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Hessen Sexuelle Gewalt im Netz: Ärzte können helfen

Ein 17-Jähriger benutzt ein Smartphone. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Erpressung mit freizügigen Fotos oder anzügliche Bemerkungen: Kinder sind in Internet und sozialen Netzwerken vielen Formen sexueller Gewalt ausgesetzt. Doch Opfer trauen sich oft nicht, darüber zu sprechen. Ärzte könnten die Schweigespirale brechen, sagen Fachleute.

Kassel/Frankfurt (dpa/lhe) - Ärzte können nach Ansicht von Fachleuten bei der Erkennung von sexueller Gewalt an Kindern im Internet helfen. "Es geht darum, Ärzte zu sensibilisieren, Kinder auf Medienkonsum anzusprechen", sagte Evelyn Heyer, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, im Vorfeld einer Ärztetagung in Kassel. Heyer spricht als Referentin auf dem Kongress zum Thema "Gewalt erkennen und richtig handeln".

Eine gute Möglichkeit für Mediziner, Jugendliche anzusprechen, seien die Jugenduntersuchungen in der Pubertät. Unter sexueller Gewalt verstehen Fachleute nicht nur Übergriffe, sondern auch anzüglichen Bemerkungen oder sexuelle Belästigung über das Netz und in sozialen Netzwerken.

Eine große Gefahren sei, wenn Kinder und Jugendliche freizügige Bilder von sich veröffentlichten oder teilten, erklärte Heyer. Dabei spielten Vorbilder im Netz, sogenannte Influencer, eine immer größere Rolle. Jugendliche würden deren Verhalten nachahmen. Seien die Bilder im Netz, gerieten sie oft in eine Dynamik von Erpressung, Scham und Gruppendruck. Betroffene würden sich Medizinern unter Umständen leichter anvertrauen als den Eltern: "Ein Arzt ist eine neutrale Person und steht unter Schweigepflicht", erklärte Heyer.

Sie sieht die Mediziner in der Pflicht zu helfen: "Prävention ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag." Auch mit dem Auslegen von Infomaterial in Wartezimmern könnten Mediziner schon etwas bewirken.

Laut der Techniker Krankenkasse (TK) sind viele Ärzte bei der Diagnostik von Gewalt nur bedingt ausgebildet und daher teilweise stark verunsichert. "Sie müssen wissen, wie sie reagieren sollen, wenn sich Eltern oder Kinder mit ihren Sorgen und Fragen an sie wenden", sagte Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Darüber hinaus sollten die Mediziner gut vernetzt sein sowie die ortsnahen Fachstellen und Hilfseinrichtungen kennen.

Das Interesse der Ärzte an der Thematik wachse: Zu der bundesweiten Ärztetagung in Kassel werden am Freitag und Samstag 172 Teilnehmer erwartet. Sie ist ausgebucht. Veranstalter sind die Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) und die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI), unterstützt von der Techniker Krankenkasse.

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