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Mecklenburg-Vorpommern Anti-Mobbing-Strategie für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern

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Der jüngst bekannt gewordene Mobbing-Fall an einer Schule in Crivitz hat das Thema erneut in den Fokus gerückt. Die Landesregierung soll nun binnen eines Jahres eine umfassende Anti-Mobbing-Strategie für den Bildungsbereich vorlegen.

Schwerin (dpa/mv) - Für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern soll spätestens in einem Jahr eine "ganzheitliche Anti-Mobbing-Strategie" vorliegen. Der Landtag in Schwerin forderte am Freitag die Regierung einstimmig dazu auf, ein Konzept auszuarbeiten. Schulen sollen Handlungsempfehlungen erhalten, wie die Prävention gestärkt und die Sensibilität für Mobbing erhöht werden können. Den Antrag hatten die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU eingebracht. Auf Initiative der oppositionellen Linksfraktion soll auch die Verwaltungsvorschrift für Notfälle an Schulen überarbeitet werden. Damit soll ermöglicht werden, Mobbingfälle künftig gesondert zu erfassen und schneller auf Entwicklungen zu reagieren.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) kündigte an, dass bei der Fortschreibung der bisherigen Regelungen auch eine unabhängige Beschwerdestelle und Projekttage zum Thema Mobbing geprüft würden. "Wir dürfen die Schulen nicht allein lassen", sagte Hesse, die in ihrer Rede auch auf den jüngst bekannt gewordenen Fall in Crivitz bei Schwerin einging. Dabei sollen Sechstklässler Schüler des darunter liegenden Jahrgangs einem beschämenden Ritual unterzogen haben. Die Vorfälle sollen sich über vier Jahre hinweg auf dem Schulhof ereignet haben.

Die Ereignisse von Crivitz nannte Hesse schockierend. Sie habe mit Eltern betroffener Schüler und der Schulleitung telefoniert und werde die Schule in Kürze auch besuchen. Einem Bericht der "Schweriner Volkszeitung" (Freitag) zufolge haben Eltern für Ende März eine Informationsveranstaltung initiiert, bei der neben Hesse auch der aus dem Fernsehen bekannte Anti-Gewalt-Trainer Carsten Stahl erwartet wird.

Hesse sagte, die Landesregierung sei in der Frage Mobbing an Schulen nicht untätig gewesen. Doch machten es Entwicklungen wie Cybermobbing mit oft anonymen Verunglimpfungen im Internet erforderlich, bestehende Programme zu ergänzen. "Inklusion und Digitalisierung machen den Schulalltag komplexer. Wir müssen noch genauer hinschauen, wenn es um dauerhafte Ausgrenzung und Erniedrigung geht." Hesses Ziel sei eine landesweite Vereinbarung gegen Mobbing für alle Schulen mit Landeselternrat, Landesschülerrat und der Schulleitungsvereinigung als Partner.

Die Chefin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, beklagte, dass es zu wenig Unterstützung für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter gebe. "Lediglich das "Antimobbing-Köfferchen" wurde 2010 vom damaligen Bildungsminister Henry Tesch den Orientierungsstufen und Grundschulen vollkommen unvermittelt vor die Tür gestellt." Anleitungen zur Nutzung habe es nicht gegeben und nach neun Jahren existiere der Koffer an den Schulen meist gar nicht mehr. Die nun angestrebte Anti-Mobbing-Strategie sei nur eine Möglichkeit, erfolgreich gegen jede Form von Gewalt und Ausgrenzung vorzugehen. "Die beste Strategie ist immer noch eine umfassende Bildung. Das heißt: mehr Unterricht, weniger Ausfall, mehr ausgebildete Lehrkräfte und mehr Schulsozialarbeit an jeder Schule", sagte Oldenburg.

Antrag Anti-Mobbing-Strategie

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