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Mecklenburg-Vorpommern Handel darf wieder öffnen: Tourismus bleibt in Warteschlange

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Nach monatelanger Zwangsschließung zeichnet sich für den Handel in Mecklenburg-Vorpommern Besserung ab. Läden sollen unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Der für das Land so wichtige Tourismus muss sich hingegen noch in Geduld üben.

Schwerin/Berlin (dpa/mv) - Nach der Öffnung von Friseursalons und Gartenbaucentern soll auch für den Einzelhandel in Mecklenburg-Vorpommern die Zeit der Zwangsschließung enden. Wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am frühen Donnerstagmorgen in Schwerin nach einem mehrstündigen Bund-Länder-Gipfel mitteilte, dürfen Läden vom 8. März an für angemeldete Kunden wieder öffnen. Die Zahl der Zutrittsberechtigten ist abhängig von der Ladengröße.

In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 seien weitergehende Öffnungen auch ohne Anmeldungen möglich. Dies trifft derzeit bereits auf die Hansestadt Rostock sowie die Landkreise Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische-Seenplatte zu. Auch Museen und Galerien sollen dort unter Auflagen wieder öffnen dürfen. "Ob und wie die Regionen davon Gebrauch machen, werden sie uns auf dem MV-Gipfel am Freitag sagen", erklärte Schwesig. In Kreisen mit mehr als 100 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche könne es solche Lockerungen aber nicht geben, betonte sie.

Zudem würden die aktuell sehr strengen Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich gelockert. Künftig seien Treffen von bis zu fünf Personen aus zwei Familien erlaubt, plus Kinder bis 14 Jahre.

Noch keine Entscheidung gab es laut Schwesig zum Tourismus, der ebenfalls seit November in einer Zwangspause verharrt und auf einen Neustart zu Ostern hofft. Sie habe sich mit ihrem Kieler Amtskollegen Daniel Günther (CDU) dafür eingesetzt, diese Frage noch offen zu halten. Auf der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 22. März solle erneut darüber beraten und entschieden werden, ob wenigstens Reisen im eigenen Bundesland möglich sind.

Der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, schlug bereits einen norddeutschen Sonderweg zusammen mit Schleswig-Holstein vor. Die Öffnungen im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass der Tourismus das Infektionsgeschehen nicht beschleunigte. Deshalb könnte bei einer ähnlich guten Vorbereitung einer schrittweisen Öffnung nichts im Wege stehen, argumentierte Woitendorf.

Am Freitag wird der Landtag in Schwerin in einer weiteren Sondersitzung über die Umsetzung der Bund-Länder-Vereinbarungen debattieren. Danach soll nach einer Videokonferenz im Rahmen des MV-Gipfels von Regierung und Verbänden die Corona-Landesverordnung fortgeschrieben werden.

Über die Lockerungen der Corona-Schutzvorschriften hatten Bund und Länder lange und intensiv gerungen, auch weil die Corona-Fallzahlen seit Tagen wieder steigen. So wurden am Mittwoch in Mecklenburg-Vorpommern 249 Corona-Neuinfektionen gemeldet, 28 mehr als am Mittwoch vor einer Woche. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) weiter mitteilte, kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz im Nordosten auf 67,6 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Mit 112,5 ist der Wert im Kreis Vorpommern-Greifswald weiterhin am höchsten, am niedrigsten in der Hansestadt Rostock mit 25,3.

Laut Schwesig kommen bei den beabsichtigten Lockerungen massenhaften Corona-Schnelltests und einer Erhöhung des Impftempos eine wichtige Rolle zu. Damit könnten Infektionsrisiken begrenzt werden. Die Regierungschefin beklagte, dass der Bund nicht schon für einen Vorrat an Tests gesorgt habe und erneuerte auch ihre Kritik an der unzureichenden Impfstoffbestellung.

Die niedergelassenen Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern machten deutlich, dass sie rasch in die Corona-Schutzimpfungen einbezogen werden wollen. In einem Offenen Brief an Schwesig forderte die Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung MV, die Impfungen gegen Covid-19 in den Arztpraxen zügig und flächendeckend zu ermöglichen. Bei steigenden Impfstoffmengen sei es an der Zeit, den nächsten Schritt zeitnah vorzubereiten, hieß es. Mecklenburg-Vorpommern erwartet nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis Ende März allein 100 000 Dosen des Impfstoffs von Biontech-Pfizer.

Unterdessen laufen im Nordosten die Vorbereitungen für das Impfen von Kita-Erziehern und Lehrern. Als erste Landkreise wollen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg am Freitag damit starten. Die Nachfrage sei groß, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Das Land hatte nach Kritik aus den Kommunen über liegen bleibende Impfdosen den Astrazeneca-Impfstoff für die nächste Prioritätsgruppe geöffnet. Zur Gruppe zwei gehören Erzieher, Lehrer, Polizisten und Mitarbeiter von Arztpraxen unter 65 Jahren.

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