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Mecklenburg-Vorpommern Gauck: Fachkräftemangel erfordert qualifizierte Einwanderung

Joachim Gauck spricht. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Es ist ungewöhnlich, wenn sich in Zeiten der Corona-Pandemie mehr als 400 Unternehmer, Wirtschaftler und Politiker zu einem Empfang treffen. Neben der Freude darüber wurde es in der Rostocker Stadthalle auch ernst.

Rostock (dpa/mv) - Deutschland braucht nach Ansicht von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck eine qualifizierte Einwanderung, um den stetig wachsenden Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Die Zahl der unbesetzten Stellen steige kontinuierlich an, allerdings seien die Branchen noch unterschiedlich betroffen, sagte Gauck am Donnerstag beim Jahresempfang der IHK zu Rostock. Der Mangel werde sich weiter verschärfen, wenn die Menschen aus der sogenannten Baby-Boomer-Zeit in Rente gehen. "Jetzt so zu tun, als wäre dieses Land wie früher mit den einheimischen Kräften in die Zukunft zu führen, ist einfach ein Irrglaube."

Gauck verwies auf das "Schreckensszenario", das sich derzeit in Großbritannien mit leeren Regalen in den Supermärkten und leeren Landstraßen abspiele. Auch in Deutschland seien Anfänge solcher Fehlentwicklungen zu sehen, die sich verstärkten, wenn nicht entschlossen dagegen gehandelt werde. Deshalb plädierte Gauck, bei Flüchtlingen auch einen zweiten oder dritten Anlauf zu wagen, wenn der erste Versuch der Integration wegen Sprachschwierigkeiten oder aus Mentalitätsgründen scheitert. Die Gesellschaft dürfe sich nicht damit zufrieden geben, die Menschen dann in staatlicher Fürsorge zu haben.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) benannte in ihrer Rede den Ausbau der Infrastruktur als einen Schwerpunkt der künftigen Wirtschaftspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Neben den Verkehrswegen komme der digitalen Infrastruktur eine besondere Bedeutung zu. "Mit der digitalen Agenda haben wir die Voraussetzungen für den Breitbandausbau und den Ausbau der Handynetze geschaffen." Bei der Umsetzung dieser Agenda müssen an den Bedarf einer erheblich stärker digitalisierten Zukunft gedacht werden. "Wir brauchen eine gigabitfähige Infrastruktur im ganzen Land", sagte Schwesig.

IHK-Präsident Klaus-Jürgen Strupp forderte am Rande des Empfangs eine Neuorganisation der bislang von den Landkreisen geführten Berufsschulen. "Wir brauchen eine moderne Landesberufsschule, keine zersplitterte Berufsschullandschaft, die ständig von Schließungen bedroht ist", sagte er. Eine stärkere Modernisierung und Digitalisierung der Berufsschulausbildung sei notwendig. Hintergrund der Forderung sei der Fachkräftemangel. "Bereits in der Schulbildung muss der Fokus auf die Entwicklung neuer Nachwuchskräfte für die Wirtschaft vor Ort gelegt werden."

© dpa-infocom, dpa:211021-99-685200/2

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