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Mecklenburg-Vorpommern Experte: Herbizid-Verbot beträfe ein Drittel der Ackerfläche

Ein Kanister mit einem Herbizid zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus steht neben abgeschnittenen Pflanzen. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Archivbild

(Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Archivbild)

Das geplante Agrarpaket der Bundesregierung empört viele Bauern. Experten haben nun errechnet, dass das geplante Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel rund ein Drittel der Ackerfläche im Nordosten betreffen würde. Die Folgen sind noch unklar.

Neubrandenburg (dpa/mv) - Das geplante Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel wird in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben von Experten rund ein Drittel der Ackerfläche von 1,1 Millionen Hektar betreffen. Das haben erste Berechnungen ergeben, wie Joachim Vietinghoff, Vize-Chef des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF), am Mittwoch in Neubrandenburg sagte. Zudem würden die Erträge etwa beim Weizen sinken. Die Bundesregierung möchte den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten und an Gewässern weiter einschränken, um ein höheres Insektenschutzniveau zu gewährleisten - wogegen Landwirte seit Wochen protestieren.

Die Lage der Insekten sei in Mecklenburg-Vorpommern deutlich besser als bisher bekannt, erklärte der Experte. So gebe es Untersuchungen in einem Gebiet, das vor 32 Jahren schon analysiert worden sei. "Wir haben das Fünffache an Insekten gefunden und auch viel mehr Arten als damals." Vor 1990 sei mit dem Mittel Lindan viel mehr totgespritzt worden als mit heutigen moderneren Herbiziden. Genaue Zahlen sollen bei der Jahrestagung des LALLF zum Pflanzenschutz am 9. Dezember an der Universität Rostock vorgestellt werden.

Grundsätzlich gehöre dem "integrierten Pflanzenschutz" die Zukunft, sagte Vietinghoff. Dabei sollen biologische und biotechnische Maßnahmen den Einsatz chemischer Stoffe begrenzen. Für eine effektivere mechanische Unkrautbekämpfung fehle es aber an Forschung. Ein Beispiel für eine gelungene Kombination gebe es mit der "Bandspritzhacke" aus dem Zuckerrübenanbau. Dabei wird zwischen den Pflanzenreihen gehackt, während ein Herbizid zur Unkrautvernichtung nur vor und hinter den Pflanzen eingebracht wird. Ein völliger Verzicht auf die Chemie auf einem Rübenacker sei nicht möglich. "Wer das fordert, hat noch nie eine Hacke in der Hand gehabt."

Vietinghoff forderte die Bauern auf, deutlich mehr Mittel nachts auszubringen, da dann weniger Wind wehe. Zugleich solle die Geruchsbelästigung bei bestimmten Stoffen durch Forschung verringert werden, sagte Vietinghoff vor rund 120 Zuhörern beim ersten Treffen von Junglandwirten, jungen Betriebsleitern, Agrarstudierenden und Facharbeitern aus Mecklenburg-Vorpommern.

Ziel der neuen Initiative ist es, Praktiker und Nachwuchs zu verbinden und aktuelle Themen der Land- und Ernährungswirtschaft zu diskutieren. "Wir brauchen Wissen", sagte der Präsident des Landesbauernverbands, Detlef Kurreck. Die Hochschule Neubrandenburg und die Universität Rostock unterstützen die Initiative der jungen Landwirte.

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