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Mecklenburg-Vorpommern Handwerkskammer fordert kostenfreies Azubi-Ticket

Ein Werkzeugschrank in der Ausbildungswerkstatt der Tischler im Handwerkerbildungszentrum der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv

(Foto: Bernd Wüstneck/Archiv)

Viele Menschen im Flächenland MV verkehren zwischen Wohnort und Arbeitsplatz mit dem Auto. Das gilt auch für Auszubildende, die zur Berufsschule müssen, aber oft noch keinen Führerschein haben. Ein kostenfreies Azubi-Ticket könnte eine Lösung sein.

Rostock (dpa/mv) - Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern hat auf ihrem Obermeistertag in Güstrow das kostenfreie Ticket für Auszubildende gefordert. Hintergrund sei, dass von den ehemals 39 Berufsschulen nur noch 17 gebe, sagte der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Jens-Uwe Hopf. "Die langen Anreisezeiten und vielen Fahrtkilometer zu Lasten der Betriebe und Auszubildenden sind durch die Entscheidungen der Politik entstanden. Deshalb sehen wir die Politik auch in der Pflicht, etwas zu tun."

Hopf verwies auf Statistiken, nach denen die Auszubildenden im Nordosten im bundesweiten Vergleich die meisten Kilometer für ihre Anreise haben. Das Land habe bisherige Forderungen nach Finanzierung des Azubi-Tickets mit Blick auf die Kosten stets zurückgewiesen. Dagegen hätten Bundesländer wie Sachsen, Brandenburg oder auch Nordrhein-Westfalen das Azubi-Ticket bereits eingeführt, sagte Hopf.

Unterstützung bekam die Kammer aus dem Landtag. "Es ist ein Desaster, dass die Regierung des Landes mit den weitesten Wegen zu den beruflichen Schulen hier untätig bleibt und den Auszubildenden in die meist leeren Taschen greift", sagte Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg. Die Regierung halte an einer untauglichen Richtlinie für Fahrtkostenzuschüsse fest, von der nicht einmal ein Prozent der Auszubildenden profitiere.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wolfgang Waldmüller, befürchtete, dass Mecklenburg-Vorpommern im Wettbewerb um Auszubildende weiter in die Defensive gerate. "Natürlich schauen junge Menschen auch aufs Geld. Wenn Fahrten zur Berufsschule woanders gratis sind und bei uns nicht, dann wirkt sich das zwangsläufig aus." Wenn nicht endlich gehandelt werde, drohe die Berufsausbildung in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Auslaufmodell zu werden.

"Es ist die Aufgabe des Landes, die Sicherstellung der Beförderung für Berufsschüler und Auszubildende zu gewährleisten", sagte der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Stephan Reuken. Lange Anfahrtswege seien unter anderem ein Grund dafür, warum die Arbeitgeber nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten.

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