Regionalnachrichten

Mecklenburg-Vorpommern Vom NSU ermordet: Trauerfeier für Mehmet Turgut in Rostock

dpa_Regio_Dummy_MecklenburgVorpommern.png

Vor 17 Jahren wurde der 25-jährige Türke Mehmet Turgut vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordet. Der Todestag ist jedes Jahr ein Anlass für eine Trauerfeier, in diesem Jahr fiel sie etwas kleiner aus.

Rostock (dpa/mv) - Am 17. Jahrestag der Ermordung des 25-jährigen Türken Mehmet Turgut durch die rechtsterroristische Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) hat die Rostocker Bürgerschaftspräsidentin Regine Lück zum entschlossenen Kampf gegen Rassismus aufgerufen. "Der Rassismus reicht weit in die Gesellschaft hinein, wir können nicht mehr von einem Rand sprechen", sagte Lück zum Gedenken an Turgut am Donnerstag in Rostock. Es müsse aufgerüttelt werden gegen Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit. "Wir brauchen eine starke und weltoffene Zivilgesellschaft." Bei der Gedenkfeier waren wegen der Corona-Pandemie nur rund 25 Teilnehmer.

Diese Zivilgesellschaft lasse sich nicht verordnen, sagte Lück. Sie müsse in den Familien, Schulen, Vereinen und im beruflichen Umfeld wachsen. Lück erinnerte an die Anschläge etwa in Hanau oder Halle sowie an die Ermordung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. "Dies waren Anschläge auf unsere Demokratie." Sie erwähnte in dem Zusammenhang, dass Rechtsextremisten auch bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zu sehen seien. "Da steht der normale Bürger Schulter an Schulter mit den Nazis."

Turgut hatte am 25. Februar 2004 an dem Imbiss im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel ausgeholfen, als er Opfer des NSU wurde. Dessen Kerntrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die Männer acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Sie begingen außerdem zwei Sprengstoffanschläge und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. 2011 flog das Trio auf. Die beiden Männer wurden tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden. Das Oberlandesgericht München verurteilte Zschäpe im Juli 2018 wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft.

Wie der Obmann der Linksfraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, Peter Ritter, sagte, habe seine Fraktion die Protokolle ausgewählter Zeugenvernehmungen veröffentlicht. In wenigen Wochen ende die Beweisaufnahme des Ausschusses, sagte Ritter. "Dies kann und darf aber nicht das Ende der Aufklärung sein." Der Ausschuss habe seinen Untersuchungsauftrag nicht erfüllt. Zu viele Fragen, insbesondere zu möglichen Mitwissern und Unterstützungsstrukturen des NSU in MV, seien offengeblieben.

© dpa-infocom, dpa:210225-99-591948/3

Regionales
ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.