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Mecklenburg-Vorpommern Geburtenstation Crivitz spätestens zum 30. Juni zu: Kritik

Blick auf das MediClin Krankenhaus am Crivitzer See. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild)

Die Politik will die Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhaus Crivitz erhalten, der Träger Mediclin nicht. Für die Schließung zum 30. Juni steht jetzt der Sozialplan. Die Politik reagiert entsetzt.

Offenburg/Crivitz (dpa/mv) - Die Geburtenstation des Mediclin-Krankenhauses Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) schließt ungeachtet der Bemühungen der Politik nun doch. Eine Betriebsvereinbarung zum Sozialplan und Interessensausgleich regele die Schließung zum 30. Juni, teilte Mediclin-Sprecherin Gabriele Eberle am Donnerstag in Offenburg (Baden-Württemberg) mit. Zuvor hatte die "Schweriner Volkszeitung" berichtet.

Die amtierende Chefärztin der Geburtenstation Crivitz wechselt Mediclin zufolge bereits zum Mai an die Asklepios Klinik nach Parchim - als Chefärztin der dortigen Geburtenstation. "Inwieweit wir ab Mai aufgrund der Personalsituation in der Klinik noch die Versorgung der Geburtenstation aufrecht erhalten können, wird derzeit geprüft. Mindestens zeitweise Abmeldungen von der Versorgung scheinen nicht zu vermeiden zu sein", erklärte Eberle zur Situation in Crivitz.

Die Landespolitik reagierte entsetzt. "Wir akzeptieren die Vorgehensweise von Mediclin nicht", sagte Regierungssprecher Andreas Timm. "Es ist zwischen Minister Glawe, dem Landkreis und dem Klinikbetreiber vereinbart worden, dass die Geburtenstation bis zum 30. Juni weiterbetrieben wird und dass bis dahin ein Konzept für die Zukunft erarbeitet wird. An dieser Festlegung hält die Landesregierung ausdrücklich fest." Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) kündigte ein weiteres Gespräch mit dem Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD) und Mediclin nach Ostern an.

Sternberg reagierte überrascht auf die Ereignisse. "Die Nachricht aus Crivitz verwundert mich. Wir waren und sind gemeinsam mit dem Land mit Mediclin im Gespräch. Dabei ging es nie ausschließlich um den Erhalt der Geburtsstation, sondern um die Zukunft des ganzen Hauses." Als eine Option gilt die Kommunalisierung.

Der Asklepios-Konzern und sein Tochterunternehmen Mediclin verfolgen seit Längerem das Ziel, die Geburtshilfe und Frauenheilkunde in Parchim zu konzentrieren. Die Station in Crivitz sollte den Plänen zufolge bereits im Dezember 2019 geschlossen werden. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hatte dem bereits zugestimmt, wurde aber von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu Nachverhandlungen verpflichtet. Der Landtag forderte einstimmig den Erhalt der Station. Es gab Proteste der Bevölkerung. Schließlich erwirkte die Regierung einen Aufschub. Bis Jahresmitte 2020 sollten Möglichkeiten für den Erhalt ausgelotet werden.

Auch aus dem Landtag kamen am Gründonnerstag entsetzte Reaktionen. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Julian Barlen, nannte das Vorgehen von Mediclin einen Alleingang und "unverschämt". Als Verfahren sei verabredet worden, bis Ende Juni nichts zu schließen und ein gemeinsam getragenes Konzept zu erarbeiten. "Explizit mit dem Ziel, die Geburtshilfe sowohl am Standort Crivitz als auch am Standort Parchim zu erhalten." Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sebastian Ehlers, sagte, es entstehe der Eindruck, dass im Windschatten der Corona-Krise Fakten geschaffen werden sollten.

Der Gesundheitspolitiker der oppositionellen Linken, Torsten Koplin, resümierte: "Es zeichnet sich nun ein zweiter Fall Wolgast/Anklam ab, bei dem eine gut funktionierende Geburtenstation zugunsten eines stark hilfebedürftigen Trägers teuer geschlossen wird." Dabei sei es fragwürdig, ob die Entscheidung in Crivitz der Geburtenstation in Parchim wirklich helfen werde. "Diese ist trotz personeller Verstärkung über Ostern wieder einmal geschlossen", so Koplin. Er forderte, eine Überführung des Krankenhauses Crivitz in die öffentliche Hand jetzt ernsthaft ins Auge zu fassen.

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