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Mecklenburg-Vorpommern Ungeduld bei ehemaligen MV-Werften-Beschäftigten wächst

Die Dockhalle mit dem geschlossenen riesigen Rolltor in Wismar.

(Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild)

Fast neun Monate nach der Insolvenz der MV-Werften-Gruppe Anfang Januar hoffen viele ehemalige Beschäftigte weiter auf eine Zukunft an den Standorten. Ende Oktober läuft die Transfergesellschaft nach bisherigem Stand aus. Die Frist setzt die Verbliebenen unter Zugzwang.

Schwerin (dpa/mv) - Die ehemaligen Beschäftigten der MV-Werften wollen Gewissheit über ihre berufliche Zukunft. Die Ungeduld unter den 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Transfergesellschaft wachse, sagte IG-Metall-Sprecher Heiko Messerschmidt. Aus Miet- und Pachtverträgen an den Standorten müssten Arbeitsverträge werden.

Bis Ende Oktober haben die neuen Eigentümer der Werftstandorte in Wismar, Rostock und Stralsund Zeit. Dann läuft die Transfergesellschaft nach bisherigem Stand aus. Ändert sich nichts an der Lage, sieht Messerschmidt nach eigenen Worten eine große Gefahr, dass Fachkräfte Ende Oktober auf der Straße stehen oder die Region verlassen. Am Mittwoch will die Gewerkschaft daher in Schwerin für eine Verlängerung des Übergangskonstruktes werben, denn ohne Unterstützung des Landes werde dies nicht möglich sein.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer äußert sich bisher zurückhaltend über eine Verlängerung: Es sei stets klar gewesen, "dass die Transfergesellschaft keine Dauerlösung sein wird. Eine weitere Verlängerung braucht immer eine gute und konkrete Begründung."

Der Insolvenzverwalter der MV-Werften, Christoph Morgen, bemüht sich derweil um einen Weiterbau des Kreuzfahrtschiffes "Global One" in Wismar. Dies könnte viele Arbeitsplätze mittelfristig erhalten. Bezüglich einer Verlängerung der Transfergesellschaft sagte er: "Voraussetzung für einen Fertigbau ist, dass das Know-how der Mitarbeitenden auf der Werft vorhanden ist. Alle Maßnahmen, die dabei helfen, sind zielführend."

85 Ingenieure arbeiten zurzeit noch unter Morgens Leitung im Auftrag des neuen Eigners des Werftgeländes in Wismar, Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Diesen sei bereits ein Angebot zur Übernahme durch TKMS unterbreitet worden. 30 weitere Beschäftigte hat der Medizintechniker Eppendorf ebenfalls in Wismar eigenen Angaben zufolge übernommen und schult diese um.

Besonders angespannt ist der Gewerkschaft zufolge die Lage in Stralsund. Laut Guido Fröschke, Geschäftsführer der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg, hat der norwegische Schiffbauer Fosen Yard als bisher größter Pächter auf dem ehemaligen Werftgelände frühestens für Januar eine mögliche Beschäftigung von etwa 80 Fachkräften in Aussicht gestellt. Bisher seien keine Verträge unterzeichnet. Fröschke zufolge sind die ehemaligen MV-Mitarbeiter zudem entrüstet, dass die Stadt Stralsund als neue Eigentümerin des Geländes die noch vorhandene Ausrüstung möglichst schnell verkaufe. Der IG-Metall-Geschäftsführer sprach von einer fehlenden Weitsicht im Rathaus.

Stralsund fühlt sich hier missverstanden. "Grundsätzlich werden alle Gerätschaften den potenziellen Pächtern angeboten, mit denen die Hallen ausgestattet sind", teilte ein Sprecher mit. Auch Maßnahmen wie die Abschaffung der Werksfeuerwehr sind aus Sicht des Grundstückseigentümers notwendig, um Standortnebenkosten für die Pächter zu senken und dadurch die Entwicklung der Unternehmen zu unterstützen.

Quelle: dpa

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