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Mecklenburg-Vorpommern Jeder Einwohner zahlt 111 Euro Grundsteuer

Euro-Münzen liegen auf Euro-Banknoten. Foto: Daniel Reinhardt/Archivbild

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Nach der Gewerbe- sowie der Lohn- und Einkommensteuer ist die Grundsteuer die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen. Die Höhe können sie selbst festlegen. Vielerorts wird an der Schraube gedreht.

Stuttgart/Schwerin (dpa/mv) - Die Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns haben im vergangenen Jahr im Schnitt 111 Euro Grundsteuer an ihre Kommune gezahlt. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Damit kommen die Bürger im Nordosten noch vergleichsweise günstig weg. Geringer war die durchschnittliche Pro-Kopf-Belastung nur in Thüringen (109 Euro), Sachsen-Anhalt (107 Euro) und Brandenburg (106 Euro).

In den westlichen Bundesländern müssen die Bürger tiefer in die Tasche greifen. So ermittelte Ernst & Young für Nordrhein-Westfalen eine durchschnittliche Pro-Kopf-Belastung durch die Grundsteuer von 206 Euro, in Hessen 183 Euro und in Schleswig-Holstein 151 Euro.

Betrachtet wurde die Grundsteuer B, die für bebaute und bebaubare Grundstücke an die Gemeinde zu zahlen ist. Das Geld dient der Kommune zur Finanzierung der Infrastruktur im Ort, wie Straßen und Schulen, welche die Menschen nutzen und an deren Kosten sie sich beteiligen sollen. Die Steuer ist von Haus- und Grundstückseigentümern zu entrichten, wird jedoch auf die Mieter im Rahmen der Betriebskosten umgelegt. Letztlich zahlen also alle Haushalte.

In der Vergangenheit haben viele Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern an der Grundsteuer-Schraube gedreht: Der Studie zufolge erhöhten allein im vorigen Jahr drei von zehn Gemeinden den Hebesatz im Schnitt um 9,7 Punkte. Dies war Platz zwei im Vergleich der Bundesländer nach dem Saarland, wo gut die Hälfte der Kommunen erhöhte.

Der durchschnittliche Hebesatz hat bundesweit inzwischen 378 Prozent erreicht - Mecklenburg-Vorpommern lag Ende 2018 mit 379 Prozent leicht darüber. Die regionalen Unterschiede sind groß und reichen in Mecklenburg-Vorpommern von 300 Prozent in 45 Kommunen bis zu 700 Prozent in Wackerow bei Greifswald. Dass dennoch die Steuerbelastung der Menschen in MV im Ländervergleich geringer ist, liegt an den oft niedrigeren Immobilienwerten im Osten.

Die Höhe der Grundsteuer wird von der Kommune festgelegt und variiert erheblich. Für die Berechnung wird ein kompliziert ermittelter Immobilien-Einheitswert mit einer Steuermesszahl und dem Hebesatz multipliziert, den die Stadt oder die Gemeinde festlegt. Bis Jahresende muss in Deutschland die Berechnung auf neue Füße gestellt werden. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.

Die Grundsteuer dient den Kommunen zur Finanzierung der Infrastruktur im Ort, welche die Menschen nutzen und an deren Kosten sie sich beteiligen sollen. Die Grundsteuer B trägt der Studie zufolge im Schnitt mit 12,2 Prozent zu den kommunalen Haushalten in Deutschland bei. Unternehmen leisten über die Gewerbesteuer einen größeren Beitrag: Der Anteil trägt Ernst & Young zufolge mit 41,7 Prozent bei, gefolgt von der Lohn- und Einkommensteuer (37,5 Prozent). Im vergangenen Jahr erhöhten 22,8 Prozent der Kommunen im Nordosten den Gewerbesteuer-Hebesatz.

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