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Mecklenburg-Vorpommern Berlin Corona-Hotspot: Krisensitzung der Landesregierung

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An diesem Wochenende beginnen in Berlin die Herbstferien. Die Hotelbranche in Mecklenburg-Vorpommern hatte sich auf viele Urlaubsgäste aus der Bundeshauptstadt eingestellt. Doch die Rechnung wurde ohne die Corona-Pandemie gemacht.

Schwerin/Berlin (dpa/mv) - Die Einstufung Berlins am Donnerstag als Corona-Risikogebiet beschäftigt auch die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns. Für den Abend wurde kurzfristig eine außerordentliche Kabinettssitzung anberaumt. In einer Telefonschalte sollte das weitere Vorgehen beraten werden, wie ein Regierungssprecher sagte. Mit Beginn der Herbstferien in der Bundeshauptstadt wurden zum Wochenende Tausende Urlauber von dort im Nordosten erwartet.

In Berlin war am Donnerstag für die gesamte Stadt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage auf 52,8 gestiegen. Die Marke von 50 gilt als ein zentrales Kriterium für die Beurteilung der Corona-Lage. Bund und Länder hatten vereinbart, dass in besonders betroffenen Gebieten, die den Wert überschreiten, örtlich Gegenmaßnahmen ergriffen werden und andere Bundesländer Einreisebeschränkungen verfügen können.

Mecklenburg-Vorpommern hat dabei für Besucher aus Corona-Hotspots mit mehr als 50 Neuinfektionen besonders hohe Hürden gesetzt. Neben einem aktuellen negativen Virus-Test schreibt die Corona-Landesverordnung eine 14-tägige Quarantäne unmittelbar nach der Einreise vor. Die Wartezeit kann durch das zuständige Gesundheitsamt verkürzt werden, wenn ein zweiter, selbst zu bezahlender Test nach 5 bis 7 Tagen ebenfalls negativ ausfällt. Seit dem Neustart des Tourismus Anfang Juni waren im Nordosten lediglich 19 Gäste mit einer Covid-19-Infektion registriert worden.

Die Tourismuswirtschaft im Nordosten befürchtet angesichts der strengen Maßgaben drastische Folgen für die Geschäfte der kommenden Wochen. Etwa 15 Prozent der Gäste im Jahr kämen aus der Bundeshauptstadt, sagte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes. In den Herbstferien sei dieser Wert noch höher. Er gehe davon aus, dass Urlauber nun nur in Einzelfällen die geforderten Einreisevorgaben auf sich nehmen und stattdessen erst gar nicht anreisen.

Die Einstufung Berlins als Corona-Hotspot bringe für die Branche somit gleich mehrere Probleme: "Zum einen müssen Beherbergungen jetzt einen erheblichen Aufwand betreiben, was Stornierungen oder Umbuchungen angeht. Zum anderen bekommen sie diese Lücken kaum noch gefüllt", erläuterte Woitendorf. Die Buchungslage sei im Oktober, wie im Vormonat September, gut gewesen - die Branche habe mit einem guten Geschäft gerechnet.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Landes-Hotel- und Gaststättenverbandes, Lars Schwarz. "In traditionellen Reisezielen der Berliner wie Usedom und Rügen kommen aktuell 30 bis 40 Prozent der Buchungen aus der Bundeshauptstadt", sagte er. Bei all diesen Gästen auf die Einhaltung der geltenden Corona-Quarantäneverordnung zu achten, überfordere die Mitarbeiter. Auch Schwarz rechnet damit, dass viele Urlauber ihre Reisen absagen und damit gerade in diesem Jahr wichtige Einnahmen aus der Nachsaison verloren gehen.

Zudem kollidiere die Durchsetzung der vorgeschriebenen Bewegungseinschränkungen für Gäste mit der Gastfreundschaft, die die Branche auszeichne und die Garant für zufriedene Kunden sei. Mit offener Kritik an der Corona-Verordnung des Landes hielt sich der Dehoga-Landeschef zurück. "Die Regelungen sind nicht optimal abgestimmt", sagte er.

Woitendorf kritisierte, dass es keine bundesweit einheitliche Regelung zum Umgang mit Touristen aus Corona-Risikogebieten gebe. Ein vereinheitlichtes System sei einfacher, sagt er. Andere Bundesländer fordern von Touristen aus Risikogebieten negative Corona-Tests, die nicht älter als 48 Stunden sein dürfen, und schreiben keine Quarantäne vor wie Mecklenburg-Vorpommern.

Im Nordosten sind am Donnerstag zwölf Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Damit stieg die Gesamtzahl der Fälle seit Beginn der Pandemie landesweit auf 1345, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock mitteilte. Ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer gelten 1132 Personen als genesen; neun mehr als noch am Vortag. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus gestorben sind, liegt seit Monaten bei 20. Mit 8,8 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage liegt Mecklenburg-Vorpommern bislang deutlich unter dem kritischen Wert von 50.

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