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Mecklenburg-Vorpommern Trotz guter Auftragslage gedämpfte Stimmung im Handwerk

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Beim Blick in die Zukunft legt mancher Handwerker inzwischen die Stirn in Falten. Denn die Zeit des ungebremsten Aufschwungs und übervoller Auftragsbücher scheint sich dem Ende zuzuneigen.

Rostock/Schwerin (dpa/mv) - Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern steckt derzeit bis über beide Ohren in Arbeit, befürchtet aber ein Ende der überaus guten Auftragslage. Wie die beiden Handwerkskammern am Freitag in Rostock und Schwerin mitteilten, sind die Erwartungen der Betriebe deutlich gedämpft. In der jüngsten Konjunkturumfrage sei der Anteil der Unternehmen, die auch für die Zukunft eine gute Geschäftslage erwarteten deutlich geringer ausgefallen als bei früheren Befragungen.

So fiel der Geschäftsklimaindex, ein Barometer für die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen, im Kammerbezirk Ostmecklenburg-Vorpommern auf den niedrigsten Wert seit 2013. In Westmecklenburg ging er im Vorjahresvergleich zwar leicht nach oben, blieb aber auch dort deutlich unter dem Rekordwert von 2017.

"Die vorsichtige Haltung der Betriebe ist offenbar ein Indiz dafür, dass sich die Handwerkskonjunktur insgesamt etwas abschwächt. Die gute wirtschaftliche Entwicklung im Handwerk ist somit kein Selbstläufer", konstatierte der Rostocker Kammer-Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf. In der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammer prognostizierten nur noch 10 Prozent der befragten Betriebe für sich eine auch künftig gute Geschäftslage. Noch im Frühjahr 2018 hätten mehr als 50 Prozent eine weiterhin gute oder sogar bessere Geschäftslage erwartet. Dieser Wert sei kontinuierlich geringer geworden, sagte Hopf.

Im Bereich der Handwerkskammer Schwerin gaben immerhin noch 16 Prozent der Befragten an, dass sie eine bessere Geschäftslage erwarten, 78 Prozent rechneten mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Dieser Trend sei mit Ausnahme der Gesundheitshandwerke in allen Branchen zu beobachten. Überdurchschnittlich skeptisch zeigten sich in der Umfrage das Nahrungsmittel- und das Kfz-Handwerk. Fast jedes dritte der befragten Unternehmen dieser Branchen stelle sich schon darauf ein, dass sich die Geschäftslage verschlechtert.

Aktuell zeigt sich das Handwerk mit der Situation überaus zufrieden. So bewerteten in Ostmecklenburg-Vorpommern 95 Prozent der Unternehmen über alle Branchen hinweg ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend, im Bereich Schwerin lag die Quote mit 94 Prozent ähnlich hoch. "Das Handwerk lebt vor allem von der Inlandsnachfrage und diese ist im Gegensatz zum Export derzeit weiter hoch", sagte Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, zur Begründung.

Doch könne sich das Handwerk nicht ganz von der generellen Wirtschaftsentwicklung abkoppeln, bei der die Industrie derzeit schon spürbar von politisch verursachten Problemen im Außenhandel betroffen sei. Günther forderte die Politik auf, mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen dem Handwerk in Deutschland weiterhin Stabilität zu geben. "Nach wie vor fehlt eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, eine wettbewerbsfähige Steuerpolitik und die Entlastung von Vorgaben, Regelungen und Belastungen", sagte Günther.

An der Konjunkturumfrage hatten sich den Angaben zufolge landesweit etwa 650 Unternehmen beteiligt. Die beiden Kammern zählen insgesamt rund 20 000 Mitgliedsbetriebe.

Umfrage Ostmecklenburg-Vorpommern

Handwerkskammer Schwerin

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