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Hessen Waldbesitzer sehen sich beim Holz-Boom außen vor

Gestapelt liegen geschädigte Baumstämme, zumeist Fichten, im Wald. Foto: Carolin Eckenfels/dpa/Symbolbild

(Foto: Carolin Eckenfels/dpa/Symbolbild)

Holz ist ein gefragter Baustoff. Die Waldbesitzer profitieren davon bislang allerdings nicht so sehr wie andere Akteure am Markt. Die teuren Folgen der Forstschäden bringen zusätzliche Sorgen.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Nachfrage nach Holz ist groß, dennoch sehen sich die hessischen Waldbesitzer im Nachteil. Preissteigerungen für den weltweit gefragten Baustoff kommen bei ihnen nicht an: Diese betreffen das Schnittholz der Sägeindustrie, nicht das Rundholz beziehungsweise Rohholz aus dem Forst, wie Christian Raupach sagt, der geschäftsführende Direktor des hessischen Waldbesitzerverbandes, der private und kommunale Eigentümer vertritt. "Es ist ein gespaltener Markt." Der Rohholzpreis sei seit 2015 kontinuierlich gesunken. "Tiefpunkt war Oktober 2020."

Hitze, Stürme und Borkenkäfer haben in den zurückliegenden Jahren große Waldareale auch in Hessen schwer geschädigt. Bäume, insbesondere Fichten, mussten massenhaft geschlagen werden und füllten den Markt. "Das Schadholz ist die Ursache dafür, dass die Preise so gedrückt wurden", sagt Raupach.

Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmeter Rohholz. 2020 wurden demnach so viele Bäume geschlagen wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung - rund 80,4 Millionen Kubikmeter Holz. Schlecht für die Waldbesitzer: Das sogenannte Schadholz machte dabei weit mehr als die Hälfte aus. Für "Käferholz" gibt es beim Händler deutlich weniger Geld.

"Die Anbieter von Rohholz profitieren derzeit kaum von der wachsenden Nachfrage", so die Statistiker. Die Preise dafür seien zwar zuletzt moderat gestiegen, hätten aber im Februar 2021 um 2,3 Prozent unter dem Stand des Vorjahresmonats und "weit unter dem Niveau" von 2015 (minus 27,3 Prozent) gelegen. Dagegen war Nadelschnittholz dem Bundesamt zufolge im März dieses Jahres im Schnitt 20,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Die Entwicklung spürt auch der Landesbetrieb Hessen-Forst, der sich insbesondere um den Staatswald im Bundesland kümmert. "Die Nachfrage nach Schnittholz ist groß, Rohholz ist grundsätzlich ausreichend vorhanden", sagt Sprecherin Michelle Sundermann. "Die Waldbesitzenden, die das Rohholz zur Verfügung stellen, profitieren noch nicht in dem Maße wie Holzhändler und Sägewerker vom Verkauf der Schnittholzware." Allerdings sei man beim sogenannten Leitsortiment - gutes Fichtenrundholz mit einem Durchmesser von etwa 25 Zentimentern - fast wieder auf dem Niveau von 2018 angekommen.

Sundermann erwartet, dass sich die Preissteigerungen auch bald im Wald bemerkbar machen: "Dann nämlich, wenn die Lager der Holzhändler und Sägewerke aufgebraucht sind und Nachschub benötigt wird." Wie viel Holz und insbesondere Nadelholz in welcher Qualität geliefert werden könne, wisse man aber noch nicht. "Das hängt ganz maßgeblich vom Schadausmaß in diesem Jahr ab."

Nicht nur die Preise machen den Waldbesitzern Sorgen. Hinzu kommen Kosten für die Wiederaufforstung. Manche Eigentümer in Hessen hätten durch Hitze und Käfer ein Drittel ihres Waldes verloren, der neu gepflanzt werden müsse, berichtet Raupach. Pro Hektar, der aufgeforstet wird, fallen demnach bis zu 30 000 Euro an. Die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe bezeichnete er insgesamt als "historisch katastrophal".

Auch Hessen-Forst verweist auf die anstehenden Herausforderungen: "Wir investieren gerade in den Wald der Zukunft", sagt Sprecherin Sundermann. Es gehe dabei um die intensivere Pflege des Waldes, die Wiederbewaldung, aber auch um Verkehrssicherung oder Käfermonitoring. "Das ist zur Zeit sehr kostenintensiv, ohne dass Erlöse dagegen stehen."

Den Waldbesitzern würde nicht nur eine "angemessene Steigerung" des Rohholzpreises helfen, sagt Verbandsdirektor Raupach. Da tue sich auch etwas, und die Sägeindustrie reagiere allmählich. Es gehe auch um die anderen Leistungen des Waldes, die etwa über den Energie- und Klimafonds bezahlt werden sollten. "Wald leistet deutlich mehr als nur Produktion von Holz", sagt Raupach und verweist auf dessen Klimaschutz- und Erholungsfunktion.

© dpa-infocom, dpa:210518-99-638443/2

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