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Mecklenburg-Vorpommern Landtag sieht Co-Working als Perspektive für den Nordosten

Christian Pegel (SPD) nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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In Lietzow auf Rügen können digitale Nomaden am Ostseestrand in modern ausgestatteten Büros arbeiten und, wenn sie wollen, auch dort für gewisse Zeit wohnen. Dem "Project Bay" sollen nach Vorstellung der Regierungsfraktionen viele weitere Co-Working-Spaces folgen.

Schwerin (dpa/mv) - Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Die Landesregierung soll moderne Co-Working-Spaces - also geteilte Büroräume - in Mecklenburg-Vorpommern voranbringen. Der Landtag forderte die Regierung am Freitag mehrheitlich auf, solche Arbeitsorte gezielt zu entwickeln und zu fördern. Mit seinen landschaftlichen Reizen und attraktiven Gebäuden, wie Herrenhäusern, könne MV zwischen den Großstädten Berlin und Hamburg sehr attraktiv für Menschen sein, die ihren Laptop zumindest zeitweise außerhalb der Metropolen aufschlagen wollten, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker Wolfgang Waldmüller in der Debatte.

In Co-Working-Spaces würden meist größere, offene Büroräume angeboten, mit Druckern, Scannern, Telefon und Beamer, bis hin zu Möglichkeiten des zeitweisen Wohnens (Co-Living), erklärte er. "Das klappt in Berlin gut, das klappt in Hamburg gut. Und das könnte in Mecklenburg-Vorpommern besser klappen, als es das bisher tut."

Infrastrukturminister Christan Pegel (SPD) verwies auf erste Beispiele, wie "Project Bay" in Lietzow auf Rügen. Im modernen Gebäude eines Call Centers am Ostseestrand biete dort ein junges Unternehmen Co-Working- und Co-Living-Möglichkeiten. Er sprach sich dafür aus, dass die sechs digitalen Innovationszentren in MV sich um Co-Working-Spaces im ländlichen Raum mit kümmern sollten. Das erste dieser Zentren war im März in Neubrandenburg eröffnet worden. Chancen für Co-Working-Space-Anbieter sieht Pegel vor allem auch entlang der Hauptverkehrsadern aus den Metropolen. Es gebe jedoch auch schon Angebote in zwei Herrrenhäusern, sagte er.

Die Linke kritisierte den Plan der Regierungsfraktionen, weil aus ihrer Sicht die Grundlagen - die technische Infrastruktur - vielerorts fehlen. "Im ländlichen Raum warten die Menschen immer noch auf schnelles Internet", sagte die Abgeordnete Eva-Maria Kröger. "Was nützt der schönste Co-Working-Space, wenn außer einem schönen Ausblick nur das Edge-Netz zur Verfügung steht?" Aus der digitalen Versenkung werde MV mit diesem Vorstoß nicht geholt. Kröger forderte eine Digitalisierungsstrategie für das Land mit klaren Prioritäten, abgestimmten Maßnahmen und einem ambitionierten Zeitplan.

Der SPD-Abgeordnete Philipp da Cunha betonte, der Verein "Smart Doerp" (Intelligentes Dorf) trage die Idee des gemeinsamen Arbeitens bereits erfolgreich in die ländlichen Regionen. Der Breitbandausbau laufe und werde - "coronabedingt leider verzögert" - im Laufe des kommenden Jahres mehr und mehr Regionen an das schnelle Internet anbinden.

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