auch von Seiten einiger Kommunen an der Öffnung von nur sechs Zentren in einem ersten Schritt. Politiker bemängelten, dass den impfwilligen Senioren durch die Vergabe der Termine in nur sechs Zentren teils lange Wege zugemutet würden.

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